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Wie retten wir die Erde? Nachhaltigkeit nach Lehrplan

Aktivistin Greta Thunberg hat vor einem Jahr erstmals die Schule geschwänzt – für eine bessere Klimapolitik. Heute tun es ihr Millionen Kinder und Jugendliche gleich. Sie fordern, das Thema Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft zu verankern. Das betrifft auch das Bildungssystem.

26.11.2019 Bundesweit Artikel Karoline Estermann
  • © www.pixabay.com Kinder und Jugendliche fordern bei „Fridays for Future“ dazu auf, nachhaltiger zu handeln. Wie das funktioniert, wird im Bildungssystem kaum gelehrt.

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Die kurze Fahrt mit dem Auto, das neue Handy zum Geburtstag, die Lebensmittel vom anderen Kontinent: Wer den Klimawandel stoppen will, muss auch das eigene Verhalten infrage stellen. Damit Menschen lernen, zukunftsfähig zu denken und zu handeln, wurde 2015 das fünfjährige UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) ins Leben gerufen. Dessen Nationaler Aktionsplan umfasst 130 Ziele und 349 Handlungsempfehlungen, mit denen Kitas, Schulen, Hochschulen und berufliche Schulen das Verständnis für nachhaltige Entwicklung im deutschen Bildungssystem integrieren sollen. Nachhaltigkeit soll nicht nur in Lehrplänen und Ausbildungsordnungen, sondern auch in der Aus- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte eine größere Rolle spielen. 

Das letzte Jahr des UNESCO-Weltaktionsprogramms neigt sich dem Ende zu, doch die Umsetzung verläuft schleppend: Die diesjährige Zwischenbilanz verweist auf rund 300 sogenannte Commitments. Das sind Selbstverpflichtungen verschiedenster Institutionen, die Ziele des Nationalen Aktionsplans verfolgen: Die Leuphana Universität Lüneburg bietet beispielsweise regelmäßig nachhaltigkeitsbezogene Seminare an, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag entwickelt Weiterbildungsangebote für Führungskräfte, um Nachhaltigkeit in Unternehmen zu etablieren. 

Der Wille zur Veränderung allein reicht jedoch nicht. Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Nationalen Aktionsplans forderte Gudrun Wolters-Vogeler vom Allgemeinen Schulleitungsverband: „Es müssen für die Umsetzung von BNE adäquate, finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.“ Laut einer Studie des „Bündnis ZukunftsBildung“ müssten bis 2030 knapp 14 Milliarden Euro bereitgestellt werden, um Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schulen zu finanzieren – und damit wäre das Thema noch lange nicht in allen Bereichen der Bildungslandschaft etabliert. 

Von klein auf

Bildung für nachhaltige Entwicklung startet idealerweise nicht im Klassenzimmer. Laut Anna Thielebein von der S.O.F. Save Our Future – Umweltstiftung ist es besonders wichtig, dass sich schon Kinder mit Ernährung, Abfall oder Energie auseinandersetzen: „Wir hoffen, dass sie sich auch später noch mit diesen Themen beschäftigen, wenn sie erleben, dass sie mit ihrem eigenen Handeln etwas bewirken können.“ Thielebeins Organisation hat die Initiative „KITA21“ gestartet. Sie soll Erzieherinnen und Erziehern zukunftsfähiges Denken und Handeln vermitteln, um es an die Kinder weiterzugeben. Zudem berät die Initiative bei der Frage, wie auch die Kita selbst nachhaltiger werden kann.

Auch Meteorologe Sven Plöger plädiert dafür, Kinder möglichst früh an das Thema Klimawandel heranzuführen. „Eigentlich müsste es ein eigenes Fach ‚Klimawandel‘ geben“, forderte Plöger im Rahmen der didacta 2019. Allerdings: Die Option, Wissen über Klimawandel und Nachhaltigkeit umfangreich in Bildungseinrichtungen zu vermitteln, ist bislang überwiegend freiwillig. Für viele Forscher ist das unverständlich. Meteorologin Insa Thiele-Eich hat die Notwendigkeit früh erkannt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen: „Ich bin schon lange Klimaforscherin. Ich habe schon lange schlaflose Nächte.“ Durch „Fridays for Future“ spüre sie wieder einen Funken Hoffnung. 

Länder als Impulsgeber?

In den Bildungsplänen der meisten Bundesländer ist die Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit in Kindergarten und Schule festgeschrieben, allerdings in unterschiedlichem Maße. Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland ein Commitment zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplan abgegeben – mittlerweile hat sich auch Hamburg selbstverpflichtet. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist in den baden-württembergischen Bildungsplänen für allgemeinbildende Schulen seit 2016 als Leitperspektive verankert. Kinder und Jugendliche werden mit sozialer Ungleichheit, Frieden und Umweltschutz vertraut gemacht. Eine „Bestandsaufnahme zur Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Bildungs- und Lehrplänen“ der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ konstatiert, das Thema sei beispielsweise in den neuen Lehrplänen für die Grundschule deutlich erkennbar. Gleichzeitig kritisieren die Autoren: „Besondere Kompetenzen, über die Lehrkräfte verfügen sollten, werden nicht auf den Leitgedanken einer Bildung für nachhaltige Entwicklung bezogen.“ Anfang des Jahres appellierte Kultusministerin Susanne Eisenmann an Schulleitungen: „Es gibt Umwelt-AGs, Schulgärten oder Schülerfirmen, die sich mit fairen und nachhaltigen Produktionsweisen beschäftigen, sowie Unterrichtseinheiten und Projekte, die sich dem Klimawandel widmen. Das starke Interesse der Schüler weist darauf hin, dass wir genau diesen Weg stärker verfolgen sollten.“ 

Fade Bilanz

Ein paar freiwillige Absichtserklärungen, einige Vorgaben innerhalb der Bildungspläne: Ein bundesweit verpflichtendes Programm zur einheitlichen Verankerung der Bildung für nachhaltige Entwicklung existiert jedoch nicht. Laut einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Bremen gibt es zwar viele Initiativen, die das Thema voranbringen – die Hauptziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen spielen in Kita, Schule, Hochschule und insbesondere in der beruflichen Bildung jedoch keine herausragende Rolle. 

Ein kurzes TV-Statement von Meteorologe Sven Plöger zur Frage, wie Klimawandel in der Schule behandelt werden sollte. Das vollständige Interview, geführt auf der didacta 2019, können Sie sich auf bildungsklick TV anschauen.

Vom 24. bis zum 28. März 2020 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Stuttgart zusammen. 

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Lernen, die Welt zu verändern
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Die deutsche Astronautin Dr. Insa Thiele-Eich
25.03.2020
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25.03.2020
13 bis 14:30 Uhr
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Bildung für nachhaltige Entwicklung: Was kann Schule leisten?

  • Dr. Ilka Hoffmann, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW, Organisationsbereich Schule (angefragt)
  • Volker Schebesta, Politischer Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 
  • N. N., Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) (angefragt)

27.03.2020
13:30 bis 14:30 Uhr
Halle 3, Stand 3E72
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V. 

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2020 finden Sie unter
www.didacta-messe.de und www.facebook.com/didacta-messe.

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Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst.

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