Wer die Wahl hat ...

„Die ZVS wird’s schon richten“ – so einfach werden zulassungsbeschränkte Studienplätze in Zukunft nicht mehr zu bekommen sein. Nach der Reform der Hochschulzulassung können die Hochschulen seit dem Wintersemester 2005/06 weitgehend nach eigenen Kriterien 60 Prozent ihrer Studienplätze mit bundesweiter Aufnahmebeschränkung selbst besetzen.

23.01.2007 Artikel
  • © bikl.de

Das bedeutet für Hochschulen und Bewerber eine Reihe von Neuerungen, deren Umsetzungen sie derzeit in verschiedenen Szenarien ausloten. Die Vorteile für die Hochschulen liegen auf der Hand, können sie doch durch gezielte Auswahl ihr Profil schärfen und sich durch Senkung der Abbrecherquoten und Steigerung der Qualität der Lehre im Ranking verbessern. Allemal gute Voraussetzungen, um sich auch im internationalen Wettbewerb besser behaupten zu können. Ob dieser Schuh aber nicht für einige Universitäten eine Nummer zu groß ist, das wird sich im verstärkten Wettbewerb zeigen. Zwar haben die Länder auch so genannte „weiche“ Auswahlkriterien neben der Abiturnote ermöglicht; so muss in Baden-Württemberg mindestens ein weiteres Auswahlkriterium neben den Abiturnoten berücksichtigt werden und in Nordrhein-Westfalen kann ausgewiesenes soziales Engagement außer den Zeugnisnoten zum Studienplatz verhelfen. Offen bleibt allerdings, welches nachhaltige Plus sich die Universitäten mit einer derart zusätzlich qualifizierten Klientel erwirtschaften können.

Für die Studienbewerber erhöhen sich durch die Berücksichtigung von nicht nur rein leistungsbedingten Kriterien zweifellos die Zulassungschancen. Sie werden deshalb zukünftig viel stärker darauf zu achten haben, ob und wie die Schule sie hinreichend auf Bewerbungsszenarien für den Studienplatz ihrer Wahl vorbereitet. Die Schulen werden sich um differenziertere Informationen und entsprechende Qualifizierung der Lehrerschaft zu kümmern haben, die Bildungsmedien werden ihre Inhalte gezielt erweitern müssen.

Auch die Hochschulen haben sich diesem spezifischen Beratungsbedarf der Bewerber offensiv zu stellen. Offen bleibt, ob eher einheitliche Auswahlverfahren, wie sie bundeseinheitlich von den psychologischen Fakultäten vereinbart wurden, oder eher fachbereichsspezifische Lösungen, die ein Höchstmaß an eigenständiger Profilierung des Standortes ermöglichen, den Vorzug erhalten werden. So bieten einige Fachbereiche beispielsweise Auswahlverfahren zur Probe oder Self Assessment Tools, etwa auch im Internet, an. Aber die Regel sind solche Angebote einstweilen noch nicht. Dabei haben die Hochschulen herauszufinden, ob Eignung und Neigung der Bewerber erfolgversprechend harmonieren. Außerdem stellt sich die Frage: Wie teuer wird das Ganze? So befürchten Studentenvertreter, dass die Kosten für Tests und Auswahlgespräche auf die Studierenden abgewälzt werden – ähnlich wie bei den privaten Hochschulen.

Ob Einzel- oder Gruppengespräch, Eignungstest oder Motivationsschreiben – es wird in Zukunft mehr unterschiedliche Auswahlverfahren und -kriterien geben, die allesamt an Hochschulen und Studienbewerber erhöhte Anforderungen stellen. Vor diesem Hintergrund diskutieren auf der didacta am HOCHSCHULTAG 2007 Experten aus Wirtschaft, Hochschule und Gesellschaft vielfältige Gesichtspunkte der Studierendenauswahl durch die Hochschulen.

DAZU AUF DER DIDACTA 2007:

  • Unter dem Motto „Wie gewinnen Hochschulen die besten Köpfe?“ diskutieren Expertenrunden auf dem HOCHSCHULTAG 2007 am 28. Februar 2007, Congress Centrum (CC), Ost. Eröffnung durch Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NRW.
  • GEW-Workshop: Zentralabitur NRW, 27. Februar 2007, 12.30 Uhr, Boulevard, Halle 9.

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