Wissenschaftsstandort

Patriotische Gesellschaft will im Hamburger Hochschulstreit vermitteln

Die Patriotische Gesellschaft bietet sich im Streit um den Wissenschaftsstandort Hamburg als Vermittlerin an. "Momentan ist die Debatte wenig zielführend", sagt Jürgen Lüthje, Vorstand der Patriotischen Gesellschaft und ehemaliger Präsident der Hamburger Universität der Wochenzeitung DIE ZEIT.

22.10.2014 Artikel

"Alle Seiten polarisieren in Schaukämpfen. Das bringt der Wissenschaft nichts. Wichtiger wäre, dass sich alle Beteiligten auf längerfristige Ziele verständigten, die unabhängig von parteipolitischen Mehrheiten verfolgt werden."

Die Patriotische Gesellschaft habe in ihrer 250-jährigen Geschichte schon oft gesellschaftliche Debatten moderiert, sagt Lüthje. "Wir werden die Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die Wissenschaftssenatorin, den Ersten Bürgermeister, den Finanzsenator, die Bürgerschaftsfraktionen, die Kammern und Gewerkschaften sowie die wissenschaftsfördernden Stiftungen zu Gesprächen einladen, um zu beraten, wie Hamburg in 15 Jahren zu einem der leistungsstärksten Wissenschaftsstandorte in Europa werden kann." Die ersten Einladungen würden bereits in dieser Woche versandt.

"Die Hochschulen haben das gleiche Problem wie die Schulen vor dem Schulfrieden", sagt Lüthje. "Die haben darunter gelitten, dass sie ständig Gegenstand politischer Polarisierung statt gemeinsamer Anstrengung waren", sagte Lüthje. "Hamburg braucht wissenschaftspolitische Ziele, die, bei allem verbleibenden Dissens, über mehrere Legislaturperioden zielstrebig verfolgt werden." Grundlage der Gespräche soll ein 18-seitiges Papier werden, das die Stiftung erarbeitet hat.

Zum Hintergrund: Der Ton in der Debatte um die Zukunft des Wissenschaftsstandorts Hamburg war in den vergangenen Wochen deutlich schärfer geworden. Weil sie die Investitionen in Wissenschaft für zu gering halten, haben die Studenten einen "heißen Herbst" mit Protesten angekündigt. Universitätspräsident Dieter Lenzen erklärte die Hochschulgebäude vor einigen Wochen zu "Ruinen". Die Opposition hat bereits den Rücktritt von Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) gefordert.

Jürgen Lüthje, 73, war von 1991 bis 2006 Präsident der Hamburger Universität. Die Patriotische Gesellschaft ist die älteste zivilgesellschaftliche Organisation in Deutschland. Sie wurde 1765 nach dem Vorbild der Londoner Royal Society of Arts als Hamburgische Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe gegründet. Auf die Gesellschaft geht die Gründung der ersten Sparkasse, des Museums für Kunst und Gewerbe und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) zurück.


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