GEW NRW

Bildungsproteste ernst nehmen – Hochschulen besser ausstatten

Auch in NRW hat sich die Lage an den Hochschulen, trotz erhöhter Mittelzuweisungen durch das Land, nicht grundsätzlich verbessert. Junge Menschen werden mit Studienplatzmangel, Zulassungschaos, unzureichenden Betreuungsverhältnissen, Personalabbau in der Lehre und massiven Hürden beim Masterzugang konfrontiert. Die GEW fordert ein politisches Maßnahmenbündel, um die Lage an den Hochschulen kurzfristig zu verbessern. Dazu gehört auch die Bereitstellung ausreichender Kompensationsmittel für den Wegfall der Studiengebühren.

16.11.2011 Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen

"Die neue Welle der Bildungsproteste sollte Bund und Länder endlich aufrütteln, das zu tun, was nötig ist. Eine ganze Generation droht ihrer Zukunftschancen beraubt zu werden, wenn nicht endlich mehr für Schulen und Hochschulen investiert wird", erklärte heute GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer anlässlich der jüngsten Protestaktionen, zu der verschiedene Studierenden- und Jugendorganisationen, wie auch die studentischen Mitglieder der GEW (Landesausschuss der Studierenden), für diese Woche aufgerufen haben. Aktionsschwerpunkte sind am Donnerstag, dem 17. November, u.a. in Bielefeld, Bochum, Dortmund, Duisburg, Köln und Bonn geplant.

Die GEW fordert einen bedarfs- und nachfragegerechten Ausbau der Hochschulen: "Bund und Länder müssen den ´Hochschulpakt 2020´ deutlich aufstocken", so die GEW-Landesvorsitzende. "Die Hochschulen in NRW müssen in den nächsten Jahren Studienplätze für weit mehr als 100.000 Studienanfänger bereitstellen." Der doppelte Abiturjahrgang 2013 bringe nach KMK-Berechnungen alleine bereits 111 000 Studienanfänger. Die GEW fürchte aber, dass diese Zahl zu niedrig angesetzt sei.

Unabdingbar sei eine spürbare Verbesserung der Betreuungsverhältnisse und eine Aufstockung der Kapazitäten für einen freien Masterzugang für alle Studierwilligen. "Wir erwarten eine Garantie von Bund, Ländern und Hochschulen für alle Absolventen eines Bachelorstudiums, auch in den Master gehen zu können. Das gilt vor allem auch für Studierende des Lehramtes", verlangt Schäfer. Ein sogenannter Flaschenhals im Lehramtsstudium hätte fatale Konsequenzen für eine professionelle Ausbildung und für den künftigen Lehrerarbeitsmarkt.

Die wachsenden Klagen der Studierenden über Stoff- und Leistungsverdichtung und zu viel Fremdbestimmung im Studium müssen nach Auffassung der GEW ernst genommen werden. "Die Hochschulen müssen mehr Dozentinnen und Dozenten mit fairen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen einstellen, um mehr Qualität von Lehre und Studium zu entwickeln."

So erfreulich die Abschaffung der Studiengebühren in NRW sei, noch immer würden zu viele junge Menschen vom Studium durch einen "sozialen Numerus clausus" abgeschreckt oder fern gehalten, obwohl deutlich mehr Studierende und Hochschulabsolventen gebraucht werden, um dem massiven Fachkräftemangel zu begegnen. "Solange Kinder aus Selbstständigen – und Beamtenfamilien mit akademischem Hintergrund eine fünfmal so große Chance auf ein Hochschulstudium haben wie Arbeiterkinder, läuft etwas verkehrt", ist sich Schäfer sicher. "Für mehr Chancengleichheit muss das BAföG weiterentwickelt werden." Studierende dürften nicht mit einem Schuldenberg in das Arbeitsleben starten.


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