Professionalisierungs-Projekt gibt "wichtige Impulse"
"Die Besten für die Kleinsten!" – unter diesem Motto stand ein vierjähriges Modellprojekt des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) zur Professionalisierung des elementarpädagogischen Praxis- und Ausbildungsfeldes. Ziel des vom Bundesfamilienministerium und dem Land Niedersachsen geförderten Projektes war es, Ansätze zu einem abgestimmten und durchlässigen System der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung zu entwickeln und zu erproben. Auf einer Abschlusstagung in der Ständigen Vertretung Niedersachsens in Berlin wurden einem bundesweiten Fachpublikum die Ergebnisse des Projektes präsentiert und auch die notwendigen weiteren Schritte auf dem Weg zur Professionalisierung des Feldes diskutiert.
27.05.2013 Pressemeldung nifbe - Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und EntwicklungStaatssekretär Michael Rüter, Bevollmächtigter des Landes Niedersachsen beim Bund, hob zur Begrüßung heraus, dass es eine der zentralen gesamtgesellschaftlichen Aufgaben sei für die bestmögliche Begleitung und Förderung der Kinder in Krippe und Kindergarten zu sorgen. "Grundlage hierfür ist die weitere Professionalisierung des gesamten Feldes – von Studium, Aus- und Weiterbildung über die KiTa-Praxis bis hin zur Wissenschaft und Forschung", so Rüter. Hierfür habe das Projekt "wichtige Impulse" gesetzt. Ein im Projekt entwickelter systematischer Handlungsplan mit 14 Bausteinen für die Professionalisierung des Feldes sei dabei auch "eine wertvolle Folie" für die weiteren Planungen der niedersächsischen Landesregierung zur Qualitätsentwicklung.
"Das Projekt", so Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin im Bundesfamilienministerium, "hat gezeigt, dass Professionalisierung in der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung nur mit allen Partnern gemeinsam gelingen kann. Für ein gemeinsames Ziel, nämlich das Wohl der Kinder, gilt es an einem Strang zu ziehen und sich nicht von Partikularinteressen leiten zu lassen", so Kraushaar. In diesem Sinne habe das Projekt auch "Pionierarbeit" geleistet.
Grundsätzlich unterstrich Regina Kraushaar, dass allen Kindern ein Zugang zur einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung geboten werden müsse und dass "nichts die Qualität mehr bedingt als ein guter Personalschlüssel und eine gute Ausbildung". Mit klaren Worten forderte sie für die ErzieherInnen eine "vergütete Ausbildung", "mehr Vollzeit-Stellen" und eine "grundsätzlich bessere Vergütung insbesondere in der Einstiegsphase".
Wie Projektleiterin Maria Thünemann-Albers auf der Tagung ausführte, standen im Projekt die breite Beteiligung der verschiedenen Akteurs-Ebenen und ein gemeinsamer, kontinuierlicher "Dialog auf Augenhöhe" im Fokus. Ausgehend von einer interdisziplinären Zukunftswerkstatt wurden in verschiedenen Arbeitsgruppen, Expertenrunden und landesweiten Tagungen Bausteine für die Professionalisierung entwickelt und erprobt. Zentral waren dabei die Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit des Berufsfeldes, ein Kompetenzkonzept für elementarpädagogische Studiengänge in Niedersachsen sowie ein Konzeptvorschlag für die KiTa 2020.
Prof. Dr. Hilmar Hoffmann von der Universität Osnabrück zeigte als wissenschaftliche Begleitung des Projektes auf, dass sich die derzeitigen Professionalisierungsprozesse "zu weiten Teilen der Gestaltungskraft der PraktikerInnen entziehen". Wie im Projekt exemplarisch vorgeführt, gelte es daher Partizipationsstrukturen zu schaffen, die Akteure zu einander zu führen und Aushandlungsprozesse auf Augenhöhe zu moderieren. Im Projekt sei die "hohe Motivation zu interdisziplinärer Zusammenarbeit" deutlich geworden und die rund 80 eingebundenen ExpertInnen aus den verschiedenen Ebenen des Feldes konnten im Ergebnis "strukturelle Veränderungen wahrnehmen, die eine Qualitätssteigerung im Elementarbereich ermöglichen".
Prof. Dr. Hilmar Hoffmann empfahl entsprechende Vernetzungsstrukturen in allen Bundesländern zu installieren und die Abstimmungsprozesse zwischen den Teilsegmenten des Feldes systematisch zu organisieren. "Auf diese Weise können wir die Demokratie und Eigenverantwortung in diesem Feld stärken sowie wertvolle Ressourcen aktivieren", so Hoffmann.
Zum Abschluss der Tagung rief nifbe-Vorstandsmitglied Dieter Wuttig dazu auf, die Professionalisierung des Feldes immer "vom Kind und seinen Bedürfnissen" her zu denken. Jeder Mensch solle, wie es auch im Artikel 1 des Grundgesetzes impliziert sei, in die Lage versetzt werden, "sein Leben aus eigener Kraft und mit eigenem Wissen so zu gestalten, dass er aktiv an der Gesellschaft teilhaben kann." Dazu müssten auch die Politik professionalisiert und die Strukturen der Ministerien und Kommunen im Hinblick auf eine durchgängige kindliche Bildung und Entwicklung ausgerichtet werden. "Der Blick", so Wuttig, "muss sich weg von einer defizitorientierten, kostenintensiven Nachsorge und hin auf die Ressourcen und Chancen der ersten Jahre bewegen".
Keine Kommentare vorhanden