Zusatzstudium "Kinder philosophieren" an der Hochschule für Philosophie, München

Der erste Weiterbildungsstudiengang "Kinder philosophieren" im deutschsprachigen Raum startet im Wintersemester 2008/2009 an der Hochschule für Philosophie (HfPh), München. Er richtet sich an Lehrkräfte, Lehramtsanwärter, Philosophen, Psychologen und (Sozial-)Pädagogen – letztlich an alle, die bereits einen akademischen Abschluss vorweisen können und am "Wohl des Kindes", verstanden als Anleitung zur Lebensorientierung, berufliches oder ideelles Interesse haben. Die Akademie Kinder philosophieren im bbw e.V. hat diesen Studiengang initiiert, inhaltlich entwickelt und bereits seit zwei Jahren in Seminaren und Übungen an der Hochschule erprobt.

14.07.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Die Akademie will die Lebenskompetenz von Kindern stärken, indem sie das aktive Philosophieren in Kindergärten, Horten und Schulen etabliert. Sie versteht sich in bislang einzigartiger Weise als Bindeglied zwischen pädagogischer Praxis und wissenschaftlicher Forschung, bietet Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte an und arbeitet an der Weiterentwicklung und Verankerung des Philosophierens als integratives Bildungsprinzip für Unterricht und Erziehung in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Philosophieren als Bildungsprinzip und Kulturtechnik steht für einrichtungsübergreifendes, interkulturelles und Fächer verbindendes Lernen. Eine philosophische Gesprächskultur dient der Sinnorientierung, der Wertebildung und der Demokratieerziehung. Sie fördert ganzheitlich Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung sowohl bei Kindern, als auch bei Lehrkräften.

Philosophieren bedeutet denkendes und fühlendes Erkennen, das Handeln anleitet und Sinnorientierung ermöglicht. Im Philosophieren als Tätigkeit geht es immer um Fragen, die das Wesentliche in den Blick nehmen und das Allgemeine ergründen wollen. In philosophischen Gesprächen nehmen Pädagogen die Alltagsfragen und Gedanken der Kinder ernst, fördern nachhaltig ihr Frageverhalten und vertiefen Lerninhalte multiperspektivisch und lebensweltnah. Das gemeinsame Philosophieren fördert in hohem Maße die Sprachentwicklung und die Empathiefähigkeit der Kinder, stärkt ihr Urteilsvermögen und lässt sie Selbstwirksamkeit erleben. Durch die Stärkung der sozial-emotionalen Kompetenzen wirkt das Philosophieren auch primärpräventiv gegen die Entstehung von Sucht- und Gewaltproblemen. Die Akademie arbeitet an Leitlinien und Prinzipien für eine theoretische Grundlegung und praxisnahe Umsetzung des Philosophierens mit Kindern. Von der Pädagogik und der Philosophie her sollen Kategorien definiert und erforscht werden, nach welchen sich das Philosophieren als kindliche Tätigkeit wissenschaftlich bestimmen lässt. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in Module für Schulungen von Lehrkräften, in die Ausbildung von Multiplikatoren und auch in die aktuellen Lehrveranstaltungen an der Hochschule ein.

Die Hochschule für Philosophie ist nicht nur eine ausgezeichnete Forschungs- und Lehreinrichtung, sondern auch ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur. Deshalb hat sie von Beginn an großen Wert auf den Kontakt zu Führungskräften und Multiplikatoren aus dem Bereich von Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft gelegt. Neben Forschung und Lehre sind die Mitglieder der Fakultät auch heute in verschiedensten gesellschaftlichen Feldern tätig, beispielsweise in der Weiterbildung für Führungskräfte in der Wirtschaft, als Berater für die Bischofskonferenz oder im Dialog mit Unternehmen über deren gesellschaftliche Verantwortung. Vorträge und Kurse an der Carl von Linde-Akademie oder im Rahmen von Weiterbildungskursen der Staatskanzlei für Beamte der bayerischen Ministerien sind ebenfalls fester Bestandteil des Engagements der Fakultät. Die Dozenten an der Hochschule sind davon überzeugt, dass die wissenschaftliche Philosophie eine gesellschaftliche Verantwortung hat. Sie verstehen die Hochschule als eine Institution, die Gesellschaft mitgestaltet. Dabei werden Einsichten der über 2000-jährigen philosophischen Tradition in Diskussionen über aktuelle gesellschaftliche Themen eingebracht.

Auch die Verbindung von Bildung und Philosophie ist dabei schon seit vielen Jahren ein wichtiges Element der Hochschule für Philosophie. Das Zusatzstudium Erwachsenenpädagogik, das die Hochschule seit mehr als 30 Jahren anbietet, ist ein Weiterbildungs-Studiengang (im Sinne des Bayerischen Hochschulgesetzes Art. 56), der als Ergänzung eines abgeschlossenen Erststudiums eine kompakte Einführung in Theorie und Praxis von Erwachsenenbildung und betrieblicher Weiterbildung bietet und diese Themen mit philosophischen Reflexionen verknüpft. Dieses Zusatzstudium ist nicht nur im Bereich der Weiterbildung sehr hoch angesehen.

Aus dieser Tradition heraus hat sich die Hochschule für Philosophie entschlossen mit der Akademie Kinder philosophieren im bbw e.V. eine Kooperation einzugehen und ein Zusatzstudium "Kinder philosophieren" anzubieten. Die Hochschule für Philosophie beglaubigt den erfolgreichen Abschluss des zwei- bis dreisemestrigen Studiums mit einem Abschlusszeugnis, das den Status eines Weiterbildungszertifikates einer staatlich anerkannten Hochschule hat. Mit dem Zusatzstudium "Kinder philosophieren" erweitert die Hochschule nicht nur ihr Lehrangebot, sondern sie nimmt auch gesellschaftliche Verantwortung wahr. Denn umfassende Bildung ist nicht nur eine Sache der Naturwissenschaften, sondern auch und gerade der Philosophie. Philosophieren bedeutet dabei lernen, die richtigen Fragen zu stellen und neue Formen des Nachdenkens über die Welt einzuüben. Eine solche Form des Reflektierens ist gerade angesichts immer komplexer werdender gesellschaftlicher Konstellationen unerlässlich und kann viele hilfreiche Impulse für Politik oder Wirtschaft geben. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass bereits Kinder philosophisches Denken einüben. Zudem eröffnet das Zusatzstudium auch den Studierenden der Hochschule für Philosophie die Möglichkeit, ihre philosophischen Interessen mit konkreten Berufsperspektiven zu verbinden. Mit dieser Zusatzqualifikation können Studierende auf die Berufswelt vorbereitet und ihnen aufzeigt werden, dass Philosophie in vielen gesellschaftlichen Feldern heute gefragter ist denn je. Der Bildungsbereich ist hier ein ausgezeichnetes Beispiel.

Ansprechpartner:

Christophe Rude, Projektleiter in der Akademie Kinder philosophieren Telefon: 08161 – 9891622 oder eMail: Weitere Informationen unter www.kinder-philosophieren.de oder www.hfph.mwn.de.


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