"Schluss mit dem Streit um die Rechtschreibreform"
Ein Ende des Streits um die Rechtschreibreform und mehr Engagement für eine sinnvolle Schreib- und Leseerziehung forderte am Donnerstag in Oranienburg der Vorsitzende des Bundeselternrates, Wilfried W. Steinert. "Es ist an der Zeit, dass die Kultusministerkonferenz die Rechtschreibreform konsequent zu Ende führt. Dass dabei Anregungen und Korrekturen aufgenommen werden müssen, ist selbstverständlich. Der ständige Veränderungsprozess der Sprache sollte von einer Reformkommission begleitet werden, in der auch Vertreter der schulischen Mitwirkungsgremien ihren Platz haben", sagte Steinert.
03.06.2004 Pressemeldung BundeselternratStatt weiter unnötig Kräfte im Streit zu verpulvern, sollten die Anstrengungen beim Erlernen der deutschen Sprache verstärkt werden. Für den Bundeselternrat beinhalte das Recht auf Bildung auch die Verpflichtung der Beteiligten zur umfassenden Schreib- und Leseerziehung aller Kinder, argumentierte Steinert. Die Weichen dazu würden lange vor Beginn der Schulzeit gestellt. Nicht zuletzt seien elterliche Lese- und Vorlesegewohnheiten prägend. Da nicht alle Elternhäuser dieser Aufgabe gewachsen seien, bildeten Früherkennung und Frühförderung wesentliche Voraussetzungen für spätere Lernerfolge. "Besteht also besonderer Förderbedarf, so sind die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen und entsprechende Maßnahmen aufeinander abzustimmen", meinte Wilfried W. Steinert. "Drei bis vier Entwicklungsjahre Unterschied bei Schulbeginn sind Realität. Da hierbei Kindergärten und Kindertagesstätten eine große Bedeutung zukommt, muss diese Möglichkeit, eine solche Tagesstätte zu besuchen, jedem Kind in der Bundesrepublik kostenfrei zur Verfügung stehen."
Jedes Kind müsse seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechend schreiben und lesen lernen können und auch die dafür erforderliche Zeit bekommen, so eine weitere Forderung Steinerts. Um die Schreib- und Leselust der Kinder zu wecken und auch über die gesamte Schulzeit zu fördern müssten Eltern und Lehrer gemeinsame Strategien entwickeln. Außerdem sei eine anregungsreiche und herausfordernde Lernumgebung zu schaffen. "Dazu gehört unserer Meinung nach auch eine während der gesamten Schulzeit für alle offene Mediathek mit einer umfangreichen Ausstattung an Büchern, Zeitungen und Computern. Zeitraubend geübte Diktate gehören in die pädagogische Mottenkiste. Stattdessen gibt eine individuelle Dokumentation der Schreib- und Leseentwicklung zuverlässig Aufschluss über Fortschritte und das aktuelle Können des Kindes. Schreib- und Leseerziehung braucht mehr Zeit in der Schule", sagte der Vorsitzende des Bundeselternrates.
Eltern und Erzieher würden gemeinsam Verantwortung tragen. Deshalb müssten unterstützende Angebote auch für die Eltern da sein und entsprechende Rahmenbedingungen durch die politisch Verantwortlichen in den Ländern gewährleistet werden. "Ohne diese Schritte in Richtung einer besseren Schreib- und Leseerziehung bleibt die Rechtschreibreform eine Reform ohne Zukunft", sagte Wilfried W. Steinert.
Von Uwe Werner
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