VBE: Kollision zwischen Bildungsgerechtigkeit und Föderalismus verhindern
Als "Bedrohung für Bildung und Erziehung" bezeichnete heute in Berlin der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger die Föderalismusvereinbarung. Sie verneine den nationalen Rahmen für Bildungspolitik und den kooperativen Föderalismus.
02.12.2005 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)Auf der Bilanzpressekonferenz nach der Bundesvertreterversammlung 2005 des VBE "Gerechtigkeit durch Bildung – Schule machen mit dem VBE!" benannte Eckinger die Schwerpunkte der künftigen Arbeit der Lehrergewerkschaft. "Der VBE lehnt den vollständigen Rückzug des Bundes aus Rahmenkompetenzen für Bildung ab", sagte Eckinger. "Der VBE fordert eine nationale Bildungsstrategie. Parteipolitische Grabenkämpfe und kurzfristiges Denken in Legislaturperioden sind nicht tragfähig, um den Bildungsstandort Deutschland wieder international führend zu machen." Zu einer Bildungspolitik nach Länderkasse dürfe es nicht kommen, sonst werde sich die Schere zwischen den Ländern noch weiter öffnen, so Eckinger. Mit dem Mandat der Bundesvertreterversammlung hat der VBE-Bundesvorsitzende dem Bundespräsidenten den Vorschlag unterbreitet, einen unabhängigen Bildungsrat zu berufen.
Um die enge Abhängigkeit zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft sowie Herkunft aus dem Bundesland zu überwinden, setzt sich der VBE für ein konsequent nach oben durchlässiges Bildungssystem ein, dass allen Schülerinnen und Schülern ein höheres Bildungsniveau ermöglicht. Dazu wurde in Würzburg die Resolution "Für ein neues Bewusstsein des Förderns und Forderns" verabschiedet. Eckinger betonte auf der Pressekonferenz, "die Resolution soll den notwendigen Paradigmenwechsel in unserem Bildungssystem anstoßen". Und weiter: "Wir hoffen, dass auf dieser Grundlage mit der KMK und den anderen Lehrerorganisationen ein Akzentwechsel in der Bildungspolitik erreicht werden kann."
Eckinger kritisierte, die KMK habe sich sehr einseitig auf die Schaffung von Messinstrumenten für die Bildung versteift. "Messen ohne die Bedingungen für individuelles Fördern und Fordern wird nur die Selektion verschärfen, also das genaue Gegenteil von Bildungsgerechtigkeit nach sich ziehen." Der VBE fordert das letzte Kindergartenjahr als Pflicht und plädiert für ein sechsjähriges gemeinsames Lernen. Die Schularten in der Sekundarstufe müssten, so Eckinger, durch Curricula und Zuteilung von Unterrichtsstunden die Durchlässigkeit der Bildungsgänge nach oben auch organisatorisch ermöglichen können. Eckinger sprach sich gegen eine nicht korrigierbare Zuteilung auf Bildungsgänge im Anschluss an die Grundschule aus. IGLU und PISA würden zeigen, dass bislang die Selektion unseres Bildungssystems in der Sekundarstufe I voll zum Tragen komme.
Der VBE-Bundesvorsitzende unterstrich: "Anzustreben wäre ein zweigliedriges System mit zwei gleichwertigen Bildungsgängen, einem akademisch orientierten und einem berufsbezogenen Bildungsgang, auch weil das in immer mehr Regionen demografisch geboten wäre."
Außerdem spricht sich der VBE für eine starke Lehrerbewegung in Deutschland aus. VBE-Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger erklärte: "Wir brauchen einen nationalen Rahmen, der mindestens die Bereiche Bildungsstandards, bundeseinheitliche Curricula, Standards in der Lehrerbildung und die Kompatibilität der Abschlüsse garantiert. Bildung als nationalen Auftrag wahrzunehmen schließt ein, dass sich die KMK als Schaltstelle von nationalem Rang versteht und dem entsprechend auch handelt." Sie dürfe sich nicht auf ihre sieben Handlungsfelder zurückziehen, sondern müsse Impulse für eine nationale Bildungsstrategie setzen. "Die Stärkung von Bildung und Erziehung erfordert auch eine starke Lehrerbewegung", so Eckinger. "Der VBE schlägt deshalb vor, analog zur KMK eine ständige Konferenz der Lehrergewerkschaften und –verbände ins Leben zu rufen." In einem entsprechenden Schreiben an die Vorsitzenden der Lehrerorganisationen hatte Eckinger darauf verwiesen, dass die Gespräche zwischen den Lehrergewerkschaften und –verbänden und der KMK nicht dem Großmut der KMK unterlägen, sondern unverzichtbar seien für die gelingende Gestaltung des Bildungssystems. Auf der Bilanzpressekonferenz sagte Eckinger: "Die Profession der Lehrerinnen und Lehrer ist in Deutschland bedroht." Er verwies auf die Freigabe des Lehrerberufs für Quereinsteiger, auf das Anwerben im Ausland, eine ominöse Lehrerimage-Kampagne der KMK, auf die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtungen, auf vergrößerte Klassenstärken, gestrichene Förderangebote, gekürzte Lehrerfortbildung und auf den Noteinsatz von Lehramtsstudenten im Unterricht als ´Praxisangebot´ sowie auf Ersatzunterricht durch Eltern. VBE-Bundesvorsitzender Eckinger unterstrich: "Dringend notwendig sind langfristig angelegte Personalentwicklungspläne in allen Ländern, die Beibehaltung der bundeseinheitlichen Bezahlung im öffentlichen Dienst, eine pädagogische universitäre Lehrerausbildung für alle Lehrämter nach bundeseinheitlichen Qualitätsstandards und ein bundesweiter Lehrerarbeitsmarkt." Er hoffe auf positive Gespräche mit seinen Kollegen über eine ständige Konferenz der Lehrergewerkschaften und –verbände.
Auf der Bundesvertreterversammlung 2005 des VBE vom 24. bis 26. November in Würzburg waren auch Bundesgremien der Lehrergewerkschaft für die kommenden vier Jahre gewählt worden. VBE-Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger wurde in seiner Funktion ein weiteres Mal bestätigt. Er ist seit 1993 Bundesvorsitzender.
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