Kindertagesförderung in MV: Wir brauchen echte Reformen!
„Wenn man nur mit schönen Pressemitteilungen die Kindertagesförderung nachhaltig verbessern könnte, hätten wir das beste System zur frühkindlichen Bildung bundesweit!" Die GEW-Landesvorsitzende Sandra Astáras ist sauer.
25.11.2025 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung GEW Mecklenburg-VorpommernErneut liegt ein wissenschaftliches Gutachten vor, das einen direkten Zusammenhang zwischen der Qualität der Bildung und den Arbeitsbedingungen für Erzieher:innen in den Krippen, Kitas und Horten des Landes und den zu großen Gruppen und schlechten Ausstattung nachweist und erneut reagiert das Bildungsministerium darauf mit einer „Jubelmeldung". Die ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz hat gestern eine Stellungnahme mit dem Titel: „Gesunde Fachkräfte, gute Bildung: Personal und Qualität in der frühen Bildung sichern" veröffentlicht.
Sandra Astáras sagt: „Fakt ist doch, dass wir kein Erkenntnisproblem haben. Wir haben ein strukturell defizitär ausgestattetes System, das nicht nur für Kinder zu negativen Folgen, sondern letztlich sogar zu gesundheitlichen Problemen bei Erzieher:innen führen kann. Und gegen strukturelle Probleme helfen keine individuellen Maßnahmen. Was die zuständige Ministerin anführt, sind im Einzelnen gute Schritte, allerdings fehlt das Fundament. Dabei geht es um genügend Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung und da halten wir in MV im Ländervergleich in Bezug auf die Betreuungsrelationen zuverlässig einen der letzten Plätze mit zu großen Gruppen und zu wenig Zeit für die pädagogische Arbeit. Wir brauchen keine Schönfärberei, wir brauchen echte Reformen!"
Da die Ministerin in ihrer Pressemitteilung unter anderem auf den Landesrahmenvertrag als Erfolgskonzept verweist, erklärt die Gewerkschafterin: „Die Annahmen darin halten einem Realitätscheck nicht stand. Ein Blick in den Landesrahmenvertrag zeigt uns, dass man im Durchschnitt mit 15 Krankheitstagen bei Erzieher:innen für die Finanzierung rechnet. In der Praxis - und das wissen wir nicht erst seit dieser Stellungnahme - sprechen wir jedoch von 29 bis 30 Tagen. Erzieher:innen sind deutlich länger krank als der Durchschnitt der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten! Wenn man hier mit realen Zahlen rechnen würde, befänden sich mehr Erzieher:innen in den Einrichtungen und es würde zu weniger Vertretungen, Gruppenzusammenlegungen oder Betreuungsausfall kommen."
Außerdem ist man bei der GEW MV verärgert über die 3,5 Millionen Euro, die im kommenden Doppelhaushalt für die sogenannte „Fachkräfteoffensive" für das Wahljahr 2026 veranschlagt werden: „Die zurückgehenden Kinderzahlen führen schon heute zu deutlichen Stundenreduzierungen, Nichtübernahmen nach der Ausbildung und auch Kündigungen. Unsere Kolleg:innen, die davon betroffen sind, kommen sich von dieser Werbekampagne verhöhnt vor. Wir fordern, diese Maßnahme zu streichen und das Geld in die direkte pädagogische Arbeit mit den Kindern einfließen zu lassen!", sagt Sandra Astáras. Für das Forum „Gute Kita 2030" hat sich die GEW MV vorgenommen, gemeinsam mit den Eltern und Trägern von Seiten des Landes deutliche Anstrengungen zu strukturellen Verbesserungen der Kindertagesförderung einzufordern.
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