Wie kinderfreundlich ist Thüringen wirklich?
Der Weltkindertag wurde 1954 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um weltweit auf die Lage von Kindern aufmerksam zu machen. Welchen Beitrag leistet der Freistaat Thüringen zu diesem Tag?
20.09.2005 Thüringen Pressemeldung GEW ThüringenMit dem neuen Familienfördergesetz hat die CDU-Landesregierung weitere Einschnitte im Kindergartenbereich geplant. Die GEW wendet sich gegen dieses Vorhaben. Der Landesvorsitzende der GEW Jürgen Röhreich meint dazu: "Bereits Anfang 2001 wurden die Kita- Standards verschlechtert. Weitere Abstriche sind nicht hinnehmbar. Sie gefährden die Qualität der Kinderbetreuung erheblich, haben Erhöhungen bei den Elternbeiträgen zur Folge und kosten Arbeitsplätze der Erzieherinnen." Ab 2001 waren in einer Kindergartengruppe statt 15 - 18 nunmehr 15 - 20 Kinder zu betreuen. Wenn der angedachte Personalschlüssel von 0,075 VZB je Kind hochgerechnet wird, erhält man Gruppengrößen von 21 - 22 Kindern (und das während des gesamten Tages und nicht nur in Spitzenzeiten), kleinere Gruppen sind nicht mehr möglich. Wie soll da eine individuelle Bildungsarbeit gestaltet werden?
Thüringen rühmt sich immer mit dem guten Abschneiden bei internationalen Bildungsvergleichen. Da muss sich die Landesregierung nun den Vergleich gefallen lassen, dass mit dem geplanten Betreuungsschlüssel Thüringen auf einen der Schlussplätze bei der Personalausstattung in Deutschlands Kindertagesstätten fällt. Auch die Betreuung von behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern wird sich dramatisch weiter verschlechtern. Ab dem Jahr 2001 gab es statt einer ganzen zusätzlichen Fachkraft nur noch eine halbe zusätzliche Fachkraft für die Förderung von 2 - 4 Kindern mit besonderen Bedürfnissen in einer Gruppe. Wenn man die Pläne der Einführung einer pauschalierten Förderung für solche Kinder tatsächlich umsetzt, dann könnten für eine Stadt wie Gera mit derzeit 18 zusätzlichen Fachkräften noch 1,8 zusätzliche Fachkräfte aus den Landesmitteln finanziert werden. Das heißt, dass die zusätzliche Förderung ausstirbt. Wo ist da die Kinderfreundlichkeit?
Im übrigen widersprechen die Pläne der Landesregierung auch den Empfehlungen der Enquetekommission "Erziehung und Bildung in Thüringen". In den Empfehlungen zum Abschnitt "Frühkindliche Bildung" fordert die Enquetekommission zwar die Landesregierung auf, die Finanzierung des Elementarbereichs (vorschulische Bildung) zu prüfen, stellt aber gleichzeitig fest: "Die in den letzten Abschnitten vorgeschlagene Erneuerung und Intensivierung der frühkindlichen Bildung und Erziehung ist ohne zusätzliche Mittel nicht zu bewältigen. Eine weitere Belastung der Eltern ist nicht hinnehmbar, zumal vielfach die völlige Kostenfreistellung der Eltern gefordert wird, die vor allen dann notwendig wäre, wenn man den Kindergartenbesuch zur Pflicht erklärte." (Abschlussbericht der Enquetekommission "Erziehung und Bildung in Thüringen", Abschnitt "Frühkindliche Bildung", Empfehlung Nr.7)
Dieser Empfehlung haben seinerzeit auch alle CDU-Abgeordneten in der Enquetekommission zugestimmt. Die GEW ruft alle Bürger Thüringens auf, gemeinsam gegen die Pläne der Landesregierung zur Einführung des neuen Kita-Gesetzes vorzugehen.
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