Hochschulpakt 2020: Rheinland-pfälzische Universitäten und Fachhochschulen werben mit attraktiven Studienplätzen um kluge Köpfe

Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, sieht die Umsetzung des Hochschulpakts 2020 in Rheinland-Pfalz auf einem guten Weg. "Eine deutliche Stellenausweitung im wissenschaftlichen Bereich wird dazu beitragen, das Ausbauziel für Rheinland-Pfalz zu erreichen", sagte Ahnen heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der rheinland-pfälzischen Landeshochschulpräsidentenkonferenz, Professor Dr. Helmut Schmidt, und dessen Stellvertreter Professor Dr. Joachim Herzig.

10.09.2007 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Bund und Länder haben sich darauf verständigt, im Rahmen des Hochschulpakts die Ausbildungskapazitäten der Hochschulen spürbar zu steigern. Auf dieser Grundlage haben sich die Länder verpflichtet, bis zum Jahr 2010 rund 91.000 zusätzliche Studienanfängerinnen und –anfänger gegenüber dem Jahr 2005 aufzunehmen. Dafür stellt der Bund 50 Prozent der veranschlagten Kosten, insgesamt 565 Millionen Euro, zur Verfügung.

Der von Bund und Ländern verabredete Verteilungsschlüssel weist aus, dass Rheinland-Pfalz in den Jahren 2007 bis 2010 insgesamt rund 5.800 mehr Studienanfängerinnen und Studienanfänger im ersten Hochschulsemester als im Studienjahr 2005 aufnimmt. Dafür stellt der Bund Rheinland-Pfalz bis 2010 rund 28 Millionen Euro zur Verfügung. Rheinland-Pfalz wird eine Kofinanzierung in gleicher Höhe gewährleisten.

"Die Planungen unserer Hochschulen gehen deutlich über diese Verpflichtung hinaus. Das zeigt, dass sie den Hochschulpakt als Chance begreifen, ihr eigenes Profil und das des Wissenschaftsstandorts Rheinland-Pfalz zu stärken", sagte Ahnen. Insgesamt, so die Ministerin, habe das Land den Ehrgeiz, mehr Studienanfängerinnen und –anfänger aufzunehmen, als dies die Verpflichtung im Hochschulpakt vorsehe.

Nutznießerinnen und Nutznießer seien die Hochschulzugangsberechtigten. Sie könnten aus einem noch breiter werdenden Angebot an interessanten und arbeitsmarktrelevanten Studiengängen in nahezu allen Fächergruppen auswählen. "Ich bin den Hochschulen dafür dankbar, dass sie die Kapazitäten für besonders nachgefragte Studiengänge weiter ausbauen und auch neue, innovative Studiengänge anbieten wollen", sagte die Ministerin. So wolle beispielsweise die Technische Universität Kaiserslautern die steigenden Studienanfängerzahlen im Bereich Maschinenbau meistern, die Fachhochschule Koblenz werde die "Medizintechnik" ausbauen, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Medienwissenschaften und die Fachhochschule Kaiserslautern den Studiengang "Applied Life Sciences". Interessante neue Studiengänge, wie der duale Studiengang Informatik oder der Studiengang "Intermediales Design", würden beispielsweise an der Fachhochschule Trier entstehen.

In Rheinland-Pfalz werde ein Schwerpunkt des Ausbaus bei den Fachhochschulen liegen. Beabsichtigt sei, dort die Hälfte der zusätzlichen Studienanfängerinnen und –anfänger in den kommenden vier Jahren aufzunehmen. Ein weiterer Schwerpunkt wird Ahnen zufolge im Bereich naturwissenschaftlich-technischer Fächer liegen. "Das Land bekennt sich einerseits zur Stärkung seiner Fachhochschulen und leistet andererseits einen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels", sagte die Ministerin.

Die Details zur Umsetzung des Hochschulpakts habe das Land mit den Hochschulen in Zielvereinbarungen verabredet. Dieses Instrument sei erstmals flächendeckend eingesetzt worden. "Wir haben damit ein stabiles, von allen Beteiligten anerkanntes Fundament für die inzwischen begonnene Realisierung der Planungen erhalten", erläuterte Ahnen.

Mit dem Hochschulpakt einher geht auch ein spürbarer Stellenzuwachs an den Hochschulen. In diesem Jahr werden ihnen seitens des Landes insgesamt 86,5 zusätzliche Stellen zugewiesen, im kommenden Jahr 84 Stellen. Rund 150 Stellen liegen im wissenschaftlichen Bereich, darunter 40 Professuren. "Auch dies belegt, welche Bedeutung das Land der Umsetzung des Hochschulpakts beimisst", sagte die Ministerin.

Professor Dr. Helmut Schmidt wies darauf hin, dass die Präsidenten und Rektoren deutscher Hochschulen über die unterschiedliche Ausgestaltung des Hochschulpakts in den vergangenen Monaten regelmäßig miteinander gesprochen hätten. "Dabei hat sich gezeigt, dass die Fördersummen je Studienplatz im Vergleich zu anderen Bundesländern nicht <verschämt> genannt werden müssen", sagte der Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern.

Innerhalb von Rheinland-Pfalz gebe es insgesamt eine Bereitschaft zur "Übererfüllung" des Hochschulpakts. "Dies beweist, dass diese Perspektiven eher als Chance statt als Last gesehen werden", betonte Schmidt. Ein interessanter Wettbewerb könne sich daraus ergeben, wenn andere Bundesländer ihre Zielzahlen nicht erreichen sollten und entsprechende Kontingente nach Rheinland-Pfalz verlagert werden würden.

Besser als in "normalen Zeiten", weil eher akzeptiert, können nach Meinung des Vorsitzenden der Landeshochschulpräsidentenkonferenz unter solchen Bedingungen auch wichtige andere Ziele (zum Beispiel die Erhöhung des Frauenanteils auf Professuren) über bewährte Wege (Juniorprofessuren) schneller realisiert werden.

"Die Präsidien der Fachhochschulen des Landes Rheinland-Pfalz beurteilen den Hochschulpakt insgesamt positiv und prinzipiell als eine Chance für die Zukunftssicherung und weitere Profilierung der rheinland-pfälzischen Hochschulen", erklärte Professor Dr. Joachim Herzig.

Zwar seien die Fachhochschulen zuversichtlich, die vereinbarten Ziele erfüllen zu können. Angesichts der konjunkturellen Entwicklung zeige sich jedoch eine gewisse Abnahme der Studierneigung, so das der Studierendenzustrom kleiner als erwartet ausfallen könnte, sagte der Präsident der Fachhochschule Worms.

"Mittel aus dem Hochschulpakt werden deshalb auch dafür aufgewendet werden, um Abiturientinnen und Abiturienten und andere potentielle Studieninteressierte mit den Berufsperspektiven vertraut zu machen, die sich speziell aus den neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengängen ergeben", so Herzig.

Die Qualitätssicherung der Lehre beim Ausbau der Studienplatzkapazität durch den Hochschulpakt erfordere eine Reihe zusätzlicher Aufwendungen und innovativer Ansätze im Rahmen der Betreuung der Studierenden und der Hochschuldidaktik. "Die für das Jahr 2008 angekündigte Aufstockung des Hochschulprogramms Wissen schafft Zukunft sollte hier zusätzliche Beiträge leisten", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz.

Wesentliche Aussagen der Zielvereinbarungen


Die rheinland-pfälzischen Hochschulen werden mindestens 5796 zusätzliche Studienanfängerinnen und -anfänger im ersten Hochschulsemester im Vergleich zum Basisjahr 2005 bis einschließlich 2010 aufnehmen.

  • Damit streben die Hochschulen an, die Ausbauverpflichtung die Rheinland-Pfalz gegenüber Bund und Ländern eingegangen ist, zu übertreffen.

Die rheinland-pfälzischen Hochschulen schaffen zur Umsetzung dieses Ziels zusätzliche Ausbildungskapazitäten und bemühen sich um eine bessere Ausnutzung vorhandener Studienkapazitäten.

  • Die Auslastung einer Hochschule oder bestimmter Studiengänge ist für die Mittelzuweisung durch das MBWJK ohne Bedeutung. Die Hochschulen bestimmt selbst, in welchen Studiengängen sie zusätzliche Studienanfängerinnen und -anfänger aufnehmen – und wie sie diese anwerben.

Die rheinland-pfälzischen Hochschulen erhalten hierfür in vier Jahren 14.000 Euro für jeden zusätzlichen Studienanfänger in geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern an Universitäten und 22.000 Euro für jeden zusätzlichen Studienanfänger in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen an Universitäten. Für jeden zusätzlichen Studienanfänger in vier Jahren in geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern an Fachhochschulen 10.000 Euro und 14.000 Euro für jeden zusätzlichen Studienanfänger in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen an Fachhochschulen.

  • Mit diesen Beträgen werden die unterschiedlichen Ausbildungskosten an Fachhochschulen und Universitäten sowie in den unterschiedlichen Fächerkategorien berücksichtigt. Das Land setzt damit zugleich einen eindeutigen Schwerpunkt beim Ausbau der naturwissenschaftlich-technischen Fächer.

Grundlage der Mittelzuweisung ist die von Land und Hochschulen gemeinsam beschlossene Ausbauplanung.

  • Die Ausbauplanung beruht auf den Studienanfängerzahlen des Studienjahres 2005 und der Setzung, dass 50% der zusätzlichen Studienanfängerinnen und Studienanfänger an den Fachhochschulen des Landes aufgenommen werden. Damit wird konsequent die Linie der Landesregierung weiter verfolgt, einen Schwerpunkt im anwendungsbezogenen FH-Bereich zu setzen, wie dies z B. mit den erfolgreichen neuen Standorten in Zweibrücken, Birkenfeld und Remagen sowie dem Ausbau von Pirmasens bereits geglückt ist.

Die Hochschulen werden darauf achten, dass die hohe Qualität ihres Lehrangebotes auch in den Fachbereichen, die zusätzliche Studienanfängerinnen und Studienanfänger ausbilden, beibehalten und nach Möglichkeit verbessert wird.

  • Der Hochschulpakt ist primär ein Instrument zur Erhöhung der Ausbildungskapazität. Die rheinland-pfälzischen Hochschulen sind sich jedoch bewusst, dass gerade bei einer Steigerung der Studienanfängerzahlen die Qualität der Lehre noch stärker in den Mittelpunkt rücken muss. Eine hohe Zahl von Studienanfängerinnen und -anfängern und entsprechend Studierenden stellt hier besondere Anforderungen. Vor diesem Hintergrund wurden in Rheinland-Pfalz zahlreiche Maßnahmen zur Qualitätssicherung und –steigerung initiiert. Neben der obligatorischen Akkreditierung der neuen Studiengänge tragen der Exzellenzwettbewerb Studium und Lehre und der Lehrpreis dazu bei, den Stellenwert der Lehre zu erhöhen. Hier werden sowohl herausragendes Engagement als auch innovative Lehrkonzepte ausgezeichnet. Darüber hinaus sorgt ein landesweites hochschuldidaktisches Angebot dafür, die hochschuldidaktischen Kompetenzen der Lehrenden zu stärken. Auch das Projekt der landesweiten Absolventenbefragung soll wichtige Ergebnisse zur Qualitätssteigerung in der Lehre liefern. Nicht zu vergessen ist das Engagement der Hochschulen, eine Evaluationssatzung zu verabschieden, um ein Qualitätssicherungssystem zu etablieren, das die Verpflichtung zur Evaluation aller Fächer beinhaltet.

Die Hochschulen streben an, den Anteil der Frauen bei den zu besetzenden Professuren und Juniorprofessuren sowie sonstigen Stellen zu erhöhen.

  • Die Schaffung von Stellen zum einen und die Erhöhung des Anteils der Frauen an den Stellen zum anderen sind explizite Ziele des Hochschulpaktes. Die rheinland-pfälzischen Hochschulen haben zur Umsetzung dieses Ziels im Rahmen der Zielvereinbarungen diverse Maßnahmen vorgeschlagen. Hier einige Beispiele: Die Fachhochschule Bingen beabsichtigt, Job-Sharing anzubieten, die Fachhochschule Kaiserslautern wird unter anderem Lehrauftragsinhaberinnen gezielt fördern und die Technische Universität Kaiserslautern will mit Hochschulpaktmitteln Betreuungsmöglichkeiten in den Schulferien für Kinder von Studierenden und Bediensteten schaffen. An den Universitäten Mainz und Koblenz-Landau soll es künftig gezielte Informations-Angebote für Frauen geben, etwa bei der Berufwegeplanung. Die Universität Koblenz-Landau plant überdies ein Monitoring von Studentinnen beim Übergang vom Bachelor zum Master für den Studiengang Informatik.

Das Land wird sich dafür einsetzen, dass über das Jahr 2010 hinaus eine Vereinbarung mit dem Bund getroffen werden wir, die die Fortführung des Programms über das Jahr 2010 hinaus ermöglicht.

  • Der Hochschulpakt 2020 ist schon dem Namen nach ein Pakt, der über 2010 hinaus geht. Schon jetzt reicht die Finanzierung über die Grenze von 2010 hinaus, da Bund und Länder vereinbart haben, jeden "Jahrgang" zusätzlicher Studienanfängerinnen und -anfänger jeweils über vier Jahre zu finanzieren. Aufgrund der voraussichtlichen Entwicklung der Studienanfängerzahlen gehen Land und Hochschulen von einer Fortsetzung des Paktes über das Jahr 2010 aus.

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