Ministerrat beschließt Projekt "Hochschule 2012"

Ministerpräsident Oettinger und Wissenschaftsminister Frankenberg: Geburtenstarke Jahrgänge als Chance sehen - Land, Hochschulen und Wirtschaft gemeinsam gefordert - Vorsorge für "doppelten Abiturjahrgang" und steigende Abiturientenzahlen

20.12.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Kongress "Hochschule 2012" am 23. Februar 2006 Auftakt zu breitem Dialog

"In Baden-Württemberg steigt mit der Zahl der Abiturienten auch die Nachfrage nach Studienplätzen. Die Landesregierung sieht dies als Chance und bekennt sich zu ihrer Verantwortung. Wir werden zusätzliche Studienplätze an Hochschulen und Berufsakademien schaffen, denn alle Studienberechtigten müssen die Chance auf eine qualifizierte Hochschulausbildung erhalten. Diese Aufgabe können wir nur im Schulterschluss von Land, Hochschulen und Wirtschaft bewältigen", sagten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am Dienstag (19. Dezember 2005) in Stuttgart. Notwendig sei dazu ein breiter Dialog, der mit einem Kongress der Landesregierung unter dem Titel "Hochschule 2012" im Februar begonnen werde.

Am Vorabend hatte der Ministerrat das Projekt "Hochschule 2012" beschlossen. Diese Jahreszahl steht für den doppelten Abiturjahrgang, in dem die letzten Absolventen des neunjährigen mit den ersten Absolventen des achtjährigen Gymnasiums zusammentreffen. "Auf den "doppelten Abiturjahrgang" bereiten wir unsere Hochschulen und Berufsakademien mit einem Sonderprogramm gut und rechtzeitig vor. Für die Schülerinnen und Schüler der beiden Jahrgänge, die 2012 gemeinsam Abitur machen, werden genügend hochwertige Studienplätze zur Verfügung stehen", unterstrich der Ministerpräsident.

Zeitweise 30 Prozent mehr Studienanfängerplätze

Die gegenwärtig im Land vorhandene Kapazität von rd. 50.000 Studienanfängerplätzen müsse in den kommenden Jahren zeitweise um bis zu 16.000 weitere Plätze ausgebaut werden, erläuterte Wissenschaftsminister Frankenberg. Der Anstieg der Nachfrage werde deutlich an den Studierendenzahlen: Lagen diese im Wintersemester 1999/2000 an den Hochschulen des Landes (ohne Berufsakademien) bei 187.000, so seien es im Wintersemester 2005/2006 schon 248.000 Studierende, hinzu kämen rund 20.000 Studierende an den Berufsakademien. "Diese Rekordzahl wird noch weiter steigen - nach 2012 ist mit mehr als 300.000 Studierenden zu rechnen", sagte der Minister.

Große Chance für Unternehmen und Hochschulen

Ministerpräsident Oettinger verwies darauf, dass der Strukturwandel der Wirtschaft zu höheren Anforderungen an die Qualifikation von Arbeitskräften führe. "Der vorübergehend notwendige Kapazitätsausbau an den Hochschulen und Berufsakademien muss sich deshalb am Bedarf von Wirtschaft und Gesellschaft orientieren und die Anforderungen des künftigen Arbeitsmarktes berücksichtigen. Die geburtenstarken Jahrgänge sind eine Chance für den Wirtschafts- und Technologiestandort Baden-Württemberg: Wir brauchen in den nächsten Jahren mehr Studierende an den Hochschulen und Berufsakademien, weil bald starke Altersjahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden".

Die Ausbildungsleistung der Hochschulen und Berufsakademien sei ein entscheidender Standortfaktor. Damit könne das Land seine internationale Wettbewerbsfähigkeit behaupten. "Der Ausbau der Hochschulen und Berufsakademien ist eine gemeinsame Aufgabe. Auch die Wirtschaft ist in der Pflicht. Ich erwarte hier konkrete Zusagen auf Unterstützung", sagte der Ministerpräsident.

Vereinbarung über Planungssicherheit angeboten

Zur Bewältigung der steigenden Studierendenzahlen sollen Hochschulen und Berufsakademien einen spürbaren Beitrag leisten. Das Land erwarte, dass die Studienanfängerplätze bei der schon gut angelaufenen Umstellung auf die gestufte Bachelor/Master-Studienstruktur nicht reduziert werden. "Um die Studienkapazitäten entlang dem Bedarf der Wirtschaft auszubauen, sind mehr Kooperationen in den Regionen und zwischen Hochschulen - auch unterschiedlicher Hochschularten - sowie eine Abstimmung der Schwerpunkte und Profile notwendig. Zu erwarten sind auch Maßnahmen der Qualitätssicherung und die Nutzung von Effizienzreserven", erklärte Oettinger.

Im Gegenzug biete die Landesregierung den Hochschulen eine Vereinbarung, die die staatlichen Zuschüsse und einen befristeten Zuwachs an Studienplatzkapazitäten gewährleistet. "Damit schaffen wir eine mehrjährige finanzielle Planungssicherheit. Zudem stehen die Einnahmen aus Studiengebühren den Hochschulen zweckgebunden zusätzlich für die Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen zur Verfügung", sagte Wissenschaftsminister Frankenberg.

Kongress "Hochschule 2012" am 23. Februar

Damit Hochschulen, Wirtschaft und Politik im Land und in den Regionen bei dieser zentralen Aufgabe abgestimmt handeln können, werde die Landesregierung am 23. Februar 2006 in Stuttgart einen Kongress "Hochschule 2012" mit Vertretern der Hochschulen und Berufsakademien, der Wirtschaft, der Sitzstädte und mit Arbeitsmarktexperten durchführen. "An diesen Kongress sollen sich dann regionale Veranstaltungen anschließen, um dort die Lösungsansätze sowie die Eckpunkte für ein befristetes Ausbauprogramm zu konkretisieren", erläuterte der Ministerpräsident.

"Die baden-württembergischen Hochschulen waren seit Jahren bei den unterschiedlichsten Rankings außerordentlich erfolgreich", betonten Oettinger und Frankenberg. Die international profilierte Leistungskraft der baden-württembergischen Hochschulen sei nicht zuletzt auch auf das gute Zusammenwirken mit dem Land - etwa in dem 1997 geschlossenen "Solidarpakt" - zurückzuführen. "Wir wollen alles tun, um diese starke Position weiter auszubauen. Der Kongress ´Hochschule 2012´ soll dazu ein Startsignal geben."


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