Kritik an Sprachtests nicht klein reden

"Das Schulministerium ruft zu einem Zeitpunkt zur Gelassenheit in Sachen Sprachtests auf, zu dem das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Der erste Teil des Verfahrens war in der zeitlichen Abfolge so hektisch, dass Unsicherheit entstehen musste. Leider lässt sich dieses Problem auch schon für die zweite Phase voraussehen. Kritisiert werden muss auch, dass die tatsächliche zeitliche Inanspruchnahme der Lehrerinnen und Lehrer deutlich über den Angaben des Ministeriums lag."

05.04.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Materialien sind an den Schulen zu spät angekommen, Lehrerinnen und Lehrer waren nicht ausreichend vorbereitet. Die Testsituation hat viele Kinder verunsichert, was dazu geführt hat, dass sie zum Teil den Test verweigert haben. Der Test bezog sich auf einen Besuch im Zoo. Etliche Kinder aus armen Familien waren aber noch nie im Zoo und konnten folglich mit dem Spiel nicht viel anfangen. Die Testfragen lagen oft außerhalb der Erfahrungswelt der Kinder.

"Diese Erkenntnisse aus dem ersten Teil des Verfahrens sollte das Ministerin jetzt aufgreifen und sie für eine Verbesserung der zweiten Phase nutzen", so Beckmann weiter. "Es würde Eltern mögliche Ängste nehmen, wenn ihnen das Gefühl vermittelt würde, dass der Test gut vorbereitet ist und in seiner zeitlichen Abfolge gut geplant ablaufen wird."

Über den Test selbst müsste allerdings nachgedacht werden. Er ist nicht altergemäß, sondern zu verschult angelegt. Mit einem 45-minütigen Test sind vierjährige Kinder in ihrer Konzentrationsfähigkeit überfordert. Die ungewohnte Testsituation mit unbekannten Menschen hat darüber hinaus zu Stresssituationen bei den Kindern geführt. Etliche Kinder waren deshalb während des Tests blockiert und verhielten sich nicht wie sonst.

"Wünschenswert wäre, wenn aus der aus Schulen und Kindertageseinrichtungen zurückgemeldeten Kritik jetzt Konsequenzen gezogen würden", so Beckmann abschließend. "Die Sprachtests können nur eine Chance sein, wenn sie auch vernünftig ablaufen und auch eine qualifizierte und kindgerechte Förderung sichergestellt wird."


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