Uneinigkeit über die Einzelgänge von Stoiber und Rüttgers

(bikl) Auf die Ankündigungen der Ministerpräsidenten Bayerns und Nordrhein-Westfalens, Edmund Stoiber (CSU) und Jürgen Rüttgers (CDU), die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform vorläufig nicht an Schulen und Behörden verbindlich einzuführen, haben die übrigen Bundesländer am Samstag unterschiedlich reagiert.

17.07.2005 Artikel

Zwar sympathisierte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit dem Vorstoß aus Bayern, weil aus "schulpraktischen und pädagogischen Gründen" eine zeitlich befristete Beibehaltung der gegenwärtigen Übergangsregelung besser sei als die beschlossene Neuregelung. Und weiter: "Den Schulen sollte zu gegebener Zeit eine fertige Regelung und kein Stückwerk präsentiert werden." Dafür sei der Rat für deutsche Rechtschreibung die richtige Institution.

Aber der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) ließ gegenüber der gleichen Zeitung auch eine Gesamtverantwortung erkennen und hält deshalb "eine rasche Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten für erforderlich". Er wolle sich Anfang kommender Woche mit seinen Kollegen Stoiber und Rüttgers sowie anderen Ministerpräsidenten beraten.

Die CDU-regierten Bundesländer Hessen, Sachsen und Thüringen wollen hingegen bei dem bleiben, was die Kultusministerkonferenz einstimmig beschlossen hat und die unstrittigen Teile der Reform zum 1. August einführen. Das sagten Sprecher der drei Landesregierungen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die ehemalige Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD), sagte dem Blatt, sie habe "kein Verständnis für das Vorgehen Bayerns und Nordrhein-Westfalens".

Bereits am Donnerstag hatten sich am Rande der KMK-Präsentation der PISA-Studie der Bremer Senator für Bildung und Wissenschaft, Willi Lemke (SPD) gegenüber bildungsklick.de eindeutig geäußert: "Eine Revision der Rechtschreibbeschlüsse - mit uns nicht." Auch der rheinlandpfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Jürgen Zöllner (SPD) bekräftigte gegenüber bildungsklick.de: "Es gibt keine Veranlassung, irgendwo irgendetwas zu machen", und setzte noch hinzu: "Wir haben uns schon lächerlich genug gemacht mit der Rechtschreibereform." Auch die KMK-Vorsitzende Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) hatte sich andeutende Alleingänge einzelner Bundsländer noch gelassen genommen: "Ich bin dankbar, dass das heute kein Thema auf der KMK ist." Und außerdem: "Die KMK hat in der Sache beschlossen."

Für eine zukünftige Regelung der Rechtschreibung heben sowohl Wulff als auch Rüttgers allein die Rolle des Rates für deutsche Rechtschreibung hervor. Entschieden mehr Weitsicht enthält die Beschlusslage der KMK. Sie hat zwar zur fachlichen Klärung und Beratung den Rat für deutsche Rechtschreibung ins Leben gerufen, zur endgültigen Entscheidung über zukünftige Regeln wollen die Kultusminister allerdings auch noch Vertreter derjenigen Gruppen anhören, die unter dem andauernden Hick-Hack der Politiker am meisten zu leiden haben, nämlich Schüler, Eltern und Lehrer.

Siehe auch Bildungs-Special Rechtschreibreform.


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