Kein Konsens nach PISA

(bikl) Dass in der Lehrerbildung noch viel nachzuholen sei, darüber waren sich Karin Wolff und Eva-Maria Stange am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse einig. Bei allen anderen Themen, die sie in der Diskussion "Hat die Pisa-Studie die Schulen verändert?" anschnitten, vertraten die beiden Podiumsteilnehmerinnen allerdings ganz unterschiedliche Positionen.

10.10.2004 Artikel

Nirgendwo, so die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Eva-Maria Stange, seien soziale Herkunft und Schulerfolge so verzahnt wie in Deutschland. Hier vermisse sie Konsequenzen aus der PISA-Studie. Dem hielt die hessische Kultusministerin Wolff den Erfolg der vorschulischen Sprachförderung in Hessen entgegen. Immerhin würden 95 Prozent der Eltern von Kindern mit Sprachproblemen dieses Kursangebot annehmen. Erste Evaluationen bewiesen, dass Kinder die solche Kurse besucht hätten, in der Schule erheblich erfolgreicher seien als Kinder ohne zusätzliche Förderung.

Die permanente Auslese, so konterte Stange, sei das größte Problem im deutschen Schulsystem. Brüche zögen sich permanent durch die Schülerbiographien. Ihr Beleg: Jeder vierte Schüler in Deutschland wiederholt eine Klasse - freiwillig oder weil er sitzen bleibt. "Wir können Kinder nur dann fördern, wenn wir sie besser kennen lernen", so das Plädoyer der Gewerkschafterin. Und das setze eine längere gemeinsame Schulzeit voraus. Die hessische Kultusministerin hingegen verteidigte die Anschlussfähigkeit der Schulformen in ihrem Bundesland, wo zum Beispiel auch Schüler an beruflichen Schulen die allgemeine Hochschulreife erwerben könnten.

Unbeantwortet blieb schließlich die Frage von Eva-Maria Stange, warum die Bildungsausgaben in Deutschland weiter gesunken seien, während andere OECD Länder mit besseren PISA-Ergebnissen zugelegt hätten.


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