Forschung

Neues aus Stanford

Wie kann die frühkindliche Entwicklung bestmöglich gefördert werden? Mit dieser Frage befassen sich Forschungseinrichtungen weltweit – so auch das Stanford Center on Early Childhood in den USA. Von Jule Krause und Alexander Wolf

19.11.2025 Bundesweit Artikel Meine Kita
  • Kinder sitzen mit einer Erzieherin am Tisch und spielen. © Adobe Stock Rund fünf Wochen lang wurden körperliche, kognitive und sozial-emotionale Entwicklungsdaten von Kindern zwischen null und fünf Jahren systematisch erhoben.

Jedes Kind soll von Anfang an gute Entwicklungschancen haben - dieser Anspruch steht im Zentrum der Arbeit des Stanford Center on Early Childhood SCEC. Entscheidend dafür ist der individuelle Lebenskontext: Familie, frühpädagogische Fachkräfte und das direkte Umfeld der Kinder. Hier setzt das Rapid Survey Project des SCEC an. Ziel ist es, die Erfahrungen und Lebensrealitäten von Familien und Betreuungspersonen in der frühen Kindheit sichtbar zu machen – und daraus fundierte Empfehlungen für Politik und Praxis abzuleiten.

DAS RAPID SURVEY PROJECT

RAPID („Rapid Assessment of Pandemic Impact on Development“) ist ein Umfrageprojekt des Stanford Center on Early Childhood, das als Reaktion auf die COVID- 19-Pandemie ins Leben gerufen wurde. Seit April 2020 befragt das Forschungsteam monatlich Eltern und frühpädagogische Fachkräfte zu Erfahrungen mit Kinderbetreuung, psychischer Gesundheit, finanzieller Lage und strukturellen Belastungen. Ziel ist es, frühzeitig datenbasierte Empfehlungen für Politik und Praxis abzuleiten – auch in Krisenzeiten.

rapidsurveyproject.com

Ein zentrales Thema: Wie wirken sich strukturelle Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung auf die Gesundheit von Fachkräften aus? Zwischen März 2021 und Juli 2023 befragte das Forschungsteam des Rapid Survey Project mehr als 3 500 frühpädagogische Fachkräfte aus allen 50 US-Bundesstaaten – mit teils besorgniserregenden Ergebnissen: Fast jeder/jede zweite Befragte berichtete über moderate bis starke Symptome von Angst. Bei etwa einem Drittel traten zudem depressive Gefühle auf. Dazu zählten unter anderem Nervosität, innere Unruhe und das Gefühl, überfordert, wertlos oder niedergeschlagen zu sein. Die psychischen Belastungen standen häufig im Zusammenhang mit belastenden Arbeitsbedingungen: Viele Befragte gaben an, unter Zeitdruck zu arbeiten, zu wenig Pausen zu haben oder sich in ihrer Tätigkeit gesellschaftlich nicht ausreichend anerkannt zu fühlen. Auch finanzielle Unsicherheiten spielten eine Rolle – zum Beispiel durch niedrige Löhne, prekäre Arbeitsverhältnisse und fehlende soziale Absicherung.

Aus den Ergebnissen der Befragung entwickelten die Forschenden ein Factsheet. Darin fordern sie: Pädagogische Fachkräfte sollten durch politische und institutionelle Maßnahmen gezielt unterstützt werden – etwa durch faire Bezahlung, soziale Absicherung und Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung. Nur so könne sichergestellt werden, dass sie ihre gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit langfristig leisten können.

STANFORD CENTER ON EARLY CHILDHOOD SCEC

• Teil eines interdisziplinären Zentrums der Stanford Graduate School of Education im US-Bundesstaat Kalifornien, das 2022 gegründet wurde

• Verknüpft Forschung in Bereichen wie Bildung, Neurowissenschaften, Pädiatrie, Recht und Politik sowie Entwicklungspsychologie. Forschungsschwerpunkte: frühkindliche Entwicklung und deren Einflussfaktoren

• Ziele: Das SCEC will die kindliche Entwicklung fördern, strukturelle Ungleichheiten beseitigen, den Informationsaustausch in der frühkindlichen Bildung verbessern und Fachkräfte in dem Bereich unterstützen.

Erkenntnisse durch Sensoren

Wie lässt sich die kindliche Entwicklung ganzheitlich erforschen – auch in ressourcenarmen Regionen? Eine Studie des SCEC in Malawi hat gezeigt, wie das gelingen kann: Rund fünf Wochen lang wurden körperliche, kognitive und sozial-emotionale Entwicklungsdaten von Kindern zwischen null und fünf Jahren systematisch erhoben – mithilfe tragbarer Sensoren, klassischer Erhebungsmethoden sowie ergänzender Informationen der Eltern zu Gesundheit, Verhalten und Alltagsroutinen. Ziel war es, ein praxistaugliches Verfahren für Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu entwickeln.

Das Ergebnis ist ein Leitfaden für Fachkräfte und Forschende, die solche Daten selbst erheben möchten: Der „User Guide“ mit dem Titel „Using Wearable Sensors in Practice“ beschreibt ein sechsteiliges Erhebungsdesign. Zudem gibt der Guide konkrete Anleitungen zu Schulungen, ethischen Standards und den logistischen Abläufen entsprechender Erhebungen.

Die Studie zeigt: Der kombinierte Einsatz von tragbaren Sensoren und klassischen Methoden liefert valide Ergebnisse. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, durch die unterschiedlichen Datenquellen, ein umfassenderes Bild der kindlichen Entwicklung zu gewinnen.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: Meine Kita - das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 3/2025, S. 28-29, www.meine-kita.de



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