Wie wird 'Bildung' gemessen?

(bikl/idw) Auf ihren Jahrestagungen in den Jahren 2003 und 2004 hatte sich die Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute ([ASI](http://www.gesis.org/asi/asi1.html)) gleich zweimal mit dem Thema Bildung auseinandergesetzt: "Bildung und Bildungssysteme im internationalen Vergleich" und "Bildung und Ungleichheit in der vergleichenden Umfrageforschung". Die Beiträge der Veranstaltungen wurden jetzt zusammengefasst und veröffentlicht.

04.04.2005 Artikel

In Zeiten der Individualisierung wird Bildung als eine Determinante wichtiger Einstellungen und Verhaltensweisen zunehmend bedeutsamer. In Zeiten der Globalisierung wird Bildung zu einem vorrangigen Feld der internationalen Konkurrenz - um Wissen, Arbeitsplätze und um Prestige. Aber die Bildungssysteme der Länder unterscheiden sich in ihrem Aufbau und den Leistungen, die sie vom ihrem Land erhalten (Finanzen); und spätestens seit PISA ist weithin bekannt, dass sich Bildungssysteme auch in den Leistungen unterscheiden, die sie für ihr Land bereitstellen (Fertigkeiten, Karrieren, Arbeitsmarktchancen der Schüler, Zufriedenheit der Bevölkerung).

Die international vergleichende Umfrageforschung hat daher gute Gründe, sich mit dem Vergleich von Bildungssystemen zu befassen. Zunächst verlangt der Vergleich von Bildungseffekten die Vergleichbarkeit der Abschlüsse zwischen den Ländern, deren Vorschulen, Schulen und Universitäten sich immer noch stark unterscheiden. Aber selbst wenn Vergleichbarkeit der Abschlüsse hergestellt ist, lassen sich unterschiedliche Effekte auf Bildungsabschlüsse und unterschiedliche Effekte der Bildung auf Einstellungen oder Verhalten noch nicht ohne Weiteres interpretieren. Sie können sich aus globalen Unterschieden der Bildungssysteme ergeben haben. So ist viel Streit darum entstanden, ob der starke Einfluss der sozialen Herkunft auf die Schulleistungen in Deutschland aus der Dreigliedrigkeit des Schulwesens, der fehlenden Ganztagsschule oder auf andere Besonderheiten des deutschen Schulsystems zurückgeführt werden kann. Auf der Tagung wurden vor allem die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen und die globalen Unterschiede zwischen Bildungssystemen untersucht, die ihre unterschiedlichen Leistungen vielleicht erklären können.

Im Mittelpunkt des soeben erschienenen Buches stehen Bildung und andere Ungleichheitsfaktoren aus der Perspektive methodologischer und struktureller Analysen. Behandelt werden die Messung sozialer Herkunft in Schulleistungsuntersuchungen sowie um die damit verbundene Messfehlerproblematik. Ferner geht es um Fragen der international vergleichbaren Messung sozio-demographischer Variablen. Außerdem werden die Schätzung von Statusinkonsistenz- und Mobilitätseffekten sowie die Analyse von Kooperationsnetzwerken im Forschungsfeld Bildung behandelt. Darüber hinaus wird im OECD-Vergleich eine Analyse öffentlicher und privater Bildungsausgaben vorgelegt.

Uwe Engel (Hrsg.)
Bildung und soziale Ungleichheit
Methodologische und strukturelle Analysen
Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften 2005
(Tagungsberichte, Band 9), 140 Seiten
ISBN 3-8206-0147-3, 10,- EUR

Weitere Informationen:

www.gesis.org/asi/asi1.html


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