Zur HIS-Publikation Forum Hochschule 5|2007: Studierbereitschaft in Brandenburg

Brandenburg kann seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre im Vergleich zu den übrigen neuen Ländern einen überdurchschnittlich hohen Anteil von jungen Leuten mit Hochschulzugangsberechtigung verzeichnen. Dem steht ein anhaltend unterdurchschnittlicher Anteil von Studienberechtigten gegenüber, die ihre erworbene Studienoption realisieren bzw. zum Studium im Land verbleiben.

18.07.2007 Brandenburg Pressemeldung HIS Hochschul-Informations-System GmbH

Eine Studie der HIS Hochschul-Informations-System GmbH im Auftrag des brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) untersucht die Gründe für die niedrige Studierquote der brandenburgischen Studienberechtigten und analysiert die sich bislang für Brandenburg zu einer negativen Wanderungsbilanz saldierenden Ab- und Zuwanderungsströme von Studienanfängern.

Da Frauen mit einer Hochschulzugangsberechtigung generell seltener als Männer ein Hochschulstudium aufnehmen, wirkt sich der in Brandenburg überdurchschnittlich hohe Frauenanteil an den Studienberechtigten negativ auf die brandenburgische (Gesamt-)Studierquote aus.

Zudem zeigt sich, dass brandenburgische Studienberechtigte (wie auch die aus den übrigen neuen Ländern) häufig stark extrinsisch (z. B. hohes Einkommen, berufliche Sicherheit, beruflicher Aufstieg) orientiert sind und mehr noch als die Studienberechtigten aus den anderen neuen Ländern mit ihrer Ausbildungswahl eine "persönliche Verwirklichung" anstreben. Beide Bedingungen wirken eher abträglich für eine hohe Studierquote.

Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass brandenburgische Studienberechtigte überdurchschnittlich häufig eine nicht-akademische Ausbildung als gleichwertige Alternative zu einem Studium ansehen bzw. dass sie sich bei ihrer grundsätzlichen Entscheidung über den nachschulischen Werdegang stark von erwarteten Berufsaussichten leiten lassen.

Studienberechtigte Brandenburger begründen ihren Verzicht auf die Aufnahme eines Hochschulstudiums noch häufiger als die aus den übrigen neuen Ländern mit finanziellen Aspekten – entweder wegen des Wunsches oder des Erfordernisses, bald eigenes Geld zu verdienen oder wegen der deutlich niedrigeren Bereitschaft, BAföG-Leistungen in Anspruch zu nehmen und deswegen Schulden machen zu müssen.

Die Vermutung einer durch fehlende Studienangebote induzierten niedrigen Studierbereitschaft findet keine empirische Unterstützung; gleiches gilt für die Vermutung, dass die niedrigere Studierquote in Brandenburg Folge zu geringer Studienplatzkapazitäten sei. Wichtig ist aber, dass etwa ein Fünftel der Studienberechtigten, die auf ein Studium verzichten, die Studienberechtigung von vornherein ohne Studienabsicht erworben hat.

Von angehenden Studienberechtigten wird mit Abstand am häufigsten die nur schwer absehbare Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als persönlich belastendes Problem bei der Planung des weiteren Werdegangs bezeichnet, gefolgt von der nur schwer überschaubaren Zahl der Möglichkeiten und der Unklarheit über Eignung und Fähigkeiten. Häufiger noch als die Studienberechtigten aus den übrigen neuen Ländern empfinden die Brandenburger die unklare Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als belastend. Dies gilt auch für die damit korrespondierende Schwierigkeit einzuschätzen, welche Qualifikationen und Kompetenzen wichtig sein werden. Dagegen verspüren sie "Unklarheiten über meine Eignung und Fähigkeiten" sowie "Unklarheiten über meine Interessen" vergleichsweise selten als Problem. Es ist also weniger die eigene Person als vielmehr die "externen" Bedingungen bzw. die unzureichenden Informationen über sie, die für die brandenburgischen Studienberechtigten die Planung erschweren.

Umso bedeutender ist, dass brandenburgische Jugendliche wichtige Informationsquellen zur Studien- bzw. Ausbildungswahl seltener nutzen (können) und zudem teilweise auch den Ertrag aus diesen Informationsquellen geringer bewerten als Jugendliche in anderen Ländern. Diese "informationelle Lücke" bzw. informationelle Unterversorgung besteht etwa hinsichtlich der schulischen Angebote von Hochschulbesuchen, des Besuchs von Informationstagen der Hochschulen, des unbefriedigenden Ertrags von hochschulischen Informationsmaterialien und des geringen Nutzens der ohnehin wenigen Gesprächsmöglichkeiten mit Hochschullehrern.

Nähere Auskünfte

Dr. Christoph Heine
Markus Lörz


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