Kultusministerin zieht Bilanz nach dem zweiten Durchgang der frühen Deutschförderung

Mehr als 5.300 Kinder konnten dank des hessischen Modells der frühen Deutsch-Förderung in Vorlaufkursen im Schuljahr 2004/05 in die erste Klasse aufgenommen werden. Das zeigt die Bilanz des zweiten Durchgangs der Vorlaufkurse, die Kultusministerin Karin Wolff heute vorgestellt hat.

02.12.2004 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

"Das ist eine unserer wichtigsten Antworten auf PISA: Früh Deutsch lernen legt den Grundstein für eine erfolgreiche Schullaufbahn ausländischer Kinder", so Wolff. Danach erhöhte sich die Zahl der teilnehmenden Kinder im ersten Halbjahr 2004 gegenüber dem Vorjahr um 670 auf 5.520. Die Anzahl an Vorlaufkursen, in denen überwiegend Kinder ausländischer Herkunft noch vor der ersten Klasse Deutsch lernen, ist um 72 auf 677 gestiegen. Immerhin 93,9 Prozent der Eltern hatten sich für einen freiwilligen Kursbesuch ihres Kindes entschieden.

Bei der Einschulung im Schuljahr 2004/05 mussten nur 332 Kinder wegen mangelnder deutscher Sprachkenntnisse von der ersten Klasse zurückgestellt werden und lernen jetzt in verpflichtenden schulischen Angeboten Deutsch. Das sind 52 Kinder weniger als im Vorjahr. Dies korrespondiert mit der gestiegenen Anzahl an Kindern in den Vorlaufkursen und mit der Tatsache, dass es weniger Kinder in Vorlaufkursen gab, die keinen Kindergarten besuchten. "Die Eltern haben verstanden, was wichtig und notwendig ist für ihre Kinder", so Wolff.

Von den 332 zurückgestellten Kindern hatten 213 einen Vorlaufkurs besucht. Damit ist es 5.307 Kindern (96,1 %) durch den Besuch von Vorlaufkursen gelungen, die vorgegebenen sprachlichen Grundvoraussetzungen zum Eintritt in eine erste Klasse zu erreichen, während nur 3,9 % (Vorjahr 4,7%) einen Nachholbedarf haben. Die Schulämter berichten, dass es sich hierbei vielfach um Kinder handelt, die die Vorlaufkurse nicht regelmäßig besucht haben und auch Kinder darunter sind, denen das Lernen grundsätzlich schwerer fällt. "Das zeigt, welche enorme Chance die Vorlaufkurse bei konsequenter Teilnahme bieten", stellte Wolff fest.

Unter den Teilnehmern der Vorlaufkurse waren auch 379 Kinder (Vorjahr 175) mit Deutsch als Erstsprache. "Das Hessische Schulgesetz unterscheidet nicht nach Nationalitäten, sondern nach sprachlichen Gründen bei einer Zurückstellung vom Schulbesuch", so Wolff. Vorlaufkurse könnten von allen Kindern besucht werden, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen, um den Lehrkräften und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern im Unterricht zu folgen.

Die Kinder profitieren von den frühen Förderkursen nicht nur in sprachlicher Hinsicht. Die Lehrkräfte stellten einhellig fest, dass die Selbstsicherheit der Kinder in erheblichem Maße gestiegen ist. Eine wichtige Begleiterscheinung ist bei den Eltern zu beobachten. Mütter, die ihre Kinder in Vorlaufkurse bringen oder abholen, kommen mit anderen Müttern über ihre Kinder und die Schule ins Gespräch und machen sich mit der Schule vertraut. "Damit gelingt es, mehr ausländische Eltern als bisher bei Elternabenden anzutreffen. Sie verlieren die Scheu, zeigen sich viel interessierter am Schulleben und setzen sich aktiv mit der Schullaufbahn der eigenen Kinder auseinander", so die Ministerin. Ein "wunderbarer Nebeneffekt" der Vorlaufkurse sei zudem, dass sich immer mehr Mütter dazu entschließen, die Kursangebote "Mama lernt Deutsch" zu besuchen.

Auch die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Kindergärten habe sich laut Wolff positiv weiter entwickelt. Anfängliche Vorbehalte seien in der Regel einer konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit gewichen. "Dies ist wichtig, damit die Kinder den Übergang von Kindergarten in die Schule nicht als zu starken Bruch erleben", so die Ministerin.

Zur Erinnerung: Kultusministerin Wolff hatte das Einschulungsverfahren im Zuge der Reform des Hessischen Schulgesetzes im Jahr 2002 neu geregelt. Seither werden schon bei der Anmeldung in der Grundschule gezielt die Deutschkenntnisse der Kinder getestet. Zeigt sich dabei, dass das Kind die deutsche Sprache faktisch nicht versteht und sich nicht auf Deutsch verständigen kann, wird den Eltern dringend empfohlen, es in einen der für sie kostenlosen, freiwilligen Vorlaufkurse zu geben. Seit 2002 ist auch der Anmeldetermin in der Grundschule für alle Kinder ein halbes Jahr früher als bislang - statt im Frühling nun bereits im Herbst des Vorjahres. Damit haben die Kinder etwa ein Dreivierteljahr Zeit für den Besuch von Vorlaufkursen. Weil die Kinder bei der Schulanmeldung noch nicht schulpflichtig, d.h. jünger als sechs Jahre alt sind, kann der Besuch eines Vorlaufkurses zu diesem Zeitpunkt lediglich empfohlen, nicht aber angeordnet werden.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden