Kita-Gebühren

GEW NRW sieht Gefahr für die Chancengleichheit

Die Finanzierung frühkindlicher Bildung in Nordrhein-Westfalen ist weiterhin stark vom Wohnort abhängig. Trotz ausgeweiteter Beitragsfreiheit gibt es weiterhin große Unterschiede: Je nach Kommune zahlen Familien mit gleichem Einkommen sehr unterschiedliche Beiträge – von beitragsfrei bis hin zu mehreren hundert Euro monatlich.

18.03.2026 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen
  • Stifte stehen auf dem Tisch einer Kita, im Hintergrund zwei Kinder. © Adobe Stock Gerade sozial benachteiligte Regionen stehen häufig unter doppeltem Druck.

„Aus gewerkschaftlicher Sicht führt das zu struktureller Ungleichheit in einem zentralen Bildungsbereich“, erklärt Ayla Celik, Vorsitzende der GEW NRW. „Kitas leisten wichtige Bildungs-, Integrations- und Förderarbeit, besonders in den ersten Lebensjahren. Unterschiedliche Elternbeiträge schaffen jedoch ungleiche Startbedingungen und berühren grundlegende Fragen von Chancengleichheit und sozialer Teilhabe.“

Eine aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts und der Technischen Universität Dortmund verdeutlicht, dass das System der Elternbeiträge in Nordrhein-Westfalen einem kommunalen Flickenteppich gleicht. Gerade sozial benachteiligte Regionen stehen häufig unter doppeltem Druck. Einerseits leben dort mehr Familien mit niedrigem Einkommen und erhöhtem Unterstützungsbedarf, andererseits verfügen die Kommunen oft über geringere finanzielle Spielräume. Ayla Celik: „Das heißt: Genau dort, wo frühkindliche Bildung besonders wichtig ist, stehen häufig weniger Mittel zur Verfügung. Es entsteht der Eindruck einer „Wohnortlotterie“, bei der nicht allein die Bedürfnisse der Kinder, sondern auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommune darüber entscheidet, welche Belastungen Familien tragen müssen.“

Wenn frühkindliche Bildung tatsächlich dazu beitragen soll, soziale Ungleichheiten auszugleichen, müssen aus Sicht der GEW NRW die Ressourcen dort stärker eingesetzt werden, wo die Herausforderungen am größten sind. „Zu den zentralen Konsequenzen gehört eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung nach einem Sozialindex sowie eine verlässliche und einheitliche Regelung der Elternbeiträge – perspektivisch bis hin zu einer schrittweisen Beitragsfreiheit. Dadurch bestünde die Chance, bestehende Ungleichheiten abzubauen und den Zugang zu frühkindlicher Bildung für alle Kinder gleichermaßen zu sichern. Bildung darf keine Frage des Geldbeutels sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Kinder – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Wohnort – die gleichen Startchancen erhalten“, erklärt Ayla Celik.

„Wenn es die Landesregierung mit der Sicherung von Chancengleichheit, Stabilität und Verlässlichkeit im Kita-System ernst meint, muss sie die Rolle der Kitas als zentrale Bildungsinstitutionen weiter stärken und den Zugang möglichst unabhängig von Einkommen und Wohnort gestalten. Meine Erwartung ist, dass die Landesregierung Schritte einleitet, um die Qualität und Chancengleichheit im Kitasystem nachhaltig zu sichern. Denn gute Bildung ist ein Grundrecht und eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.“


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