Zehntes Hauptschuljahr greift zu kurz

Die Überlegungen der CSU, die Hauptschule um ein Schuljahr auszuweiten, ist nicht grundsätzlich falsch, packt aber das Problem am falschen Ende an. Mit dem zehnten Schuljahr sollen die Jugendlichen nach Ansicht der CSU zur "Ausbildungsreife" geführt werden. Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Schon der Begriff weist auf das falsche Denken hin. Jeder Jugendliche ist grundsätzlich ausbildungsfähig, die Schule hat dafür immerhin neun Jahre Zeit. Wenn dies nicht gelingt, ist das eher ein Armutszeugnis des Schulsystems."

02.10.2006 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Genau so unsinnig ist der Begriff einer angeblich mangelnden "Schulreife" bei Rückstellungen am Schulanfang. Der pädagogische Auftrag einer Schule muss sein, jedes Kind anzunehmen und nach einem individuellen Lehrplan so zu fördern, dass die bestmöglichen Abschlüsse erzielt werden. Leider besteht aber genau darin das größte Problem des bayerischen Schulsystems. Es ist nicht in der Lage, die Benachteiligungen von Kindern aufgrund ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft auszugleichen. Es fehlen gezielte individuelle Fördermaßnahmen und Unterstützungssysteme als durchgehendes Prinzip von Anfang an – im Kindergarten (nicht erst im letzten Jahr) und in der Schule. "Wenn die CSU das Ziel "Ausbildungsreife" und die Minimierung der Schulabgänger ohne Abschluss ernsthaft angehen wollte, darf sie mit gezielten Maßnahmen nicht erst in der zehnten Klasse beginnen", so Brückner.

Die Ignoranz des "Experten"gremiums der CSU zeigt sich an den Vorschlägen, die "Allgemeinbildung zurückzuschrauben" und "die M-Züge entfallen zu lassen". Die jüngste OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" machte erneut deutlich, dass eine qualitativ hohe Bildung und entsprechende Schulabschlüsse für die Jugendlichen immer wichtiger werden. Auch Vertreter der deutschen und der bayerischen Wirtschaft sprechen jetzt offen von einer ´Verschwendung der Potenziale unserer Kinder durch die unsinnige Selektion nach der vierten Klasse´. Brückner: "Die PISA-Siegerländer zeigen uns, dass durch ein integratives Schulsystem mit konsequenter individueller Förderung die Jugendlichen zu den Abschlüssen geführt werden können, die ihren Potenzialen entsprechen."

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