Wettlauf zum Gymnasium
Während der Herbst zum Drachensteigen und Kastaniensammeln einlädt, beginnt in den vierten Klassen der "Wettlauf zum Gymnasium". Bundeselternrat und GEW haben heute noch einmal darauf hingewiesen, welche Folgen das frühe Einsortieren der Kinder in verschiedene Schulformen mit sich bringt.
29.10.2004 Artikel"Die Wahl der Schulform am Ende der Grundschulzeit überfordert Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Alle Untersuchungen belegen zudem, dass das Einsortieren der Zehnjährigen in Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten in höchstem Maße ungerecht ist und Zukunftschancen verbaut. Das gegliederte Schulwesen muss zum Auslaufmodell gemacht werden", sagten GEW-Schulexpertin Marianne Demmer und Bundeselternratsvorsitzender Wilfried Steinert.
Sie kritisierten, dass der Schulerfolg eines Kindes in keinem anderen hochindustrialisierten Land so stark von Geldbeutel und sozialem Status der Eltern abhängig sei wie in Deutschland. "In Bayern etwa hat ein Kind aus einer Facharbeiterfamilie bei gleicher Intelligenz und Leistungsfähigkeit eine sechsmal geringere Chance, den Sprung aufs Gymnasium zu schaffen, als ein Akademikerkind", betonten Demmer und Steinert.
Sie kritisierten, dass Kinder mit ein und derselben Leseleistung für ganz unterschiedliche Schulformen empfohlen würden. "Bei gleicher Lesekompetenz kann ein Kind die Empfehlung für das Gymnasium oder die Hauptschule erhalten - oder umgekehrt. Auch hier spielt die soziale Herkunft der Kinder eine wichtige Rolle", stellten sie fest. Sie warnten aber gleichzeitig davor, die Schuld für diese Situation den Lehrerinnen und Lehren zuzuweisen. Die Lehrkräfte würden durch das Schulsystem gezwungen, die Kinder auszulesen. Das erzeuge bei allen Beteiligten einen hohen Druck, dem beispielsweise viele Kinder ohne Unterstützung aus dem Elternhaus nicht gewachsen seien. "Die dringend notwendige individuelle Förderung der Kinder, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, kommt bei dem Auslesedruck unter die Räder", sagten die GEW-Expertin und der Elternchef.
Keine Kommentare vorhanden