Vorfahrt für die Universitäten bei der Geldverteilung
(red/pm) Die Debatte um die künftige Wissenschaftsfinanzierung in Deutschland spitzt sich zu. Mehrere namhafte Experten fordern jetzt in der [duz - Deutsche Universitätszeitung](http://www.duz.de), die Universitäten wieder stärker in das Zentrum des deutschen Wissenschaftssystems zu stellen.
19.03.2013 Artikel"Das Verhältnis zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung droht aus der Balance zu geraten", schreibt der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Bernhard Kempen, in der duz. Das zeige sich daran, dass die Helmholtz-Gemeinschaft eine Führungsrolle im deutschen Wissenschaftssystem beanspruche, die Max-Planck-Gesellschaft nach dem Promotionsrecht schiele und die Leibniz-Gemeinschaft mit ihren Wissenschaftscampi in die Universitäten dränge. Wer die Universitäten als Mittelpunkt des Wissenschaftssystems erhalten wolle, müsse dieses Vormachtsstreben zurückweisen und "bei der anstehenden Neuordnung des Wissenschaftssystems die Finanzströme zugunsten der Universitäten lenken. Dies setzt eine Änderung des Grundgesetzes voraus", sagt Kempen. Wenn das Kooperationsverbot in der Bildung zwischen Bund und Ländern nicht aufgehoben werde, warnt er, würden die außeruniversitären Einrichtungen "letztlich immer mehr zu Köchen, die Universitäten immer mehr zu Kellnern".
Der Präsident des Deutschen Studentenwerkes, Dieter Timmermann, fordert in seinem duz-Beitrag Steuererhöhungen für die Bildung: "Das ist nicht populär, (noch) nicht mehrheitsfähig, aber dringend nötig". Er schlägt höhere Einkommenssteuern und die Schließung von Steuerschlupflöchern vor.
Auch der Rektor der Uni Heidelberg, Bernhard Eitel, fordert von der Politik, mehr in die Universitäten zu investieren, "weil sie das Rückgrat des tertiären Bildungssystems in Deutschland" sind. Der Bund müsse Universitäten mitfinanzieren dürfen. Eitel ist Sprecher des Verbandes "German U15", in dem sich 15 forschungsstarke Unis vereint haben. Universitäten seien "keine Kostenträger, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft, die sich am Ende auszahlt".
Auch aus Sicht von Marion Schick muss der Bund eine maßgebliche Rolle in der Hochschulfinanzierung spielen. Sie ist Vorstandsmitglied Personal bei der Deutschen Telekom. Die dafür notwendige "Grundgesetzänderung darf keinesfalls aus parteitaktischen Gründen behindert werden". Darüber hinaus müsse die Finanzierung der Hochschulen über die Einnahme von Studiengebühren verbessert werden, sagt Schick. Es sei bedauerlich, "dass Wahlkampfkalkül und die Legende der sozialen Selektionswirkung von Studienbeiträgen, wiewohl durch mehrere Studien widerlegt, fast überall zu ihrer Abschaffung geführt habe".
Die Debatte um eine nötige Neuausrichtung der Finanzierung des deutschen Wissenschaftssystems spitzt sich im Vorfeld der Frühjahrssitzung des Wissenschaftsrates im April in Würzburg zu. Dort will er sich zu dem Thema äußern. Darauf warten Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Politiker mit Spannung, weil derzeit völlig unklar ist, was passiert, wenn die Exzellenzinitiative ausläuft und die Schuldenbremse in den Ländern mit voller Kraft im Jahr 2020 greift. Zudem ist der Hochschulpakt bis 2020 zwar beschlossen, aber längst nicht ausfinanziert. Im Vorfeld der Bundestagwahl im September positionieren sich auch die Parteien zu dieser Debatte, wie die duz in einem Überblick zeigt.
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