Baden-Württemberg unter Flächenländern an führender Position bei Hochschulabschlüssen

Die heute erschienene Veröffentlichung "Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich 2008" präsentiert mittlerweile zum dritten Mal ausgewählte Bildungsindikatoren auf Ebene der Bundesländer und stellt sie in einem internationalen Vergleich vor. Diese Gemeinschaftsveröffentlichung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ergänzt die gestern herausgegebene OECD-Veröffentlichung "Bildung auf einen Blick".

10.09.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg erreichen 22 Prozent eines Altersjahrgangs einen Hochschulabschluss

Mit einer Hochschul-Abschlussquote von nahezu 22 Prozent erreichte Baden-Württemberg im Jahr 2006 zusammen mit Nordhein-Westfalen, Hessen und Sachsen unter den deutschen Flächenländern den höchsten Wert im Ländervergleich.[1] Lediglich in den Stadtstaaten Bremen (35 Prozent), Berlin (31 Prozent) und Hamburg (25 Prozent) erreichten größere Teile eines Altersjahrgangs einen Hochschulabschluss. Diese proftierten jedoch von der Zuwanderung von Studierenden aus den umliegenden Bundesländern. Im Bundesdurchschnitt lag diese Quote mit 21 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 37 Prozent. Dies lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass in vielen OECD-Staaten die Berufsausbildung an Hochschulen stattfindet und nicht im Rahmen einer dualen oder schulischen Ausbildung wie in Deutschland.

Baden-Württemberg und Sachsen: Gut ein Drittel der Hochschulabschlüsse in naturwissenschaftlich-mathematisch-technischen Fächern

Auf naturwissenschaftlich, mathematisch und technisch orientierte Studiengänge richtet sich das besondere Augenmerk. Diese werden für die Innovationskraft der heimischen Wirtschaft als besonders bedeutend eingeschätzt. In Baden-Württemberg und Sachsen entfielen 2006 insgesamt 34 Prozent der Hochschulabschlüsse auf diese Studiengänge. Damit standen Baden-Württemberg und Sachsen unter den deutschen Bundesländern an der Spitze und lagen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von gut 29 Prozent. Deutschland nimmt mit diesem Wert nach Südkorea (39 Prozent), Österreich und Finnland (je 32 Prozent) einen Spitzenrang unter den OECD-Staaten ein, deren Durchschnitt 24 Prozent betrug. Baden-Württemberg hat günstiges Betreuungsverhältnis von Lehrkräften und Studierenden

An den Hochschulen in Baden-Württemberg besteht ein günstiges zahlenmäßiges Verhältnis von Studierenden und Lehrkräften. Rechnerisch kamen 2006 im Durchschnitt 10,3 Studierende auf eine Lehrkräft. Nach dem Saarland (8,4 Studierende je Lehrkraft) ist dies der zweitniedrigste Wert in den Bundesländern und liegt deutlich unter dem Wert für ganz Deutschland (12,5 Studierende je Lehrkraft) und dem OECD-Durchschnitt (16 Studierende je Lehrkraft). Bei der Interpretation dieser Werte ist zu beachten, dass sie unter anderem von den Anteilen der einzelnen Hochschularten und der Zusammensetzung der Studiengänge beeinflusst werden. In der Humanmedizin herrscht beispielsweise eine besonders günstige Betreuungsrelation. Betrachtet man die Studiengänge ohne Humanmedizin, lag die Betreuungsrelation an den Universitäten in Baden-Württemberg bei 11,5 Studierenden je Lehrkraft – ein Niveau das auch von Thüringen, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und annähernd auch Sachsen erreicht wurde. An den Fachhochschulen Baden-Württembergs kamen 21,4 Studierende auf eine Lehrkraft. Der Wert lag damit knapp über den in Brandenburg (20), Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern (je 20,5) sowie dem Saarland (20,9) erreichten.

Männer haben in Baden-Württemberg noch einen höheren Bildungsstand als Frauen

In der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren bestehen erwartungsgemäß je nach Altersgruppe deutliche Differenzen in Bezug auf die erreichten Bildungsabschlüsse. Aber auch geschlechtsspezifische Unterschiede sind erkennbar. In Baden-Württemberg verfügten 2006 in diesem Altersbereich fast ein Drittel der Männer, aber nur rund 19 Prozent der Frauen über einen Abschluss im Tertiärbereich, d.h. einen Fachschul- oder Hochschulabschluss (einschließlich Promotion). Dieser Abstand von knapp 14 Prozentpunkten ist hierbei der höchste unter den deutschen Bundesländern. Umgekehrt haben knapp 24 Prozent der Frauen höchstens einen Abschluss der Sekundarstufe I – also höchstens einen mittleren Bildungsabschluss. Das sind gut 9 Prozentpunkte mehr als unter den Männern.

Allerdings ist diese Verteilung bei jüngeren Altersgruppen weit weniger ausgeprägt als bei den älteren. Unter den 25- bis 34-Jährigen besaßen rund 23 Prozent der Frauen einen Abschluss im Tertiärbereich, nur noch 4 Prozentpunkte weniger als bei den gleichaltrigen Männern.


[1] Diese sog. Netto-Abschlussquote wird berechnet, indem man für jeden einzelnen Altersjahrgang die Zahl der Absolventen durch die entsprechende Bevölkerung dividiert und diese Quoten über alle Altersjahrgänge aufsummiert. Sie sind also der prozentuale Anteil einer fiktiven Altersgruppe, der einen ersten Hochschulabschluss erwirbt, und damit unbeeinflusst von Änderungen des Umfangs der entsprechenden Bevölkerungsgruppe oder des typischen Abschlussalters.


Weiterführende Links

  • Kostenfreie Online-Version Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich 2008. (pdf)

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