Jüngste PISA-Studie: Chancengleichheit bleibt ein Fremdwort

(bikl) Was sich bei der vorgezogenen Bekanntgabe der PISA-Ergebnisse im Juli 2005 bereits angedeutet hatte, findet jetzt Bestätigung: Schulischer Erfolg und Kompetenzerwerb sind in Deutschland weiterhin in hohem Maße abhängig von der sozialen Herkunft.

30.10.2005 Artikel

Schlimmer noch: Die Chancenungleichheit in den deutschen Schulen, so berichtet dpa heute, nimmt laut dieser Ländervergleichsstudie weiter zu. Selbst bei gleicher Intelligenz habe ein 15-jähriger Schüler aus der Oberschicht eine vier Mal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und damit das Abitur zu erlangen als ein Gleichaltriger aus einer Arbeiterfamilie.

Wegen der bevorstehenden Bundestagswahlen waren erste Ergebnisse der Studie zwar bereits im Juli bekannt gegeben worden. Damals aber ging es eher darum, verhaltenen Optimismus zu verbreiten, schließlich waren zwei neue Bundesländer in die deutsche Spitzengruppe vorgestoßen: Sachsen und Thüringen.

Ungerechtigkeit wächst

Das eigentliche Desaster aber wird jetzt wohl deutlich: Die Ungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems hat vier Jahre nach der ersten PISA-Studie nicht etwa ab- sondern zugenommen. Das zumindest, so dpa, beweisen die ausführlichen Daten mit der wissenschaftlichen Begründung, die am 3. November in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.

Bayern vorn?

Erfasst wurden in der Studie die Kompetenzen der 15jährigen Schüler in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Problemlösen und Lesefähigkeit. Besonders pikant: In Bayern ist die Chancenungleichheit auf dem Weg zum Abitur besonders stark ausgeprägt. Kinder aus der Oberschicht haben dort eine 6,65 Mal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen und die Reifeprüfung abzulegen, als Schüler aus einem Arbeiterhaushalt.

Und schließlich hat sich bei der Schlüsselkompetenz, der Lesefähigkeit, am wenigsten getan - im Gegensatz zu den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten. Ein Grund für die guten mathematischen Trends könnte SINUS sein, ein Projekt der Bund-Länder-Kommission zur Verbesserung des Mathematikunterrichts. Übrigens: Ein Modell, bei dem der Bund mit im Boot sitzt.

Siehe auch Bildungs-Special Studien: Pisa /OECD


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