Wissenschaftssenator Thomas Flierl : "Bologna in Berlin" verwirklichen

Auf seiner heutigen Pressekonferenz stellte Wissenschaftssenator Dr. Thomas Flierl die Bilanz seiner Gespräche mit Universitätsvertreterinnen und -vertretern zur Verwirklichung des Bologna-Prozesses in Berlin vor.

12.09.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin (bis 11/06)

Senator Thomas Flierl: " Die Bilanz über den Berliner Weg nach Bologna fällt zwiespältig aus. Einerseits sind die Berliner Hochschulen bundesweit mit an der Spitze in der Umstellung der Studiengänge auf die gestufte Studienstruktur mit Bachelor und Master. Auf der anderen Seite mussten wir - vor allem durch die Berichte von Studierenden - feststellen, dass die Mobilität innerhalb eines gemeinsamen Hochschulraumes Berlin auf große Hürden stößt, die Vergleichbarkeit und Anerkennung von jeweiligen Leistungen zwischen den Universitäten nicht zufrieden stellend ist und Auslandssemester zu wenig in die Studienstruktur eingepasst werden können. Die im Bologna-Prozeß gewünschte Mobilität scheitert bislang auch an nicht kompatiblen Umsetzungen der Modularisierungen in den Studiengängen."

Wissenschaftssenator Thomas Flierl schlägt deshalb vor, mit den Universitäten eine "Anerkennungs-, Informations- und Transparenzvereinbarung" abzuschließen. Diese sollte in einem zweiten Schritt nach einer Diskussion auch auf die Fachhochschulen ausgeweitet werden.

Diese Vereinbarung sollte auf folgende Punkte ausgerichtet werden:


- Im Berliner Hochschulgesetz werden die Semesterzeiten so geändert, dass sie Studieren in Berlin auch international kompatibler machen.
- Die Universitäten werden aufgefordert, eine weitestgehend mögliche Angleichung der Zuschnitte der Module (als Vorschlag: 5-10-15 Leistungs- bzw. Studienpunkte; Kern- und Neben- bzw. Beifächer: 60 bzw. 30 Leistungs- bzw. Studienpunkte) vorzunehmen, um die Durchlässigkeit zu gewährleisten.
- Die Modularisierung wird durchgängig zur neuen Gestaltung der Studieninhalte genutzt. Das kann auch dazu führen, dass im Rahmen modularisierter Studiengänge Studierende besser als bisher an den Forschungsprozess angebunden sind - und zwar ab dem ersten Semester.
- Die Universitäten prüfen, ob und an welcher Stelle eine Angleichung der Begrifflichkeiten möglich ist, um eine Orientierung der Studierenden zu erleichtern.
- Die Mobilität und der Wettbewerb zwischen den Universitäten wird dadurch gewährleistet, dass Studierende möglichst weit reichende Möglichkeiten erhalten, zu wählen, an welcher Universität sie ihr Zweit- oder Beifach studieren wollen. Dazu treffen die Hochschulen auch im Hinblick auf Kapazitäten geeignete Vereinbarungen.
- Studienleistungen sollen im gesamten Berlin/Brandenburger Raum im Regelfall gegenseitig anerkannt (Äquivalenzvereinbarung) und Abschottungstendenzen sollen vermieden werden.
- Die Studienanordnungen werden so gestaltet, dass Auslandssemester grundsätzlich möglich und ohne Verluste in den Studienablauf eingebaut werden können.
- Die neuen Studiengänge sollen so gestaltet werden, dass sie auch in Teilzeit studierbar sind und offen bleiben für Erziehende und für Berufstätige.
- Die Universitäten bauen ein Informationssystem auf, das jedem/r Studierenden die Informationen über die Profile der Module an der jeweiligen Universität zur Verfügung stellt.

Darüber schlägt der Wissenschaftssenator vor, mit den Universitäten folgende Fragen zu bearbeiten und Lösungen zu finden: Inhalt, Umfang und Gestaltung einer Studieneingangsphase, die den Studierenden die Orientierung oder ggf. Umorientierung an der Hochschule ermöglicht, ohne das dies im Rahmen der leistungsbezogenen Mittelvergabe zu Lasten der Hochschulen gewertet wird.

Flexibilisierung des bislang starren Verteilungsmodells (3 Jahre BA/ 1- 2 Jahre MA) und Prüfung, ob je nach Fachkultur auch vierjährige BA-Studiengänge oder 1-jährige Master-Studiengänge und Promotionsstudiengänge im Anschluss an den Bachelor oder in Verzahnung mit dem Master erprobt werden sollten.

Thomas Flierl: " Mein Ziel ist es, mit den Hochschulen zusammen an der Verwirklichung von Bologna in Berlin konstruktiv zusammen zu arbeiten. Der Reichtum der Berliner Hochschullandschaft muss für Studierende auch konkret erschlossen werden können und erfahrbar sein."


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