Schreiben lernen im Netz
(bikl) "Herzlich willkommen bei [www.ich-will-schreiben-lernen.de](http://www.ich-will-schreiben-lernen.de). Wenn Sie Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben, können sie es hier lernen." So begrüßt seit heute eine freundliche Frauenstimme die Besucher auf dieser bisher einmaligen Lernplattform für funktionale Analphabeten.
08.09.2004 ArtikelDas Lernportal, das vom Deutschen Volkshochschul-Verband mit dem Bundesverband Alphabetisierung entwickelt wurde, bietet eine Einstufung in sechs verschiedene Niveaustufen. Der Lernende erhält anschließend maßgeschneiderte Übungspakete. Zusätzlich werden aktuelle Nachrichten, Hörtexte und Lesetexte angeboten sowie die Möglichkeit, über Voice-Mail mit anderen Lernenden in Kontakt zu kommen. Aktuelle und schwierige Texte können gelesen, aber auch gehört werden. Der Vorteil: Es werden keine "künstlichen" Schulbuchtexte vorgelegt, sondern echte, motivierende Angebote gemacht. Auf diese Weise unterstützt das Multimediaangebot den Lernprozess durch Sprachausgabe.
Die LuTA-Studie von APOLL (www.apoll-online.de) hatte von März bis Mai 2003 erstmals bundesweit Teilnehmer in Alphabetisierungskursen befragt. Ein Ergebnis der Studie: 43 % der über 1.000 Befragten haben eine "hohe" bzw. "sehr hohe" Bereitschaft, E-Learning zu nutzen. Die Möglichkeit anonym zu lernen scheint der Hauptgrund für das Interesse an dem neuen Medium zu sein.
Als alphabetisiert gilt heute, wer sich an sämtlichen Aktivitäten seiner Umwelt, bei denen Lesen, Schreiben und Rechnen erforderlich sind, und ebenso an der weiteren Nutzung dieser Kulturtechniken für seine eigene Entwicklung und die seiner Gemeinschaft beteiligen kann. (UNESCO: Statement of the International Commitee of Experts on Literacy, 1962) Dazu gehört beispielsweise die Rezeption von Texten, die von allgemeinem Interesse sind, der Umgang mit Bedienungsanleitungen und schriftlichen Arbeitsanweisungen, das Ausfüllen von Formularen und das Bedienen von Automaten.
Total-Analphabeten gibt es heute in Deutschland nur sehr wenige. Diejenigen, die die genannten Mindestanforderungen nicht erfüllen, gelten als funktionale Analphabeten.
Am 13.02.2003 haben die Vereinten Nationen die Weltalphabetisierungsdekade ausgerufen. Ziel ist es, das Analphabetentum um die Hälfte zu minimieren. Ein weiteres bildungspolitisches Ziel der Informationsgesellschaft ist es, den "digital divide" - die Spaltung der Gesellschaft in "Onliner" und "Offliner" - zu verhindern, um Chancengleichheit für alle herzustellen. Heute nutzt in der Bundesrepublik über die Hälfte der Bevölkerung regelmäßig das Internet.
In der Weltalphabetisierungswoche vom 1. bis 8. September 2004 soll durch die verschiedensten Projekte auf das Problem des Analphabetismus in Deutschland und weltweit aufmerksam gemacht werden.
Weiterführende Links:
www.apoll-online.de
www.ich-will-schreiben-lernen.de
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