Stressmanagement

Raus aus der Negativspirale

Der Personalmangel verursacht Stress für die Kita-Fachkräfte. Expertin Carola Kleinschmidt gibt Tipps, wie Erzieherinnen und Erzieher den Kita-Alltag stressarm gestalten können. Interview: Vincent Hochhausen

06.05.2024 Bundesweit Artikel Meine Kita
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Meine Kita: Was passiert mit uns bei dauerhaftem Stress?

Carola Kleinschmidt: Es kommt zu körperlichen und mentalen Symptomen, zum Beispiel Muskelschmerzen, Konzentrationsproblemen und schlechter Laune. Stress führt oft zu einer allgemein negativen Einstellung: Man sieht Erfolge und positive Entwicklungen nicht mehr, fokussiert sich auf das Negative und hat das Gefühl, dass alles immer schlechter läuft – obwohl es nicht stimmt. Gerade in der Kita kommt das häufig vor.

Warum?

Weil Fachkräfte vielen Belastungen ausgesetzt sind. Kollegen fallen wegen Krankheit aus, Kinder streiten sich, es herrscht Dauerlärm. Sie müssen sich um viele Aufgaben gleichzeitig kümmern und flexibel sein. Wir empfinden Dinge als besonders stressvoll, wenn sie uns an den Aufgaben hindern, die wir geplant haben und als unsere Verantwortung betrachten. Es kann Stress verursachen, wenn man mit den Kindern rausgehen möchte, aber es zu regnen anfängt und durch das An- und Ausziehen der Regensachen das pünktliche Essen in Gefahr gerät.

Carola Kleinschmidt

ist zertifizierte Stresspräventionstrainerin und berät Kita-Fachkräfte zu diesem Thema.

Was können Fachkräfte in Zeiten von Personalmangel gegen den Dauerstress tun?

Grundsätzlich ist es wichtig, die Stressfaktoren zu reflektieren und zu versuchen, sie zu reduzieren. Zum Beispiel indem man trotzdem Raum für Entspannungsphasen schafft. Dazu braucht es gute Abstimmung im ganzen Team. Kleine Maßnahmen können eine große Wirkung haben, etwa indem das Team bespricht, wer welche Aufgabe als angenehm empfindet und sie entsprechend aufteilt. Oder indem die Kita Zeit für Kurzpausen schafft, in denen die Kollegin für einige Minuten keine Verantwortung hat, sondern sich einen Moment auf sich konzentrieren kann.

Kommunikation ist also ein Schlüssel?

Absolut. Ich sehe zwei wichtige Prinzipien: Erstens offen mit den Eltern zu kommunizieren, zum Beispiel klar zu sagen: Diese Woche können wir mit den Kindern keinen Ausflug machen, sondern nur auf den Spielplatz um die Ecke gehen, weil wir zu wenig Personal haben. Das nimmt Druck.Und zweitens: Sich als Team über Probleme offen zu verständigen und sie Schritt für Schritt anzugehen. Fachkräfte sollten keinesfalls jede Schwierigkeit als persönliches Versagen sehen. Die Kitaleitung hat hier eine wichtige Steuerungsrolle, denn das Wohlbefinden der Mitarbeitenden liegt in ihrer Verantwortung.

Tipps zur Stressreduktion

Tipp 1: Mikropausen zum Abschalten nutzen

Kleine Rituale und Regeln festlegen, die einem in kurzen Pausen beim Entspannen helfen. Zum Beispiel: Wenn ich mir einen Tee mache, denke ich nicht an die Arbeit oder: Wenn die Kinder zu Mittag essen, gehe ich kurz an die frische Luft und höre den Vögeln zu.

Tipp 2: Eine Pausenkultur in der Kita schaffen

Gemeinsam im Team offen besprechen, wie für alle Fachkräfte Entspannungspausen ermöglicht werden können. Dabei gilt: Wer Pause macht, darf ganz bei sich sein und hat in dieser Zeit keine Verantwortung zu tragen.

Tipp 3: Das Positive wahrnehmen

Im Kita-Alltag bewusst den Blick auf Positives lenken. Zum Beispiel indem Teambesprechungen damit beginnen, dass jeder ein schönes Erlebnis aus der vergangenen Woche erzählt oder indem das Kita-Team ein Buch mit Erfolgserlebnissen aus der Gruppe führt.

Tipp 4: Lärmpegel senken

Dauerlärm ist eine Belastung. Fachkräfte können bewusst ruhige Spielzeiten gestalten. Mit grö- ßeren Kindern kann man auch eine stille Stunde einführen.

Tipp 5: Aufgaben sinnvoll verteilen

Jede Erzieherin und jeder Erzieher hat bestimmte Aufgaben, die ihnen besonders liegen und bei denen sie selbst entspannen können – sei es Geschichten vorlesen, Kinder zu Bett bringen oder mit den Kindern an der frischen Luft sein. Fachkräfte können Aufgaben je nach Vorlieben aufteilen.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in:

Meine Kita - das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 1/2024, S. 43-44, www.meine-kita.de



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