Hessen

"Die hessische Wissenschaftslandschaft nachhaltig stärken"

Acht Antragsprojekte werden im Rahmen der dritten Staffel des Forschungsförderungsprogramms LOEWE mit insgesamt rund 46,1 Millionen Euro gefördert. Diese Auswahlentscheidung ist im Sinn der Bestenauslese gefallen.“ Das hat Staatssekretär Gerd Krämer, Vorsitzender der LOEWE-Verwaltungskommission, nach der Sitzung des Gremiums gemeinsam mit dem Vorsitzenden des LOEWE-Programmbeirats, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, bekannt gegeben. Ein Zentrumsprojekt (Förderlinie 1) und sieben Projekte für Schwerpunkte (Förderlinie 2) auf den Gebieten Medizin, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Informatik sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften werden damit ab 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2013 aus Landesmitteln unterstützt.

25.06.2010 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

In der dritten Förderstaffel waren im Frühjahr 2009 zunächst insgesamt 23 Antragsskizzen eingereicht worden, berichteten Krämer und Einhäupl. Nach der Vorauswahl im Sommer 2009 sei nun die Entscheidung unter zwei Zentrums- und zwölf Schwerpunktanträgen erfolgt, die allesamt im Frühjahr 2010 von externen Gutachtergruppen vor Ort begutachtet worden seien. „Die Förderentscheidungen der Verwaltungskommission wurden auf der Grundlage der eingereichten Vollanträge, der Gutachterberichte und der Förderempfehlungen des Programmbeirats nach den Maßstäben wissenschaftlicher Qualität und landespolitischen Interesses getroffen“, erläuterten Krämer und Einhäupl.

Der bisherige Verlauf von LOEWE zeigt nach den Worten von Staatssekretär Krämer, dass sich die Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bei ihren Anträgen offensiv mit den Zielen des Exzellenzprogramms des Landes auseinandersetzen: „Die Anträge spiegeln zielgerichtete Schwerpunktplanungen, Bündelung von vorhandenen wissenschaftlichen Kompetenzen für die Entwicklung innovativer Forschungskonzepte, Ausbau der Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und Verstärkung der Einwerbung von Forschungsdrittmitteln.“

LOEWE sei nicht zuletzt deshalb von zentraler Bedeutung, weil Investitionen in Forschung und Entwicklung unabdingbar seien, um innovative Lösungen für wichtige Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln. „Die Landesregierung will mit LOEWE die hessische Wissenschaftslandschaft nachhaltig stärken, Profilbildung und Wettbewerbsfähigkeit der Wissenschaftseinrichtungen voranbringen und deren Innovationskraft für die Entwicklung der Wirtschaft und damit für die Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsplätze nutzen. In der laufenden Legislaturperiode stehen dafür insgesamt 410 Millionen Euro zur Verfügung“, sagte der Staatssekretär.

„Besonderes Merkmal von LOEWE ist die dauerhafte Verankerung der im Rahmen der Forschungsinitiative initiierten Maßnahmen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen“, sagte Krämer. Angestrebt werde unter anderem, den Anteil hessischer Einrichtungen bei der gemeinsamen Forschungsförderung von Bund und Ländern zu steigern. Wichtige Voraussetzung für diese Perspektive seien erfolgreiche Zwischen- und Ergebnisevaluierungen, die für alle bewilligten LOEWE-Projekte obligatorisch sind.

Der Staatssekretär dankte den Mitgliedern des Programmbeirats und den außerhessischen Gutachtern für ihr großes Engagement beim Auswahlverfahren: „Diese inhaltliche Unterstützung ist von zentraler Bedeutung für die Qualitätssicherung des Landesexzellenzprogrammes LOEWE und für das Erreichen der gesteckten Ziele.“

Der Vorsitzende des LOEWE-Programmbeirats und frühere Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, würdigte die beachtliche wissenschaftliche Qualität der bisher im Rahmen von LOEWE eingereichten Antragsprojekte und den erreichten Vernetzungsgrad von Antragspartnern. „Hessische Wissenschaftseinrichtungen verfügen in der Grundlagenforschung und in der anwendungsbezogenen Forschung über ausgezeichnete fachliche Expertise und über ein hohes Maß an Innovationsfähigkeit“, sagte Einhäupl. Die wettbewerbliche und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Konzeption von LOEWE sei enorm wichtig, weil sich die Antragsteller gemeinsam organisieren und zusammen auf eine Strategieplanung verständigen müssten. „LOEWE ist daher ein richtunggebendes Instrument für eine hervorragende Positionierung hessischer Wissenschaftsinstitutionen bei überregionalen Forschungsprogrammen und großen, extern finanzierten Verbundprojekten“, hob Einhäupl hervor.

In der dritten Förderstaffel hat die LOEWE-Verwaltungskommission auf der Basis der Förderempfehlungen des LOEWE-Programmbeirats folgende Projekte zur Förderung ab 1. Januar 2011 ausgewählt:

I. LOEWE-Zentrum

Zell- und Gentherapie

Goethe-Universität Frankfurt am Main (Federführung), Georg-Speyer-Haus (Frankfurt), Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung (Bad Nauheim)

Assoziierte Partner: DRK Blutspendedienst Baden-Württemberg - Hessen, Paul-Ehrlich Institut (Langen)

Landesförderung 2011 - 2013: ca. 16,2 Millionen Euro

Zell- und Gentherapie sind zukunftsträchtige Ansätze zur Verbesserung der Therapie unterschiedlichster Erkrankungen. Das reicht von der Behandlung einzelner Gendefekte über maligne Erkrankungen bis hin zur regenerativen Medizin. Durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms mit Identifizierung zahlreicher krankheitsrelevanter Mutationen wachsen die Erkenntnisse zu molekularen Konsequenzen genetischer Defekte und Mutationen mit enormer Geschwindigkeit. Basierend auf der bereits bestehenden Forschungsexpertise in den Bereichen Zell- und Gentherapie soll in dem LOEWE-Zentrum die Kompetenz der beteiligten Arbeitsgruppen fächerübergreifend vernetzt und integriert werden. Die Kombination beider Therapien und der interdisziplinäre Forschungsansatz sollen eine Plattform für die Weiterentwicklung von Zell- und Gentherapie schaffen, um Perspektiven zur Behandlung eines breiten Spektrums an Erkrankungen in der Zukunft zu eröffnen. Durch grundlagenwissenschaftliche Arbeiten und die Entwicklung von klinischen Programmen soll ein Zentrum für Gen- und Zelltherapie in Hessen entstehen.

II. LOEWE-Schwerpunkte

Insektenbiotechnologie

Justus-Liebig-Universität Gießen (Federführung), Fachhochschule Gießen-Friedberg, Fraunhofer-Gesellschaft/Projektgruppe Bioressourcen, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Assoziierte Partner:Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (Aachen), Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie (Jena)

Landesförderung 2011 - 2013: 4,5 Mio. Euro

Der Schwerpunkt zielt auf den Ausbau der Kooperation bestehender Arbeitsgruppen und Institutionen zum Thema Insektenbiotechnologie („Gelbe Biotechnologie“). Dabei handelt es sich um ein relativ junges Gebiet innerhalb der Biotechnologie, das weltweit großes Wachstumspotenzial hat. An der Universität Gießen soll erstmals in Deutschland eine operative Einheit aufgebaut werden, die sich der Entwicklung innovativer Spitzentechnologien an den Schnittstellen zwischen der Angewandten Entomologie der Roten, Grünen und Weißen Biotechnologie widmet. Die Arbeitsschwerpunkte des Projekts umfassen die Identifizierung neuer Leitstrukturen aus Insekten und die Etablierung neuer Infektionsmodelle zur Anwendung in der Medizin, die Entwicklung neuer Produkte und Technologien für den modernen Pflanzenschutz sowie die Identifizierung neuer Enzyme für industrielle Produktionsprozesse. Außerdem geht es um den Aufbau von Modellen für die ökotoxikologische Risikobewertung und die Herstellung neuartiger Biosensoren.

Digital Humanities

Goethe-Universität Frankfurt am Main (Federführung), Technische Universität Darmstadt, Freies Deutsches Hochstift/Frankfurt Goethemuseum

Assoziierter Partner: Städel-Museum Frankfurt

Landesförderung 2011 - 2013: ca. 3,8 Millionen Euro

In der jüngeren Vergangenheit haben interdisziplinäre Kooperationen im geisteswissenschaftlichen Umfeld unter der Bezeichnung „Digital Humanities“ erfolgreich mit der Digitalisierung und Verfügbarmachung verschiedenster forschungsrelevanter Inhalte begonnen und damit eine bisher unzugängliche empirische Basis für den wissenschaftlich-methodologischen Fortschritt gelegt. Ziel dieses Projekts ist es, die Grundlagenforschung in den beteiligten geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen im Hinblick auf informationstechnologische Verfahrensweisen miteinander zu vernetzen, den Einsatz digitaler Erschließungs-, Auszeichnungs- und Analyseinstrumente kritisch zu hinterfragen und Verfahren zur wechselseitigen Abstimmung zu entwickeln. Mit den auf diese Weise zu erzielenden Forschungsergebnissen sollen in methodischer und inhaltlicher Hinsicht national und international Maßstäbe gesetzt werden.

Neuronale Koordination Forschungsschwerpunkt Frankfurt NeFF

Goethe-Universität Frankfurt am Main (Federführung), Max-Planck-Institut für Hirnforschung (Frankfurt), Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS, Frankfurt)

Assoziierte Partner: Ernst Strüngmann Institut gGmbH (ESI, Frankfurt), Bernstein Fokus Neurotechnologie Frankfurt (Frankfurt)

Landesförderung 2011- 2013: ca. 4,3 Millionen Euro

Das Gehirn des Menschen zu verstehen, ist eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen. Seine Funktionen sind mehr als einfach die Summe seiner Teile. Milliarden von Neuronen kommunizieren lokal, interregional und interhemisphärisch. Erst durch neuronale Koordination entstehen höhere Hirnleistungen wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, senso-motorische Integration, Handlungsplanung, Sprache, Emotion und Bewusstsein. Gestörte neuronale Koordination ist dagegen Ursache oder Ausdruck häufiger Hirnerkrankungen wie zum Beispiel Autismus, Schizophrenie, Alzheimer-Demenz, Epilepsien, Multiple Sklerose. Der Forschungsverbund NeFF ist als interdisziplinäres, translationales und strukturiert vernetztes Forschungsprogramm konzipiert, das wesentliche Erkenntnis- und Entwicklungsfortschritte zu Funktion und Dysfunktion neuronaler Koordination liefern soll – von den systemneurophysiologischen Grundlagen über die genannten Modell-Erkrankungen bis zur mathematischen Modellierung.

Dynamo PLV – Dynamische und nahtlose Integration von Produktion, Logistik und Verkehr

Technische Universität Darmstadt (Federführung), European Business School (ebs, Wiesbaden)

Assoziierte Partner: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fachhochschule Frankfurt am Main

Landesförderung 2011 - 2013: ca. 4 Millionen Euro

Produktionsunternehmen werden im Rahmen der Globalisierung zunehmend Anknüpfungen an weltweit verteilte Wertschöpfungssysteme haben. Damit stoßen Verkehrssysteme, vor allem durch das starke Wachstum des Güterverkehrs, immer mehr an ihre Kapazitätsgrenzen. Das begrenzt die Mobilität und lässt den Verkehr von einem ermöglichenden Faktor zu einem limitierenden Faktor für Produktions- und Logistikprozesse werden. Die nahtlose Betrachtung der Teildisziplinen ist notwendig, um eine Entscheidungsbasis für ein integriertes Gesamtoptimum schaffen zu können und nicht bei der verbreitet praktizierten Teilsystemoptimierung zu verharren. Erforderlich für ein solches integriertes Gesamtsystem ist die dynamische Anpassung an Veränderungen (etwa durch neue Technologien) und eine hohe Reaktionsfähigkeit auf Grund mangelnder Prognostizierbarkeit der Nachfrage. Mit dem geplanten Forschungsprojekt sollen für Wirtschaft und Politik Methoden und Instrumente bereitgestellt werden, die einen Entscheidungsprozess zur nahtlosen Gestaltung der Güter- und Informationsflüsse in Produktion, Logistik und Verkehr ermöglichen.

Kooperative Sensorkommunikation (Cocoon)

Technische Universität Darmstadt (Federführung), Universität Kassel

Landesförderung 2011 - 2013: ca. 4,5 Millionen Euro

Dem in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Fortschritt auf dem Gebiet der drahtlosen Kommunikation ist es zu verdanken, dass heute die Hälfte der Weltbevölkerung drahtlos und mobil kommunizieren kann. Für eine zukünftige Vernetzung von Nutzern, Rechnern und physikalischen Objekten an jedem Ort und zu jeder Zeit sind die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Methoden und Werkzeuge, die Entwicklung neuer Basistechnologien und neuer Kommunikationsparadigmen notwendig. Ziel des Forschungsvorhabens ist die Etablierung eines interdisziplinären Schwerpunkts, der grundlegende wissenschaftliche Fragen der kooperativen Sensorkommunikation erforscht. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung innovativer Technologien, um das Frequenzspektrum effizient zu nutzen. Gleichzeitig sollen neuartige, hinsichtlich Bandbreite und Knotenzahl skalierbare Anwendungen und Dienste in der drahtlosen Sensorkommunikation unterstützt werden, die durch Kooperation erst möglich werden. Die erarbeiteten Lösungen sollen in die Entwicklung zukünftiger Mobilfunkgenerationen einfließen.

SOFT CONTROL – Mit Polymeren an Grenzflächen Funktionen effizient schalten

Technische Universität Darmstadt (Federführung), Deutsches Kunststoff-Institut (DKI, Darmstadt), Hochschule Darmstadt

Landesförderung 2011 - 2013: ca. 4,5 Millionen Euro

Der Schwerpunkt nutzt dünne Polymer- und Polymerhybrid-Schichten, die sich an funktionalen Grenzflächen mittels äußerer Reize („Stimuli“ wie zum Beispiel Licht oder elektrische Felder) in ihrer Struktur (Konformation, Morphologie, Topologie) reversibel schalten lassen und es dadurch erlauben, geeignet angekoppelte Folgeprozesse effizient zu modulieren. Das stimulusinduzierte Schalten kann etwa eine Aktivitätsveränderung von unter der „Control“-Schicht fixierten Katalysatoren bewirken, indem Substratmoleküle mehr oder minder gut zu den aktiven Zentren vorgelassen werden. Analog können Ionenkanäle in weichen Membranen oder auf Festkörpersubstraten gebundene biosynthetische Polymerhybride genutzt werden, um biologische Aktivität zu schalten. Eine der zentralen Fragen ist, welche durch externe Stimuli induzierbaren Strukturänderungen bei welchen Polymeren hinreichend homogene, schnelle und effiziente Schaltvorgänge ermöglichen. Die in „Soft Control“ vorgesehene Synthese und Charakterisierung verschiedener, schaltbarer Polymersysteme soll durch theoretische Modelle und Simulationen begleitet werden, um so fundiertes Verständnis und Vorhersagbarkeit zu erreichen.

Männliche Infertilität bei Infektion & Entzündung (MIBIE)

Justus-Liebig-Universität Gießen (Federführung), Philipps-Universität Marburg, Fachhochschule Gießen-Friedberg

Assoziierte Partner: Kinderwunschzentrum Mittelhessen, School of Veterinary Medicine Pennsylvania (USA), Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Tierärztliche Hochschule Hannover

Landesförderung 2011 - 2013: ca. 4,3 Millionen Euro

Infektionen und Entzündungen des männlichen Reproduktionstrakts sind relevante Ursachen männlicher Fertilitätsstörungen. Die Schädigung des Fertilitätspotentials durch Erreger ist vielfältig, aber die molekulare Pathogenese ist weitgehend unverstanden. Auf der Basis existierender Gruppenförderinstrumente und spezialisierter klinischer Behandlungsstrukturen sollen in dem LOEWE-Schwerpunkt MIBIE alle relevanten wissenschaftlichen und klinischen Kompetenzen der universitätsmedizinischen Standorte Gießen und Marburg auf dem Gebiet der entzündlich und infektiös bedingten männlichen Infertilität zusammengeführt und fortentwickelt werden. Die Identifizierung der krankheitsrelevanten molekularen Signalpfade steht im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Konzeption. Untersuchungen zu Pathomechanismen der Epididymitis, Orchitis und Epididymoorchitis sollen auf molekularer, zellbiologischer, systembiologischer und klinischer Ebene durchgeführt werden. Übergeordnetes Ziel des translational ausgerichteten Schwerpunkts ist es, Grundlagen- mit krankheitsorientierter Forschung zur Erarbeitung verbesserter diagnostischer und therapeutischer Konzepte bei männlicher Infertilität zu verbinden.


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