Preis für exzellente akademische Lehre geht an Prof. Ulrich Falk, Gregor Nickel (PD) und Prof. Karsten Urban

"Gute und auch international attraktive Hochschulen können nur solche sein, die gute Lehre bieten und – im Zeichen des immer wichtiger werdenden Hochschulmarketings – dafür auch bekannt sind. Mit dem heute verliehenen besonderen Landeslehrpreis setzen die drei Preisträger auch für ihre Hochschulen eindrucksvolle Zeichen, was exzellente akademische Lehre bedeuten und bewirken kann."

16.11.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Dies erklärte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am 16. November in Stuttgart bei der Verleihung der herausgehobenen Lehrpreise im Bereich der Universitäten an Prof. Dr. Ulrich Falk (Mannheim), PD Dr. Gregor Nickel (Tübingen) und Prof. Dr. Karsten Urban (Ulm). Die Preisverleihung fand im Rahmen des landesweiten "Tages der Lehre" an der Universität Hohenheim statt, bei dem auch an 120 Hochschullehrer das vom Wissenschaftsministerium eingeführte Zertifikat für Hochschuldidaktik vergeben wurde.

Herausragende Forschung, so führte der Minister aus, finde viele Podien und Anlässe, auf sich aufmerksam zu machen. "Exzellente Lehre hingegen blüht bisher eher im Verborgenen. Der Landeslehrpreis ist uns daher besonders wichtig, um auch für besonders gute Lehre ein weithin sichtbares Podium zu bieten. Er ist ein Zeichen der öffentlichen Anerkennung und Wertschatzung, der Ermutigung und der Motivierung auch für andere Hochschullehrer, sich stetig um gute Lehre zu bemühen."

"Internationalisierung kommt gut voran"

Das Thema "Lernen ohne Grenzen", das der "Tag der Lehre 2005" in den Mittelpunkt stellt, ist nach Frankenbergs Worten hoch aktuell. Für das Zusammenwachsen Europas und die Bewältigung der neuen globalen Herausforderungen spiele die Ausbildung an den Hochschulen eine Schlüsselrolle: "Was wir heute nicht an Wissen erwerben, weitergeben und in Handlungskompetenz umsetzen, erhöht morgen die Barriere bei der Lösung unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme", so der Minister.

Bei der Internationalisierung des Studiums seien die Hochschulen weiter auf einem guten Weg. Im Zuge des "Bologna-Prozesses" zur Schaffung eines europäischen Hochschulraumes hätten sie Studierendenaustausch und Kooperationen mit ausländischen Hochschulen, Internationalisierung der Studiengänge und auch den Export von Studienangeboten ausgebaut und intensiviert. Die flächendeckende Einführung der konsekutiven Bachelor- und Master-Studiengänge bis zum Jahr 2010 komme gut voran. Inzwischen gibt es an den Hochschulen des Landes schon etwa 600 BA/MA-Studienangebote.

"Beispiele für gute Lehre"

Gute Lehre setzt nach den Worten des Ministers voraus, dass die Lehrenden wie die Lernenden sich aktiv mit dem jeweiligen Gegenstand auseinander setzen. "Ein Beispiel, wie es sein sollte, geben uns die heutigen Preisträger." Der herausgehobene Landeslehrpreis wird in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Eingeführt wurde der Landeslehrpreis im Jahr 1993. Insgesamt gibt das Land in diesem Jahr an die neun Universitäten für die Landeslehrpreise 120.000 Euro. Dabei können bis zu drei Preisträgerinnen oder Preisträger für besonders herausragende Lehrleistungen ausgezeichnet werden, sie erhalten eine erhöhte Preissumme. Es sind dies in diesem Jahr folgende Preisträger:

Prof. Dr. Ulrich Falk, Universität Mannheim,

Professor für Bürgerliches Recht, Rhetorik und Europäische Rechtsgeschichte an der Universität Mannheim und derzeit Dekan der Fakultät für Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftlehre. Prof. Falk wird für eine ideenreiche, sehr engagierte und praxisnahe Vermittlung von schwierigen und abstrakten Rechtsproblemen ausgezeichnet. Seine Lehre zeichnet sich dadurch aus, dass er es immer wieder schafft, anhand von hervorragend didaktisch aufgearbeiteten alltäglichen Beispielen das eher theoretisch angelegte Jurastudium zu beleben. Dabei reicht sein Engagement für die Studierenden von studienbegleitenden Exkursionen auf den Pfaden der europäischen Rechtsgeschichte bis zur Organisation und Betreuung des Mannheimer "Schilling-Moot-Court".

PD Dr. Gregor Nickel, Universität Tübingen,

Privatdozent an der Fakultät für Mathematik und Physik der Universität Tübingen. Er wird für seine herausragenden Leistungen und sein besonderes Engagement bei der Integration von philosophischen und historischen Bezügen in das physikalische und mathematische Fachstudium gewürdigt. Die Materie ist für viele Studierende, gerade der unteren Semester, schwierig und ihre Vermittlung erfordert besonders ausgeprägte Lehrfähigkeiten. Es gelingt Dr. Nickel durch geduldiges und didaktisch hervorragend aufgebautes Vorgehen, den Graben zwischen Schulmathematik/Schulphysik und Universität zu überbrücken. Er vermag so eine Brücke zwischen der abstrakten Perspektive der Mathematik und dem konkreten Anwendungsbezug der Physik zu schlagen.

Prof. Dr. Karsten Urban, Universität Ulm,

Leiter der Abteilung Numerik an der Universität Ulm und derzeit Studiendekan der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften. Neben einer herausragend guten und auf seiner Erfahrung in vielen Projekten mit Wirtschaftsunternehmen basierenden praxisorientierten Lehre vermag es Prof. Urban, auf vorbildliche Weise Probleme in der Lehre zu analysieren und nachhaltige Lösungskonzepte zu entwickeln. Nachdem bei vielen Studierenden mehr und mehr die Tendenz beobachtet wurde, die Programmieraufgaben am eigenen PC zu erstellen und weniger die Computer der Universität zu nutzen, und eine kostengünstige Campus-Lizenz für Matlab, das Standard-Produkt der numerischen Bibliothek, nicht zu erhalten war, entwickelte er mit seinen Mitarbeitern das kostenlose System FLENS (flexible library for efficient numerical solutions in C ++ ).

Modell Hochschuldidaktik-Zentrum

"Der Erwerb hochschuldidaktischer Kompetenzen gewinnt, bei steigenden Erwartungen an die Hochschulausbildung, immer mehr an Bedeutung", betonte Frankenberg. Dass die Lehrkompetenz jüngerer wie auch älterer Hochschullehrer verbessert werden könne, zeigten verschiedene Befragungen von Studierenden. Für diese habe gute Lehre absolute Priorität. "Hochschullehre, die zum Lernen anregt, ist wesentlich, um die Studierenden zu motivieren, und unverzichtbar, wenn die Hochschulen mit einem qualitätsbezogenen Profil im Wettbewerb bestehen wollen", so der Minister.

Mit dem Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg, das Anfang 2003 seinen Betrieb aufgenommen hat, und dem seit 2001 bestehenden Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik in der Medizin hat das Land nach Frankenbergs Worten auch international gesehen ein Modell geschaffen. "Wir sind hier gemeinsam mit den Hochschulen einen einzigartigen Weg gegangen, um Lehrende und Nachwuchswissenschaftler auf ihre Lehrtätigkeit vorzubereiten und eine professionelle Lehre zu unterstützen." Die Verleihung der Zertifikate für hochschuldidaktische Kompetenzen sei bundesweit ein Meilenstein.

Erwarben im Jahr 2003 47 Lehrende an den Universitäten das Zertifikat, so waren es 2004 schon 68. In diesem Jahr erhielten 120 Lehrende das Zertifikat. "Hier zeigt sich ein Trend zu mehr und besserer Hochschuldidaktik, den wir nachdrücklich unterstützen. Nicht zuletzt den Mitarbeitern des Hochschuldidaktikzentrums und des Kompetenzzentrums für Hochschuldidaktik in der Medizin ist für diese positive Entwicklung zu danken." (Frankenberg)


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