Qualitätsvereinbarung für Kitas: Verpasste Chance

Heute unterzeichnen die Senatsbildungsverwaltung, die Liga der Wohlfahrtsverbände und der Dachverband der Kinder- und Schülerläden (DaKS) eine Vereinbarung zur Qualitätsentwicklung an den Kindertagesstätten. Die GEW BERLIN begrüßt diese mit der Umsetzung des Berliner Bildungsprogramms verbundene Zielsetzung. Sie ist allerdings der Auffassung, dass die dafür notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.

12.01.2006 Berlin Pressemeldung GEW Berlin

Die Vorsitzende der GEW BERLIN, Rose-Marie Seggelke: "Wenn man die Vereinba¬rung ernst nimmt, muss man von Seiten der Verwaltung die Bedingungen dafür schaffen, dass die Kitas die hochgesteckten Ziele auch verwirklichen können."

Die Aufgaben der Kindertagesstätten werden vielfältiger und anspruchsvoller Die Vereinbarung verpflichtet die Träger (sowohl die freien Träger als auch die fünf neuen Kita-Eigenbetriebe), den Bildungsauftrag der Kindertagesstätten durch Umsetzung des Berliner Bildungsprogramms und Anwendung eines Sprachdokumentationssystems zu erfüllen. Die Bildungsprozesse der Kinder vollziehen sich während des gesamten Kita-Alltags und sind nicht begrenzt auf einzelne Angebote der ErzieherInnen. Der Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Bildungsverläufe kommt bei der Förderung der Kinder eine besondere Bedeutung zu, damit spezielle Begabungen oder eventuelle Beeinträchtigungen früh erkannt werden und entsprechende Unterstützung für jedes Kind geplant und angeboten werden kann.

Zur Erfüllung dieser vielfältigen Aufgaben benötigen die ErzieherInnen zusätzliche Zeiten für Vor- und Nachbereitung, für Beobachtung und Dokumentation, für Elternarbeit, für Teambesprechungen und weitere Fortbildungen. Dazu kommt die Verpflichtung zur internen und externen Evaluation.

Für diese Aufgaben sind zusätzliche Ressourcen erforderlich. Die GEW BERLIN kritisiert, dass sich das Land Berlin nicht bereit erklärt hat, zur Gestaltung dieses außerordentlich anspruchsvollen Prozesses die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende der GEW BERLIN: "Die Kindertagesstätten werden mit der Umsetzung des Berliner Bildungsprogramms allein gelassen. Wenn die Erzieherinnen und Erzieher mit dem bisherigen Personalschlüssel Vorbereitungen, Beobachtung, Dokumentation , Evaluation, Fortbildung abdecken müssen, kann das nur zur Konsequenz haben, dass für die Arbeit mit den Kindern weniger Zeit zur Verfügung steht. Der erste Schritt, die Verbesserung der Personalausstattung, ist leicht möglich: Im Stellenpool befinden sich einige hundert Erzieherinnen und Erzieher. Die Umsetzung des Bildungsprogramms ist nicht zum Nulltarif zu haben; ansonsten verkommt es zu einem für den Senat werbewirksamen Aushängeschild."

Ansprechpartner

GEW Berlin

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