Kita-Beschäftigte kriechen auf dem Zahnfleisch
Laut einer Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW arbeiten 91 Prozent der Beschäftigten in Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein über ihre Belastungsgrenze hinaus. Gründe für die Überlastung: zu wenig Personal, hohe Krankenstände, steigende pädagogische Anforderungen und immer mehr organisatorische Aufgaben.
13.09.2024 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-HolsteinAn der Umfrage haben sich 1.406 pädagogische Fachkräfte beteiligt. Sie ist nicht repräsentativ, aber durchaus aussagekräftig.
„Die Ergebnisse sind alarmierend. Erzieher:innen und Sozialpädagogische Assistent:innen schaffen ihre Arbeit nicht mehr. Sie tragen eine zu hohe Last. Ein extrem hoher Krankenstand (32 Tage im Jahr!), Burnout und Flucht aus dem Beruf sind die Folge“, sagte der GEW-Co-Landesvorsitzende Henning Schlüter am 12. September 2024 in Kiel. Doch die Landesregierung lege nicht den Hebel auf Entlastung um. Durch Kaschieren des Personalmangels setze sie bei der Reform des Kindertagesförderungsgesetzes auf Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.
„Das kann nicht gut gehen! Die Lage in den Kitas wird sich weiter zuspitzen. Die Landesregierung gefährdet so Bildung und Erziehung der Kinder, aber auch die Gesundheit der Arbeitnehmer:innen“, so Schlüter. Die GEW fordert deshalb die Landesregierung auf, die geplanten Verschlechterungen des Kita-Gesetzes zurückzuziehen. Stattdessen müsse sie für Entlastung sorgen, indem sie die Arbeitsbedingungen der Fachkräfte verbessere und die personellen Ressourcen in den Kitas aufstocke.
Viele Aspekte der Umfrage haben es in sich:
- 79 Prozent der Befragten gaben an, ihren eigenen Ansprüchen an die Arbeit unter den aktuellen Bedingungen nicht gerecht werden zu können.
- 85 Prozent der Einrichtungen haben unbesetzte Stellen (eine bis drei Stellen).
- 83 Prozent der Befragten berichten von regelmäßigen Problemen bei der Aufrechterhaltung des Kita-Alltags aufgrund von Personalausfällen.
- Die Vor- und Nachbereitungszeit wird von der Hälfte der Befragten oft nicht genutzt, da die personellen Ressourcen nicht ausreichen.
Ein Aspekt sticht noch besonders negativ ins Auge: 92,5 Prozent – also fast alle Fachkräfte – fühlen sich von der Politik nicht oder nur unzureichend wertgeschätzt. Knapp 70 Prozent empfinden auch die gesellschaftliche Anerkennung als ungenügend. Diese Wahrnehmung erscheint umso bedenklicher, weil 79 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der Wertschätzung ihrer Arbeit in den letzten Jahren beobachten. Diese Resultate wiegen sehr schwer, denn 97 Prozent identifizieren sich stark mit ihrem Beruf.
Die einzelnen Ergebnisse und Grafiken sind in einem von der GEW Schleswig-Holstein veröffentlichten PDF-Dokument zu finden.
- Frühe Bildung: Bedarf der Eltern mit U3-Kindern erreicht neuen Höchstwert
- System frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung steht vor Kollaps
- Dramatisch hohe Krankheitsausfälle beim Kita-Personal erfordern Handlungen
Keine Kommentare vorhanden