Forderung

Zum neuen Kitajahr: Wir brauchen mehr Infektionsschutz

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern fordert von der bayerischen Staatsregierung wirksamere Maßnahmen zum Infektionsschutz beim Start in das neue Kitajahr. Ein „Weiter so” ist unverantwortlich. 

07.09.2021 Bayern Pressemeldung GEW Bayern
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Im neuen Kitajahr sollen laut Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales Inzidenzen kein Richtwert mehr für Maßnahmen sein. Weiterhin werden Eltern zwei freiwillige und kostenlose Antigentests pro Woche für ihr Kind angeboten. Außerdem sollen weiterhin nur symptomlose Kinder eine Kita besuchen dürfen. Der Rahmenhygieneplan sieht für den Regelbetrieb auch weiterhin Händewaschen, Lüften und Masken vor, sowie eine Entzerrung der Hol- und Bringsituation.

Gerd Schnellinger, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW Bayern, ist sich sicher: „Das ist eine reine Durchseuchungsstrategie, mehr nicht. Wir fordern daher, dass die Inzidenzen unter den Kindern betrachtet werden müssen, wenn es um Maßnahmen geht. Wir haben derzeit eine Pandemie der Ungeimpften. Kinder unter zwölf, für die noch keine Impfung zugelassen ist und deren Angehörigen sind die Leidtragenden.“

Schnellinger kritisiert, dass die Maßnahmen nicht reichen werden: „Die Selbsttests werden für Eltern sehr aufwändig über Apotheken verteilt und die viel besseren Pooltests lassen immer noch auf sich warten, obwohl sich diese als sehr praktikabel erwiesen haben. Leider werden sie derzeit nur auf private Initiative hin vereinzelt durchgeführt. Was für Grundschulen gilt, nämlich Pooltests, muss doch auch für Kitas gelten. Hier erwarte ich vom Sozialministerium endlich ein Umschwenken. Sehr viele Träger haben offene Konzepte, da frage ich mich schon, wie bei Infektionsfällen die Quarantäne für Alle vermieden werden soll. Wir sind fest davon überzeugt, dass bisher die festen Gruppen mit fest zugeordnetem Personal die wichtigste Maßnahme war, gerade in einem Bereich, in dem Abstand halten und Masken tragen prinzipiell nicht möglich ist. Auch über das weitgehende Fehlen von Luftfiltern rege ich mich sehr auf. Seit fast einem Jahr ist klar, dass diese viel bringen würden.“

Hilger Uhlenbrock, Sprecher der Landesfachgruppe Sozialpädagogische Berufe, ergänzt: „Viele Kolleg*innen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben sich impfen lassen. Unsere Sorge gilt den Kindern und ihren Angehörigen. Auch wenn Kinder selten schwer erkranken, so ist Long-Covid bei Kindern noch nicht gut erforscht und nicht wenige Kinder haben individuelle Risiken. Auch viele Angehörige gehören der Risikogruppe an. Es geht insgesamt um mehr als neun Millionen Kinder ohne Impfangebot. Wir erwarten, dass man die Jüngsten unter uns schützt, bis Impfen möglich ist. Dass jetzt Kinder dem Virus quasi schutzlos ausgesetzt werden, erschüttert uns sehr.“

Die GEW Bayern verlangt daher ein Umdenken der Staatsregierung. Sie fordert auch deutlich bessere Maßnahmen zur Absicherung der Eltern. „Homeoffice wird seltener möglich, was sollen aber Eltern tun, wenn wie zu erwarten Einrichtungen oder Gruppen wieder geschlossen werden müssen. Die Kinderkranktage sind oft schon ausgeschöpft. Gerade die Alleinerziehenden trifft es hier mit voller Wucht. Auch ist unverständlich, warum geringfügig Beschäftigte gar keine Kinder-Krank-Tage beanspruchen können. Diese Arbeitssituation stellt die Lebensrealität vieler Mütter dar“, führt Schnellinger aus. 
 

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