Interview

Christiane Meiner-Teubner: „Was sollen unsere Kitas leisten?“

Bye-bye, Erzieher:innenmangel? Die sinkende Geburtenrate in Deutschland verändert die Rahmenbedingungen in Kitas – wenn auch regional unterschiedlich. Welche Chancen bietet die Entwicklung für mehr pädagogische Qualität? Und wie realistisch ist es, dass die freiwerdenden Mittel den Kitas zugutekommen?

13.05.2026 Bundesweit Artikel Anna Petersen
  • © Sören Teubner Dr. Christiane Meiner-Teubner forscht unter anderem über strukturelle Bedingungen von Kindertagesbetreuung. Sie ist Wissenschaftliche Leitung und Geschäftsführung des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund.

Um diese Fragen geht es im bildungsklick-Interview mit Christiane Meiner-Teubner vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund. Mit Redakteurin Anna Petersen spricht die Erziehungswissenschaftlerin zudem über die unterschiedliche Ausgangssituation in Ost- und Westdeutschland sowie Best-Practice-Beispiele einzelner Bundesländer.

Anna Petersen: Frau Dr. Meiner-Teubner, welche Chancen birgt der demografische Wandel für Kitas?

Christiane Meiner-Teubner: Wir müssen die Situation ein Stück weit getrennt voneinander uns anschauen, weil der demografische Wandel in unterschiedlicher Weise in Ost- und Westdeutschland zuschlägt sozusagen. In Ostdeutschland sehen wir das schon seit etwa zehn Jahren – massive Geburtenrückgänge – und da ist es in den Kitas schon massiv angekommen. In Westdeutschland ist es eigentlich erst seit wenigen Jahren. Und wir haben außerdem noch zwei ganz unterschiedliche Systeme: In Ostdeutschland, ein System, was schon seit vielen Jahren sehr gut ausgebaut ist, wo wir Rechtsansprucherfüllung schon sehr gut hinter uns gebracht haben und wo die demografischen Entwicklungen sofort zuschlagen. In Westdeutschland ist es so, dass wir für den Rechtsanspruch immer erst mal ausbauen mussten, ausbauen mussten, ausbauen mussten, und vor einer ganz großen Fachkräftemangel-Situation in den letzten Jahren gestanden haben. Und dadurch zeigen sich auch ganz unterschiedliche Chancen sozusagen mit dem demografischen Wandel: In Westdeutschland eher eine Situation, wo wir sagen, wir kommen jetzt eher in eine Situation, da entspannt sich was in den Kitas, wir werden nicht mehr so viel der Situation hinterherlaufen müssen. Und in Ostdeutschland ist es tatsächlich so, dass wir da eigentlich eher eine dramatische Situation haben, weil wir da schon ganz massiv zurückgehende Kinderzahlen haben: Gruppenschließungen und jetzt vielfach auch Einrichtungsschließungen, Personal, was teilweise Stunden reduzieren muss, teilweise auch bei den Personen dann direkt auch Existenzängste vorherrschen. Und da ist es aber so, dass wir im Grunde genommen zumindest als Chance sagen können: Wir können da eigentlich auch jetzt Qualität verbessern, weil wir in Ostdeutschland beispielsweise eine relativ schlechte Situation zwischen Fachkräften und Kindern haben. Und das birgt jetzt die Chance, da rein zu investieren.

Kitas, wahrscheinlich vor allem in Westdeutschland, die hatten ja jetzt wirklich lange Probleme mit einem Mangel an Ressourcen, vor allem an Fachkräften. Stichwort Kita-Katastrophe oder Kita-Krise. Wie hoch ist denn die Chance, dass diese freiwerdenden Mittel und auch das freiwerdende Personal tatsächlich der Qualität von Kitas zugutekommen? […]



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