GEW beklagt Zunahme von Zwangsteilzeit und Befristungen in Kitas

Die Bildungsgewerkschaft GEW will bei den heute beginnenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen einen kräftigen Gehaltszuwachs für ErzieherInnen in den Kindertageseinrichtungen durchsetzen. "Die Schere zwischen den Anforderungen an ErzieherInnen und der Bezahlung klafft immer weiter auseinander. Für 2.000 Euro Brutto sollen sie Bildungspläne umsetzen und Sozialarbeit leisten. Wie will man junge Frauen und Männer so für diesen Beruf begeistern?", erklärte GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber heute in Essen.

10.01.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen

Zugleich bieten immer mehr Kitas nur befristete Teilzeitarbeit an. Meyer-Lauber: "Gerade junge ErzieherInnen suchen eine Festanstellung, müssen sich aber dann von Fristvertrag zu Fristvertrag hangeln." Mit teilweise zwangsreduziertem Stundenumfang finden sie sich dann an der Armutsgrenze wieder.

Die GEW will in der Tarifrunde 2008 zusammen mit ver.di und GdP eine Tariferhöhung um 8 Prozent erreichen. In den nächsten Monaten geht es in den Tarifverhandlungen auch um einen neuen Eingruppierungstarifvertrag für sozialpädagogische Fachkräfte. Die Bildungsgewerkschaft macht sich dafür stark, dass ErzieherInnen mindestens in die Entgeltgruppe 8 des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst (TVöD) eingruppiert werden. ErzieherInnen, die nach einem Bildungsplan arbeiten, sollen besser bezahlt werden. Das würde bedeuten, dass die Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen zwischen 1.930 und 3.180 Euro Brutto verdienen würden. Die Arbeitsgeber fordern teilweise eine Einstufung in die Entgeltgruppe 6, in der zwischen 1.764 und 2.285 Euro pro Monat gezahlt wird. Damit würden dann ErzieherInnen deutlich weniger als nach den alten BAT-Regelungen verdienen.

"ErzieherInnen verdienen mehr. Wenn Gesellschaft und Politik zu Recht immer höhere Anforderungen stellen, müssen sie auch Leistung anständig bezahlen. Wenn man für Kinder eine hohe Qualität in der Bildung will, muss man ErzieherInnen ein Gehalt zahlen, das dem Niveau und der Verantwortung ihrer Arbeit entspricht", so Meyer-Lauber.

Weitere Informationen - Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TvöD)

Am Donnerstag (10.01.2008) beginnen die Tarifverhandlungen für 1,3 Millionen Angestellte des Bundes und der Kommunen, 1,15 Millionen davon sind bei den Gemeinden und Zweckverbänden beschäftigt. Die Länder sind seit 2004/05 nicht mehr im Tarifverbund. Sie schlossen im Mai einen eigenen Tarifvertrag TV-L für 780.000 Landesbeschäftigte ab. TV-L und TvöD lösten den Angestelltentarifvertrag (BAT) ab. Die Regelungen des BAT zur Eingruppierung blieben vorerst in Kraft, die Verhandlungen für eine neue Entgeltordnung sollten eigentlich bis zum 30. September 2007 abgeschlossen sein, werden aber erst 2008 auf der Tagesordnung stehen.

Eine Eingruppierung ab der Gruppe 8 TvöD, so die Einschätzung der GEW, wird den ErzieherInnenberuf attraktiver machen und auch dazu beitragen, dass mehr Männer in den Kindertageseinrichtungen arbeiten.

NRW: 20.000 neue ErzieherInnen für Krippenausbau erforderlich

In NRW arbeiten knapp 80.000 ErzieherInnen und pädagogische Fachkräfte in gut 9.700 Kindertageseinrichtungen. Die GEW schätzt, dass in NRW für einen bedarfsgerechten qualitätsorientierten Ausbau der Krippen und Kitas annähernd 20.000 neue ErzieherInnen benötigt werden. Derzeit werden gut 12.000 SchülerInnen an den Fachschulen für Sozialpädagogik zu ErzieherInnen ausgebildet. Im Rahmen der Ausbildung können sie auch die Fachhochschulreife erwerben.

Die Beschäftigungssituation in den Kindertageseinrichtungen zeigt eine prekäre Entwicklung. Einer bundesweiten Studie der GEW zufolge arbeiten 54 Prozent des pädagogischen Personals in Teilzeit, nicht alle davon freiwillig. Rund ein Viertel der ErzieherInnen gibt an, dass keine Vollzeitstelle zu finden sei. Nach Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik ist die Vollzeiterwerbsquote in Kitas in NRW zwar bundesweit mit durchschnittlich 58,9 Prozent am höchsten, aber auch hier gibt es einen Trend zur (Zwangs) Teilzeit bei ErzieherInnen. So hat sich nach einer aktuellen Analyse der Statistiker Schilling und Fuchs-Rechlin in den Kindertageseinrichtungen in NRW der Anteil der Beschäftigungsverhältnisse mit einem Stundenvolumen zwischen 31-37 Stunden seit 1998 fast vervierfach (2,3% in 1998, 8,9% in 2006). Der Anteil der Beschäftigungsverhältnisse zwischen 20 und 29 Stunden ist im gleichen Zeitraum von 8 Prozent auf 12.7 Prozent gestiegen. Offenbar, so die übereinstimmende Einschätzung der Statistiker und der GEW, führt die Reduzierung des Personalkostenzuschusses des Landes infolge geringerer Präsenzzeiten der Kinder in den Einrichtungen dazu, dass die Träger als Arbeitgeber die Beschäftigungszeiten ziemlich zeitgenau dem jeweiligen Personalbedarf anpassen.

In der GEW-Kita-Studie erklären 84 Prozent der ErzieherInnen, bereits nach dem Bildungsplan ihres Bundeslandes zu arbeiten. In NRW ist schon unter Rot-Grün im Jahr 2003 eine Bildungsvereinbarung abgeschlossen worden, die in den Einrichtungen der Kommunen und der freien Träger zur Stärkung der frühkindlichen Bildung und frühzeitigen Mobilisierung von Bildungspotenzialen der Kindergartenkinder flächendeckend umgesetzt wird.


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