Erste Absolventenbefragung liefert wichtige Informationen über Studium

Absolventinnen und Absolventen rheinland-pfälzischer Hochschulen sind erfolgreich beim Berufseinstieg und ziehen insgesamt ein positives Fazit ihres Studiums. Das ist das Ergebnis der ersten rheinland-pfälzischen Absolventenstudie des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest (HESWE) in Mainz. "Die Befragung liefert uns wichtige Informationen im Hinblick auf die Lehre an unseren Hochschulen. Wir bekommen Hinweise darauf, was schon gut läuft und was die Hochschulen noch besser machen können", kommentierte Michael Ebling, Staatssekretär für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, der die Studie heute gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Landeshochschulpräsidentenkonferenz, Professor Dr. Helmut Schmidt, und dem Projektteam bei einer Pressekonferenz in Mainz vorstellte.

29.05.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

"In diesem Sinne verstehe ich die Studie vor allem als Service-Leistung für die rheinland-pfälzischen Hochschulen und als Anschub des Landes für die Etablierung eines wichtigen Elementes der Qualitätssicherung an allen rheinland-pfälzischen Hochschulen", so der Staatssekretär weiter.

Im europäischen Raum sind jährliche Berichtsysteme zur Beschäftigungssituation kurz nach dem Studienabschluss teilweise seit vielen Jahren üblich. In Deutschland werden hingegen bisher nur vereinzelt Absolventenstudien durchgeführt. Um zu verallgemeinerbaren Aussagen insbesondere über Studieninhalte zu gelangen, sind die Ergebnisse für alle Hochschulen auf der Ebene eines Bundeslandes von großer Bedeutung.

Für die erste rheinland-pfälzische Absolventenstudie, die bezüglich ihres methodischen Ansatzes und vor allem durch die Einbeziehung der Promotionsabsolventinnen und -absolventen über alle bislang bundesweit vorliegenden Erhebungen hinausgeht, hatte der Hochschulevaluierungsverbund Fragebogen an alle Frauen und Männer verschickt, die im Jahr 2005 ihr Studium beziehungsweise ihre Promotion an einer rheinland-pfälzischen Hochschule abgeschlossen hatten. Von den knapp 13.000 Befragten antworteten rund 25 Prozent.

Zielsetzung der landesweiten Studie war es einerseits, Informationen über den Weg der Studierenden in den Beruf und über die retrospektive Einschätzung des Studiums zu bekommen. Andererseits zielte sie auf die Beziehung zwischen Hochschule und den Absolventinnen und Absolventen ab.

Über alle Befragtengruppen hinweg wird vor allem die Berufseinmündung positiv bewertet. Dies gilt nicht nur für den schnellen Einstieg in den Beruf, sondern auch für die Relevanz der erlernten und geforderten Kompetenzen sowie der wahrgenommenen beruflichen Positionen.

"Die Studie zeigt, dass Rheinland-Pfalz nicht nur besonders viele Studierende ausbildet, sondern diese auch besonders erfolgreich", sagte Ebling. Aufschlussreich findet die Studie auch der Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz und Präsident der TU Kaiserslautern, Professor Dr. Schmidt. "Man kann diese Studie als einen Spiegel sehen, der den Hochschulen die Ergebnisse ihrer Ausbildung aus Sicht der Absolventen vorhält. Ich meine, wir können uns hiermit mehr als sehen lassen", sagte er.

Ganz besonders wichtig werden derartige Erhebungen nach seiner Überzeugung für die Universitäten des Landes sein: "Hatten wir 2005 noch kaum Bachelor- und Master-Absolventen, so werden diese in absehbarer Zeit überwiegen. Mit den Bachelors wird von den Universitäten dann eine nennenswerte Anzahl an Absolventen nach nur sechs Semestern in den Beruf wechseln. Das ist kaum mehr als die halbe Zeit, die an den Unis bisher üblich war. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein, die daraus resultieren werden."

Die vorliegende Studie unterstreiche im Bereich der promovierten Universitätsabgänger auch Ergebnisse, die fast zeitgleich durch die Studie "International promovieren in Deutschland" ermittelt wurden. Diese an der TU Kaiserslautern durchgeführte Studie habe ebenfalls den hohen Stellenwert der überfachlichen Ausbildung und der Persönlichkeitsbildung erkannt. Die in diese Richtung unternommenen Anstrengungen müssten unbedingt fortgesetzt werden, forderte der Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz.

Die wichtigsten Ergebnisse der Absolventenstudie im Überblick:

  • Rheinland-pfälzische Absolventinnen und Absolventen sind erfolgreich beim Berufseinstieg
    Zum Zeitpunkt der Erhebung ist der Großteil der Studiums-Absolventinnen und -absolventen des Abschlussjahrgangs 2005 erwerbstätig, 82% arbeiten in einer Vollzeit-Beschäftigung. Lediglich 3% sind arbeitslos. Bereits nach einem Monat hatte knapp die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen eine Beschäftigung gefunden. Ein gutes Drittel der Befragten hat zwischen einem und sechs Monaten nach einer Stelle gesucht.
  • Hohe Zufriedenheit der Studiumsabsolventinnen und -absolventen mit dem Studium unabhängig vom Hochschultyp
    Die überwiegende Mehrheit der Studierenden würde sich wieder für ein Studium entscheiden, drei Viertel der Studiums-Absolventen würde sich wieder für das gleiche Fach entscheiden. Für denselben Hochschultyp würden sich jeweils über 80 Prozent der FH- und Uni- Absolventinnen und -absolventen wieder entscheiden. Nach der Zufriedenheit im Studium allgemein befragt, zeigen sich rund drei Viertel der Studiumsabsolventinnen und -absolventen eher zufrieden bis sehr zufrieden.
  • Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen verdienen im ersten Job nach dem Studium im Durchschnitt besser als Universitätsabsolventinnen und absolventen
    Vollzeiterwerbstätige Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen verdienen zwei Jahre nach Abschluss deutlich besser als Universitätsabsolventinnen und -absolventen. Eine mögliche Erklärung hierfür ist der stärkere Praxisbezug der Ausbildung und der vermutlich höhere Anteil von Studierenden mit Berufsausbildung.
  • Promovendinnen und Promovenden: Strukturierte Graduiertenausbildung an rheinland-pfälzischen Hochschulen schließt wichtige Lücken
    Von den Promotionsabsolventinnen und -absolventen werden Beratung und Leistungsrückmeldungen als verbesserungswürdig erachtet. Fast die Hälfte der Promovendinnen und Promovenden hat die Erfahrung gemacht, dass es keine klaren Vorgaben hinsichtlich der zeitlichen Strukturierung der Promotionsphase gab. Mit dem Programm Wissen schafft Zukunft hat das Land im Jahr 2005, also nach dem Ausscheiden der jetzt befragten Absolventinnen und Absolventen, den Aufbau strukturierter und universitätsweiter Graduiertenzentren nach einheitlichen und fachlich abgestimmten Qualitätskriterien vorangetrieben. Mit den Graduiertenzentren wird die fachliche Weiterbildung ebenso ausgebaut wie Förderangebote außerhalb des eigentlichen Fachs. Die universitätsweiten Graduiertenzentren unterstützen durch ihr Angebot die Integration der Promovendinnen und Promovenden in ihre jeweilige Universität und helfen ganz praktisch bei der Bewältigung der Promotionsphase. Darüber hinaus dienen sie dazu, den Anteil ausländischer Graduierter gezielt zu erhöhen.
  • Ausbau hochschuldidaktischer Angebote von großer Bedeutung
    Mit der didaktischen Kompetenz ihrer Hochschullehrerinnen und -lehrer zeigen sich die Studiumsabsolventen nur bedingt zufrieden; die fachliche Kompetenz der Lehrenden wird hingegen eher positiv bewertet.
    Die Unterstützung von Lehrenden sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern beim Erwerb beziehungsweise dem Ausbau ihrer didaktischen Kompetenzen gehört bereits seit einigen Jahren zu den Schwerpunkten des Landes im Hochschulbereich. So bietet das Zentrum für Qualitätssicherung der Johannes Gutenberg-Universität als Geschäftsstelle des Hochschulevaluierungsverbundes Süd-West zur Förderung der hochschuldidaktischen Kompetenzen ein landesweites Angebot an, das sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen genutzt wird. Aufgrund der großen Nachfrage soll es ausgeweitet werden und insbesondere ein spezielles Angebot für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler beinhalten.
    Weiterer wichtiger Bestandteil der Qualitätsentwicklung an rheinland-pfälzischen Hochschulen sind – neben der Verbesserung der Finanzausstattung – die Anstrengungen, vorhandene Qualität sichtbar zu machen und hiermit Vorbilder zu schaffen und Standards zu etablieren. Auf Landesebene meint dies insbesondere den Lehrpreis Rheinland-Pfalz und den rheinland-pfälzische Exzellenzwettbewerb Studium und Lehre.
  • Bildungsherkunft: Rheinland-pfälzische Hochschulen sind weniger selektiv
    Gut 40% der Befragten der rheinland-pfälzischen Absolventenstudie entstammen einer Familie, in der mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss erworben hat. Bundesweit waren dies nach den Ergebnissen der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes 2006 51% der Studierenden.
  • Studienabsolventinnen und absolventen 2005: Betreuung und Beratung weiter verbessern
    Zwar werden Informationen an Universitäten und an Fachhochschulen als verständlich und transparent erfahren, die Beratung wird in Fragen der Studienplanung und mit Blick auf Rückmeldungen jedoch kritischer bewertet. Dabei zeigt sich eine etwas bessere Bewertung durch die Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen.
    Die Absolventinnen und Absolventen des Jahrgangs 2005 weisen damit insbesondere bei dem Thema "Begleitung, Beratung und Feedback" auf Verbesserungspotentiale hin. In diesem Punkt hat zwischenzeitlich die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge sicherlich Wirkung gezeigt. So erleichtert die klarere Strukturierung des Studiums durch die Modularisierung der Studiengänge beispielsweise die Studienplanung für Studierende deutlich.

Fortsetzung der Absolventenbefragung im Herbst 2008

Die Befragung des Absolventenjahrgangs 2006 ist in Vorbereitung und startet voraussichtlich im Herbst dieses Jahres. Der Abschlussjahrgang 2005 soll hierbei erneut befragt werden. Besonders interessant wird sein, inwieweit die durch das Land seit 2005 eingeleiteten Maßnahmen bereits bei den Studierenden angekommen sind.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden