Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen: OECD-Studie vermittelt Bildungsblick durch beschlagene Brille

Zum wiederholten Male wird die jährliche OECD-Studie missbraucht, um Vorurteile, Irrlehren und Pauschalwertungen in die Öffentlichkeit zu tragen.

19.09.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologen-Verband NRW

Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband warnt davor, die Bildungsqualität eines Landes wesentlich an den Absolventenquoten für Hochschulen oder den Zahlen der Hochschulberechtigten festzumachen. In Deutschland vermittelt das differenzierte und hochqualifizierte berufsbildende Schulwesen Abschlüsse, die in anderen Ländern als Hochschulabschlüsse vergeben werden. Daher muss man die unterschiedlichen Voraussetzungen für den Berufseinstieg genauso berücksichtigen, wie beispielsweise auch die Unterschiedlichkeit der Studiengänge in einzelnen Ländern.

"Wer Unterschiedliches gleich bewertet, trägt nicht zur nötigen Klarsicht bei, er stochert im Nebel und kommt zu Fehlurteilen", mahnt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.

Im übrigen gibt die OECD-Studie absolut keinen Anlass, pauschal das deutsche Bildungswesen schlecht zu reden. Ohne in ein gleichermaßen unangebrachtes generalisierendes Lob zu verfallen, braucht man aber nicht zu verschweigen, dass Deutschland beispielsweise einen Spitzenwert bei der Zahl der Absolventen natur- und ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge einnimmt. Deutschland belegt einen Spitzenplatz bei der Zahl der OECD-Studenten, die nicht in ihrem Heimatland sondern in Deutschland ein Studium aufnehmen. Ebenso erreichen fast 100 % in Deutschland einen Sekundarbereich II – Abschluss (Hochschulreife, Fachhochschulreife oder abgeschlossene berufliche Ausbildung), womit Deutschland zusammen mit Griechenland international an der Spitze steht.

Erwähnen darf man auch, dass u.a. der Anteil der ausländischen Studentinnen und Studenten, die Bildungsausgaben im Tertiärbereich sowie die Stundenzahl im Fort- und Weiterbildungsbereich in Deutschland über dem OECD-Durchschnitt liegen.

Der Philologen-Verband plädiert daher dafür, die nationalen wie internationalen Bildungsstudien nicht als Steinbruch für eigene Ideologien zu nutzen. Das nämlich macht blind. Bildung sollte nicht nur "auf einen Blick" hin beurteilt werden, sondern sachlich, solide und seriös.

Ansprechpartner

Philologen-Verband NRW

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