Kempen: "Wissenschaftlicher Nachwuchs in der klinischen Forschung wird abgestraft"
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) fordert eine höhere und leitungsgerechte Vergütung von Wissenschaftlern an Universitätsklinika. "Die Angleichung ihrer Bezüge an den Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an Universitätsklinika (TV-Ä) ist überfällig und wird seit dessen Inkrafttreten am 1. November 2006 vom Hochschulverband angemahnt", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen. "Die kommende Tarifrunde muss hier endlich Abhilfe schaffen. Es ist geradezu irrsinnig, dass der TV-Ä nach wie vor allein auf in der Patientenversorgung tätige Ärzte Anwendung findet." Ärzte mit Aufgaben in der klinischen Forschung, aber auch die vorklinischen und naturwissenschaftlichen Mitarbeiter an den Universitätsklinika müssten dagegen derzeit mit dem deutlich ungünstigeren Tarifvertrag der Länder (TV-L) Vorlieb nehmen. "Ärzte an Universitätsklinika, die zu ihren Aufgaben in Lehre und Krankenversorgung noch forschen, werden vom TV-L abgestraft. Wer solche Fehlanreize setzt, vertreibt die klinische Forschung aus Deutschland", betonte Kempen.
19.11.2008 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)Klinische W2-Professuren seien kaum noch attraktiv. W2-Stelleninhaber, die in der Klinik über die ärztliche Versorgung hinaus zusätzliche Dienstaufgaben in Forschung und Lehre wahrnähmen, würden erheblich schlechter als Oberärzte ohne akademische Aufgaben gestellt. "Wer ein breiteres Leistungsspektrum abdeckt, wird abgestraft und ist vergütungsrechtlich gesehen der Dumme. Das ist ein verheerendes Signal an den wissenschaftlichen Nachwuchs", so der DHV-Präsident. Während ein überwiegend in der Patientenversorgung tätiger Oberarzt an einem Universitätsklinikum mit einem Gehalt nach Maßgabe des TV-Ä in Höhe von 6.150 Euro anfängt, müsse sich ein W2-Professor trotz zusätzlicher Dienstaufgaben im Grundgehalt mit deutlich weniger, nämlich zwischen 3.650 Euro in Brandenburg und 4.175 Euro in Baden-Württemberg, begnügen. "Das ist absurd und belegt erneut, dass die W-Besoldung nicht amtsangemessen ist. Sie bleibt ein entscheidender Wettbewerbsnachteil im Kampf um die besten Köpfe", so Kempen. "Den Ankündigungen aus den Ländern, zu einer leistungsgerechteren Vergütung bei Wissenschaftlern zu kommen, müssen Taten folgen."
- Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der deutschen Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses mit über 23.000 Mitgliedern. -
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