10-Punkte-Plan des Ministers zur Vermeidung von Unterrichtsausfall greift zu kurz
"Aktionismus", das ist das Erste, was einem einfällt, wenn man das heute durch den Minister für Bildung Wissenschaft und Kultur vorgelegte Maßnahmeprogramm zur Vermeidung von Unterrichtsausfall an den Grundschulen liest.
29.05.2012 Pressemeldung GEW Mecklenburg-VorpommernVertretungslehrer ohne Lehrbefähigung, Fort- und Weiterbildungen nach dem Unterricht, am Wochenende und in den Ferien - aber die Lehrergesundheit soll stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Und das, obwohl die Ursache Nr. 1 für Unterrichtsausfall die Krankheit von Lehrkräften ist – also muss man hier auch zuerst ansetzen (und nicht zuletzt) und etwas an der Belastungssituation ändern. "Der Minister hat ein Problem erkannt, klebt jedoch nur ein hübsches Pflaster, wo eigentlich eine Operation notwendig wäre", reagiert Annett Lindner, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern.
"Dass künftig mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden müssen, um den Unterricht abzudecken, diese Erkenntnis fehlt hier völlig. Statt dessen sollen Referendare oder sonstige Privatpersonen Unterricht auf Honorarbasis erteilen können ohne, dass sie diesen anspruchsvollen Beruf erlernt haben", ergänzt die Gewerkschafterin. Die Lehrergesundheit dann ebenfalls in diesen Zusammenhang zu stellen, sei fast ein Hohn.
"Ich hoffe doch sehr, dass sich hier auch die Eltern zu Wort melden und ein derartiges Unterfangen ablehnen". Der Lehrermangel ist aus Sicht der Gewerkschaft ein hausgemachtes Problem. Schon lange liegt dem Ministerium umfangreiches Zahlenmaterial zum Lehrerbedarf vor. Allein wurde es bisher immer ignoriert. Dem Mangel an Grundschullehrern im Vergleich zur Gymnasialstufe könnte aus Sicht der Gewerkschaft auch durch ein gerechteres Gehaltsgefüge entgegen gewirkt werden. Die bisherige Maßgabe "kleine Kinder, kleines Geld - große Kinder, großes Geld" sei einfach nicht zukunftsfähig. In der vergangenen Woche hat jedoch u.a. auch Mecklenburg-Vorpommern die Weiterführung von Verhandlungen zu diesem Thema in der TdL abgelehnt.
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