Wiederbelebtes Diplom

HRK-Präsidentin Margret Wintermantel fordert: Konzentration auf Inhalte und Qualität des Studiums statt Verwirrung bei den Titeln

Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin wird morgen über eine Änderung des Landeshochschulgesetzes beschließen, mit der unter anderem der Abschluss Diplom-Ingenieur wieder eingeführt werden soll. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Margret Wintermantel, hat in einem Brief an die Landtagsabgeordneten davor gewarnt, dass die Novelle Verwirrung im In- und Ausland stiften werde, ohne eine Steigerung der Qualität der Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern zu erreichen. Dazu sagte sie heute in Bonn:

14.12.2010 Pressemeldung Hochschulrektorenkonferenz

"Die deutsche Ingenieurausbildung genießt international hohes Ansehen. Vor diesem Hintergrund besteht seit längerem der Wunsch, die Gleichwertigkeit der neuen Masterabschlüsse mit dem traditionellen "Dipl.-Ing." zu verdeutlichen. Diese Äquivalenz kann problemlos durch einen entsprechenden Hinweis im Diploma Supplement erläutert werden. Außerdem sollte es möglich sein, den Titel des Diplom-Ingenieurs als deutsches Äquivalent zum Master-Grad zu führen. Eine pragmatische Lösung dieser Art würde zur Transparenz beitragen.

Den gegenteiligen Effekt jedoch hätte es, wenn künftig in den Bundesländern Ingenieur-Diplome mit unterschiedlichen Ansprüchen an die erbrachten Studienleistungen ausgestellt würden. Diesen Weg schlägt nun Mecklenburg-Vorpommern ein. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass ein Diplomgrad einerseits anstelle eines Mastergrades verliehen werden kann, andererseits soll aber auch anstelle eines Bachelors an Fachhochschulen ein Diplomgrad verliehen werden können.

Damit entstünde ein in Europa einmaliges Verwirrspiel, das für Studierende und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber eine neue und unnötige Verkomplizierung mit sich brächte. Sie brauchen bei den akademischen Abschlussgraden größtmögliche Transparenz über die Kompetenzen der Absolventinnen und Absolventen. An dem Grundsatz, europaweit gleich lautende Abschlüsse zu verleihen, sollte nicht gerüttelt werden.

Die deutschen Ingenieurwissenschaften genießen weltweit hohe Reputation. Nach Ansicht der HRK sollte alles vermieden werden, was zu Unsicherheiten bei der Einschätzung der Hochschulabschlüsse in diesem für Deutschland so zentralen Bereich führen könnte. Aus diesem Grund hat die HRK die Abgeordneten des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern gebeten, der Novelle in der vorgeschlagenen Fassung nicht zuzustimmen und sich stattdessen für eine wirksame Stärkung der Hochschulen ihres Landes einzusetzen."


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden