Gemeinsame Initiativen am Übergang zwischen Schule und Hochschule

Der Übergang zwischen Schule und Hochschule ist eine der wesentlichsten Schnittstellen im Leben eines jungen Menschen. Allein in Nordrhein-Westfalen stehen im Schuljahr 2003/2004 voraussichtlich 96.000 Schulabgänger mit Hochschul- oder Fachhochschulreife an dieser Schwelle.

31.08.2004 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Um den Übergang für diese Nachwuchskräfte und ihren Einstieg in das Studium nachhaltig zu erleichtern, haben das nordrhein-westfälische Wissenschafts- und das Schulministerium eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet, deren gemeinsame Initiativen und erste Ergebnisse Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft heute (31.8.) in Düsseldorf vorstellte.

"Junge, gut ausgebildete Menschen sind das entscheidende Zukunftspotenzial unseres Landes. Welche Orientierung sie bei der Studienfachwahl erhalten und wie gezielt ihnen der Einstieg in das Studium gelingt, entscheidet dabei maßgeblich über den späteren Studienerfolg und ihren gesamten beruflichen Werdegang. Diesen Anforderungen müssen wir in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mehr als bisher gerecht werden," betonte Kraft. Deshalb führte sie im Mai gemeinsam mit Schulministerin Ute Schäfer unter dem Motto "Gezielt auswählen. Motivieren-Informieren an der Schnittstelle Schule-Hochschule" Experten aus Schulen, Hochschulen, Arbeitsverwaltung und Wirtschaft zu einer austauschintensiven Fachtagung zusammen.

Ministerin Schäfer: "Dieser Dialog hat gezeigt, dass es in NRW bereits eine Vielzahl von guten Initiativen wie Schüler-Unis und Schüler-Labore gibt. " Neben kreativen Initiativen einzelner Schulen seien zum Teil auch - wie im Raum Bielefeld - regelrechte Netzwerke zwischen Schulen und Hochschulen entstanden: "Die Veranstaltung hat aber auch gezeigt, dass wir das Angebot sichern und NRW-weit vernetzen müssen, damit sich die neuen Modelle einer intensiven Kooperation zwischen Schule und Hochschule dauerhaft auf ganzer Linie durchsetzen können. Wir müssen deshalb Strukturen schaffen, die den wichtigen Dialog zwischen Schulen und Hochschulen über die gegenseitigen Erwartungen, Anforderungen und Möglichkeiten und die Kooperation miteinander erleichtern."

BA/MA-Studienstruktur kommt Studierendenwünschen entgegen

Um neben dem Austausch der Fachleute auch konkret etwas über Wünsche und Erwartungen der Studienberechtigten in NRW zu erfahren, hat das Wissenschaftsministerium zeitgleich bei der Hochschul-Informationssystem Hannover GmbH (HIS) eine Studie in Auftrag gegeben, die ebenfalls heute vorgestellt wurde. Sie zeigt:

  • Die Studierquote in Nordrhein-Westfalen wächst wieder. Allerdings hat NRW eine hohe Quote von Studienberechtigten mit Fachhochschulreife, deren Studierneigung bislang deutlich schwächer als im Bundesschnitt ist (56 zu 62 Prozent).

 

  • Die Studienberechtigen von heute haben - und das vor allem in NRW - klare, pragmatische Einstellungen und Erwartungen: Nicht nur Wissenschaft ist gefragt, sondern ebenso stark auch anwendungsorientiertes Wissen, Bezug zur Berufspraxis und ein möglichst früher Berufseinstieg.

 

  • Die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen, die Wissenschaftlichkeit und Berufsorientierung verbinden, ist ein wichtiger Faktor, um die Studierneigung zu steigern. Die Steigerung der Zahl der Studienanfänger in NRW ist mitbedingt durch die Umstellung auf BA und MA. So haben sich zum Wintersemester 2003/04 28,2 Prozent der Studienanfänger in BA-und MA-Studiengängen eingeschrieben.

Ministerin Kraft: "Diese Ergebnisse bestätigen das BA/MA-Konzept des Landes, denn es macht durch klarere Strukturen die Dauer des Studiums besser kalkulierbar. Und das wird künftig für viele ein weiterer wichtiger Grund sein, sich für ein Studium zu entscheiden. " So zeigten erste Auswertungen deutlich, dass sich durch BA-Studiengänge eine kurze Studiendauer und hohe Erfolgsquoten erreichen ließen.

Gemeinsamer Maßnahmenkatalog für bessere Beratung und Information

Die Studie zeigt eine erfreuliche Entwicklung auf: Noch 1999 fühlten sich nur 28% der Studienanfänger bei Studienbeginn gut darüber informiert, wie die Hochschule funktioniert. Ein Drittel empfand sich als nur zum Teil vorbereitet und 41 Prozent gaben an, unzureichend vorbereitet zu sein. Inzwischen schätzen sich 35 Prozent als sehr gut bis gut informiert ein, und nur noch 34 Prozent bezeichnen ihren Informationsstand als unzureichend. Ministerin Kraft: "Das reicht Ministerin Schäfer und mir aber nicht. Das Wissenschafts- und das Schulministerium haben sich deshalb auf einen Maßnahmenkatalog verständigt, um den Übergang von der Schule in die Hochschule weiter zu verbessern."

  • Das Wissenschaftsministerium wird bei den neuen Zielvereinbarungen, die Ende des Jahres mit den Hochschulen abgeschlossen werden, nachdrücklich auf Beratung und Orientierung der Studierenden und insbesondere der Studienanfänger dringen.

 

  • Nach dem Hochschulkonzept 2010 des Landes wird den Hochschulen in den nächsten Jahren ein wachsender Anteil der finanziellen Mittel nach Leistungsparametern zugewiesen. Ein Parameter wird dabei der Erfolg in der Lehre sein, der maßgeblich mit davon abhängt, wie der Einstieg ins Studium gelingt.
  • Unter der Federführung des Wissenschaftsministeriums wird das Internet-Angebot "Studieren in NRW" gebündelt und zusammengeführt:

    • Es wird den Studienberechtigen eine praktische, an ihren Bedürfnissen orientierte Manövrierhilfe im Prozess der Studienwahl geben und ihnen mit einem Klick auf ihre häufigsten Fragen antworten. Außerdem bietet es weiterführende Orientierungs-, Informations- und Entscheidungshilfen.

     

    • Hierzu hat das Wissenschaftsministerium bereits das bundesweit einmalige Verzeichnis von BA/MA-Studiengängen an den NRW-Hochschulen im Netz. Diese Suchmaschine wird in das neue Angebot integriert werden.

     

    • Außerdem wird ein 'Beratungsführer' vorbereitet, mit dessen Hilfe sich die Studienberechtigen zu persönlichen Beratungsangeboten, insbesondere zu den Beratungsstellen der Hochschulen, navigieren können.

    Um zu verhindern, dass die Studienaufnahme nur zur Verlegenheitslösung wird, wenn der angestrebte Berufeinstieg nicht gelingt, ist es nötig, den Jugendlichen ihre Stärken und Begabungen zu verdeutlichen und das Interesse an entsprechenden Bildungsgängen und Studienangeboten zu wecken. Insbesondere die Zugangsmöglichkeiten und Chancen des Studiums an Fachhochschulen werden bisher noch zu wenig in den Blick genommen. Das Schul- und Jugendministerium wird deshalb die Informationsangebote für Schulen über diesen Bildungsweg verbessern und das Spektrum der Praktika zum Erwerb der Fachhochschulreife erweitern und stärker an den Studiengängen der Fachhochschulen orientieren.

    Im Gespräch mit den Zentralen Studienberatungsstellen sollen besonders bewährte Konzepte der Hinführung zum Studium für alle Schülerinnen und Schüler verbreitet werden. Denn es gibt längst an vielen Standorten Modelle, die über die "Schnuppertage" an Universitäten hinausgehen.

    • Projekte wie Schülerlabore oder die Möglichkeit, schon während der Schulzeit an regulären Studienveranstaltungen von Hochschulen teilzunehmen, sollen ausgeweitet und vernetzt werden. Unter Federführung des Schul- und Jugendministeriums werden in einem Arbeitskreis mit Vertretern der Hochschulen des Landes, der Schulbeauftragten für die Projekte, der Bezirksregierungen und des Wissenschaftsministeriums die organisatorischen Weichenstellungen dafür vorbereitet.

     

    • Auch das Schul- und Jugendministerium wird das Internet nutzen, um Konzepte zu verbreiten, Lehrerinnen und Lehrer bei der Orientierung der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen und um die Vernetzung bestehender Kooperationsprojekte zwischen Schule und Hochschule voranzutreiben. Dazu wird es in seinem Internetportal "chancen-nrw" einen neuen Schwerpunkt auf Studienwahlinformation legen. Insbesondere sollen dort best-practice-Beispiele aus NRW dargestellt und Lehrerinnen und Lehrern Handreichungen für den Unterricht sowie Hinweise auf Info-Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.

     

    • Ministerin Kraft: "Wir haben die Probleme an der Schnittstelle von der Schule zur Hochschule fundiert analysieren lassen, und wir leiten nun Maßnahmen ein, mit denen wir den jungen Menschen den Einstieg ins Studium nachhaltig erleichtern und sie zu schnellen und exzellenten Studienabschlüssen führen."


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