Gastbeitrag

Nur mit Sonnenschutz!

Manche Einrichtungen cremen Kinder nicht mit Sonnencreme ein. Warum das rechtliche Probleme nach sich ziehen kann, erklärt Meine Kita-Rechtsexperte Torsten Bornemann.

13.08.2019 Bundesweit Artikel Meine Kita
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Wenn die Temperaturen steigen und die Sonne scheint, stellt sich für Kitas die Frage nach dem Sonnenschutz bei Kindern. Kinder verfügen nicht wie Erwachsene über einen körpereigenen Schutzmechanismus und müssen daher besonders vor UV-Strahlen geschützt werden. Eincremen mit Sonnenschutzmitteln kann in Kindertageseinrichtungen aber zu einer Grundsatzdiskussion führen.

Sonnenschutz erneuern

Manche Einrichtungen überlassen das Eincremen komplett den Eltern. Ein generelles „Wir cremen nicht ein!“ löst die Frage, ob eingecremt wird oder nicht, allerdings in rechtlicher Hinsicht nicht. Denn zum gesetzlichen und meist auch explizit vertraglichen Inhalt der Betreuung gehört auch die Versorgung der Kinder. Um den übernommenen vertraglichen Verpflichtungen in dieser Hinsicht zu entsprechen, müssen die Kinder vor absehbaren Schäden wie einem Sonnenbrand bewahrt werden. Pädagogische Fachkräfte müssen berücksichtigen, dass ein Kind, das morgens eingecremt in die Kita kommt, nachmittags nicht mehr den gleichen Sonnenschutz hat. In einer vertraglichen Zusatzvereinbarung zwischen Eltern und Einrichtung sollte geregelt werden, ob ein- oder nachgecremt werden darf oder welche Alternativen bestehen. Verstößt die Einrichtung gegen diese vertraglichen Vorgaben, können entsprechende Unterlassungs- oder Vornahmeansprüche der Eltern die Folge sein.

Rechtsanwalt Torsten Bornemann gibt in jeder Ausgabe von Meine Kita Antworten auf rechtliche Fragen aus dem Kita-Alltag.

Sonnenbrand: Grund für Kündigung

Da gerade die kleineren Kinder die mit der Sonneneinstrahlung verbundene Gefahrenlage noch nicht überblicken, hat die pädagogische Fachkraft eineengmaschige Aufsichtspflicht. Ein Sonnenbrandoder ein Sonnenstich infolge der Verletzung dieser Pflicht kann sogar Grund für eine sofortige Kündigung des  Betreuungsvertrages darstellen. Wenn nicht beispielsweise mit Sonnensegeln oder Kleidung ein hinreichender Sonnenschutz sichergestellt werden kann, sollten pädagogische Fachkräfte nachcremen, damit die während des Aufenthaltes in der Kita bestehende Aufsichtspflicht nicht verletzt wird. Insoweit sind die Betreuer angehalten, die Interessen des Kindes und der Eltern abzuwägen. Lehnt die Einrichtung jedoch komplett ab, die Kinder einzucremen, müsste bei starkem Sonnenschein auf das Spielen im Freien ohne alternativen Sonnenschutz gänzlich verzichtet werden.

Die fehlenden gesetzlichen Vorgaben zeigen, dass konkrete Absprachen zwischen Einrichtung und Eltern wichtig sind. Eine dienst-, arbeits- oder gar strafrechtliche Inanspruchnahme der Betreuungsperson wegen einer fahrlässigen Körperverletzung wäre grundsätzlich denkbar. Denn mit der vertraglichen Übernahme der Betreuung geht auch eine strafrechtlich relevante Schutzpflicht einher.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 2/2019, S. 34-35, www.fruehe-bildung.online


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