Hochschulen

Niedersachsen stagniert beim Studium ohne Abitur

Die Nachfrage nach dem Studium ohne Abitur ist in Deutschland so hoch wie nie zuvor: Laut den jüngsten Zahlen ist die Nachfrage sprunghaft gestiegen und umfasst jetzt einen Anteil von 2,1 Prozent der Studienanfänger(innen). Damit hat sich die Quote der Studienanfänger(innen) ohne Abitur gegenüber 2007 nahezu verdoppelt, so das Ergebnis einer neuen Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Hauptgründe für diesen Aufwärtstrend sind vor allem erleichterte Zugangsbedingungen und die vermehrte Einrichtung von spezifischen Studienangeboten für diese Zielgruppe.

12.07.2012 Pressemeldung CHE Centrum für Hochschulentwicklung

Der Boom beim Studium ohne Abitur wirkt sich in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich aus. So besitzen in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2,2 Prozent und 4,2 Prozent aller Studienanfänger(innen) kein Abitur. Mit diesen Quoten nehmen diese Bundesländer im deutschlandweiten Vergleich die drei Spitzenplätze ein. Thüringen, Sachsen und das Saarland bilden mit Anteilen zwischen 0,9 und 0,4 Prozent hingegen die Schlusslichter. Niedersachsen gehörte jahrzehntlang zu den Vorreitern beim Studium ohne Abitur in Deutschland. Als eines der ersten Bundesländer ermöglichte es beruflich Qualifizierten den Hochschulzugang über eine spezifische Prüfung ("Z-Prüfung"). Nun hat Niedersachsen seine führende Position eingebüßt. Seit 2007 stagniert die Anfängerquote bei den Studierenden ohne Abitur bei 1,5 Prozent. Damit liegt Niedersachen im Bundesvergleich im Mittelfeld.

In den zurückliegenden drei Jahren haben 14 von 16 Bundesländern ihre Zugangsbedingungen zum Studium ohne Abitur deutlich verbessert, darunter auch Niedersachsen. Dort sind Personen mit Meistertitel und ähnlichen hochqualifizierten Berufsbildungsabschlüssen nunmehr Personen mit allgemeiner Hochschulreife gleichgestellt. Das bedeutet, sie können sich für jeden Studiengang an jeder Hochschule ihrer Wahl bewerben. Auch Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis haben es nun leichter, den Weg in die Hochschule zu finden. In 16 Bundesländern erhalten sie einen fachlich beschränkten Hochschulzugang, d.h. sie können sich um Plätze in Studienfächern bewerben, die eine fachliche Nähe zu ihrer beruflichen Tätigkeit haben. Eine Hürde bleibt jedoch bestehen: In allen Bundesländern gibt es trotz der übergreifenden Verbesserungen weiterhin sehr viele unterschiedliche Detail- und Ausnahmeregelungen. Studierwillige ohne Abitur müssen sich entsprechend intensiv durch den Dschungel der Verordnungen wühlen, um über die Sonderkonditionen in den Bundesländern im Bilde zu sein.

Über den Bundesländervergleich hinaus hat das CHE auch die Entwicklung der einzelnen Hochschulen näher unter die Lupe genommen. Es wurden pro Bundesland die drei Hochschulen identifiziert, die beim Studium ohne Abitur am stärksten nachgefragt sind. In Niedersachsen sind dies die Universität Oldenburg, die Universität Hannover und die Leuphana Universität Lüneburg. Insgesamt konnten im Bundesgebiet 33 Fachhochschulen, 16 Universitäten und 2 künstlerische Hochschulen identifiziert werden, die auf diesem Sektor besonders hohe Zahlen aufweisen. Dabei sticht die FernUniversität Hagen besonders heraus. Sie ist mit 2.502 Studienanfänger(inne)n ohne Abitur im Jahr 2010 deutschlandweit die mit Abstand beliebteste Hochschule bei dieser Zielgruppe. Zum Vergleich: Die Hochschule, die nach der FernUniversität Hagen im Bundesgebiet im Jahr 2010 die zweitmeisten Studienanfänger(innen) ohne Abitur aufgenommen hat, ist mit 433 beruflich qualifizierten Erstsemester(inne)n die Steinbeis-Hochschule in Berlin.

Trotz des neuen Hochs bei der Nachfrage nach einem Studium ohne Abitur sieht Dr. Sigrun Nickel, Projektleiterin beim CHE, noch Verbesserungspotential: "Es zeigt sich, dass immer mehr Universitäten und Fachhochschulen die Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium als eine Profilierungsmöglichkeit entdeckt haben. Diese Initiativen sollten die Bundesländer im Rahmen ihrer Budgetverteilung stärker finanziell fördern. Für Studieninteressierte ohne Abitur fehlen nach wie vor ausreichend Stipendien. Hier ist auch die Wirtschaft gefordert, sich intensiver zu engagieren".

Die Studie des CHE ist als kostenlose Online-Publikation unter dem Titel "Studieren ohne Abitur: Monitoring der Entwicklungen in Bund, Ländern und Hochschulen" erschienen. Die Veröffentlichung wurde gefördert vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

www.che.de/downloads/CHE_AP157_Studieren_ohne_Abitur_2012.pdf


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