Unterrichtsversorgung 2006/07: Es wird wieder einmal bei den Schwächsten gekürzt
Drei Tage nach Veröffentlichung der OECD-Studie zur Situation von Migrantenkindern, in der Deutschland eine mangelhafte Förderung attestiert wird, legt der Senator für Bildung der Bildungsdeputation seinen Orientierungsrahmen für die Unterrichtsversorgung im nächsten Schuljahr vor, in dem ausgerechnet in diesem Bereich Stellen gestrichen werden.
18.05.2006 Bremen Pressemeldung GEW BremenAufgrund der Kürzungsbeschlüsse des Senats werden im neuen Schuljahr 62 Lehrerstellen weggekürzt. Davon entfallen allein 17 auf den Bereich "Sozialstrukturbedarf und Migrantenförderung". Aber auch andere Kürzungen treffen ausländische und sozial benachteiligte Kinder in besonderem Maße: Beim Integrierten Schulanfang, beim Muttersprachlichen Unterricht, bei der Deutschförderung für Migranten, bei den Leseintensivkursen, bei der Klassenlehrerstunde in der Hauptschule - etwa die Hälfte aller Stellenkürzungen ist in diesen Bereichen zu finden.
Darüber hinaus werden allen Grundschulen und allen Schulen der Sekundarstufe I die Stunden für Krankheitsvertretung gestrichen (694 Stunden = -26 Stellen). Stattdessen sollen (ebenso wie in der Ausländerförderung) billigere Aushilfskräfte (u.a. Studierende) stundenweise beschäftigt werden.
Mit diesem Orientierungsrahmen setzt Bremen seine Talfahrt bei der Unterrichtsversorgung fort. Selbst der Senator für Finanzen musste in seinem letzten "Benchmarking-Bericht" über die Schüler/Lehrer-Relation vermelden: "Die Werte für die allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen liegen in Bremen deutlich über den Werten der übrigen Stadtstaaten und damit nur noch knapp über dem Bundesdurchschnitt." M.a.W.: Die Lehrerversorgung ist in Bremen schlechter als in den meisten Großstädten und bedeutend schlechter als in Berlin und Hamburg!
Dies macht ein längerfristiger Vergleich deutlich: Die Zahl der Lehrerstellen, die den Bremer Schulen zugewiesen wurden, betrug
- 1995/96 (Amtsantritt der Großen Koalition): 5119
- 1998/99 (Amtsantritt Bildungssenator Lemke): 4698
- 2005/06 (laufendes Schuljahr): 4389
Zusammen mit den jetzt geplanten Kürzungen ist das ein Abbau von ca. 790 Stellen. Und die Zahl der SchülerInnen ist in diesem Zeitraum sogar leicht angestiegen!
Mit einer derartigen Personalabbaupolitik wird die gesellschaftliche Aussonderung vorangetrieben. Eine Haushaltsnotlage mag für manches als Begründung herhalten - nicht aber für vorsätzlich herbeigeführte Perspektivlosigkeit junger Menschen! Gerade nach der Veröffentlichung der OECD-Studie muss alles dafür getan werden, Bildungschancen sozial Benachteiligter zu erhöhen. Dies muss im Kita-Bereich anfangen und durch die Überwindung der frühen Aufteilung in verschiedene Schulformen fortgesetzt werden. Integration statt Selektion heißt das Gebot der Stunde!
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