Scheingenauigkeit

DHV lehnt Pläne für Umsetzung eines Europäischen Qualifikationsrahmens ab

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) ruft Bund und Länder dazu auf, die Errichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) sowie dessen Umsetzung in nationales Recht zu stoppen. Bildungsübergreifend soll die in der Europäischen Union erreichte individuelle Qualifikation einer von acht Niveaustufen zugeordnet werden. "Die Kategorisierung in acht Kompetenzstufen beinhaltet notwendigerweise hierarchisierende und diskriminierende Wirkungen und Wertungen. Dieses dirigistische und menschenverachtende Vorhaben ist ein zum Scheitern verurteilter erneuter Versuch, kulturelle Vielfalt in ein europäisches Einheitsschema zu pressen", erklärte DHV-Präsident, Professor Dr. Bernhard Kempen.

23.03.2010 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)
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Die Implementierung eines Europäischen Qualifikationsrahmens sei ein Beschäftigungsprogramm für Technokraten und werde lediglich der Akkreditierungs-und Evaluationsbürokratie Auftrieb geben. Dem enormen Verwaltungsaufwand stehe kein erkennbarer Nutzen gegenüber. "Mit Scheingenauigkeit werden weder Transparenz noch Mobilität gefördert", hob Kempen hervor. "Die leidvollen Erfahrungen des Bologna-Prozesses in Deutschland lehren, dass administrative Überregulierung begrüßenswerte Zielsetzungen konterkariert."

Außerdem fehle den im Diskussionsvorschlag für einen Deutschen Qualifikationsrahmen zugrundeliegenden Kategorien Wissen, Fertigkeiten und personale Kompetenz jegliche präzise Aussagekraft und Trennschärfe. Bildung werde erneut auf ökonomischen Nutzen und Verwertbarkeit reduziert. Die Bindungswirkungen und Rechtsfolgen, die den Zuweisungen in eine Kompetenzstufe zukünftig zukommen sollen, seien vollends unklar.

Beruflich Qualifizierten, so Kempen weiter, auf Grund des Nachweises einer entsprechenden Kompetenzstufe per se den Direkteinstieg in ein Studium zu ermöglichen, sei autonomiefeindlich und verstoße gegen das Recht der Hochschulen, die Studienaufnahme an inhaltliche Voraussetzungen zu knüpfen. "Trotz der grundsätzlichen Gleichwertigkeit von akademischer und nicht-akademischer Bildung darf nicht ihre prinzipielle Andersartigkeit geleugnet werden", erklärte der DHV-Präsident. "Mit dem Qualifikationsrahmen wird über die Hintertür der Unterschied von beruflicher und akademischer Bildung eingeebnet und den Hochschulen eine neue Klientel zugewiesen."

Durchlässigkeit müsse angemahnt werden, wenn trotz nachgewiesener Leistung eine Bildungs- und Ausbildungskarriere behindert würde. "Für Leistungsstandards bürgen die bisherigen Bildungsabschlüsse, die nunmehr systematisch entwertet werden. Einen Nachweis, dass Verfahren, die sich ausschließlich an Lernergebnissen orientieren, Qualität garantieren, gibt es bislang nicht", so Kempen abschließend.

Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit rund 25.000 Mitgliedern.


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