Lebenslanges Lernen - aber nicht mit uns!
(bikl) "Ich glaube, dass die ganze Diskussion, die jetzt stattfindet, auch eine Generationenproblematik ist", erklärte Fritz von Bernuth, Geschäftsführer der Cornelsen Verlagsgruppe. "Wir Älteren haben Probleme, Dinge zu lernen."
09.08.2004 ArtikelDen passenden Stoff für diese These hatte kurz zuvor der Chefredakteur von Bild am Sonntag, Claus Strunz, in Christiansens Talkshow geliefert: "Richtig betroffen sind sechs Jahrgänge von Schülern, die von vorneherein neue Rechtschreibung gelernt haben. Das sind die Jüngsten der Jungen und wir sind davon überzeugt, dass die es auch sehr schnell lernen, weil man halt als Junger noch schnell umlernt, wieder zu den alten Regeln zurückzukehren."
Denn wenig Lernerfolg in Sachen Rechtschreibung konnte er bei sich selbst feststellen: "Ich bin wirklich richtig froh und genieße es, dass bei uns künftig ein Manuskript auf den Schreibtisch kommt, und ich weiß endlich wieder selber, ob es richtig oder falsch ist."
Dass Kinder jetzt schneller und unkomplizierter lesen lernen, wie Karl Blüml, Vorsitzender der Rechtschreibkommission, anhand von Untersuchungen belegte - "Erstlernen ist einfacher geworden" - beeindruckte da wenig.
Auf den Einwurf der KMK-Vorsitzenden Doris Ahnen: "Ist es denn so schlimm, dass wir Älteren noch mal ein bisschen was ändern müssen, uns an etwas gewöhnen müssen?" konterte der Medienprofi Wolf Schneider aus dem Bauch mit einer Zahlenjonglage: "Nun leiden die Kinder, ja mein Gott! Ich habe vier Kinder und acht Enkel, ich weiß, wovon ich rede! Ich bin davon nicht so beeindruckt wie Sie. Nämlich, dass von 95 Millionen Menschen deutscher Muttersprache 80 Millionen Erwachsene leiden, darf mich auch beeindrucken."
Für derart lernbedingten Leidensdruck zeigte eine Lehrerin aus dem Publikum aber kaum Verständnis: "Ich musste auch umlernen. Das fiel am Anfang schwer, aber inzwischen beherrsche ich das." Und fügte hinzu: "Wenn jetzt das Ganze zurückgenommen wird, dann würde wirklich das Chaos ausbrechen, besonders für die Kinder und die Jugendlichen und ich finde es sehr ignorant, zu sagen, die sind ja noch jung, die können das neu lernen."
Konkret wurde endlich ein Schüler. Die Zeitungen sollten nicht über die Reform meckern, sondern sich besser um ihre Texte kümmern: "Es sind jede Menge Fehler drin."
Beitrag des anwesenden Politikers: "Wir führen die Frage, ob das Kind jetzt wirklich in den Brunnen fällt."
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