8. September Weltalphabetisierungstag
(bikl) 771 Millionen Erwachsene können nicht lesen und schreiben - das ist ein Fünftel der erwachsenen Weltbevölkerung. Zwei Drittel davon sind Frauen. 100 Millionen Kinder wachsen ohne Schulbildung auf: Der Welttag der Alphabetisierung am 8. September macht aufmerksam auf den weltweiten Analphabetismus. In der Weltdekade der Alphabetisierung (2003 bis 2012) wollen die Vereinten Nationen das internationale Entwicklungsziel „Bildung für alle“ verwirklichen.
08.09.2006 ArtikelÜber siebzig Prozent aller erwachsenen Analphabeten leben in nur neun Ländern der Erde, darunter Indien, China, Bangladesch und Pakistan. Doch auch in den Industrieländern ist Analphabetismus ein Thema. In Deutschland verlassen 80 000 Jugendliche jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Die meisten von ihnen haben Probleme mit dem Lesen und Schreiben. Damit fehlt ihnen die Grundlage für eine aktive Teilnahme am sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Leben. Nach Schätzungen können rund vier Millionen Menschen hierzulande nicht ausreichend lesen und schreiben, um den Anforderungen des Alltags gerecht werden zu können.
In Deutschland hat sich ein Bündnis zur Koordinierung der UN-Weltdekade der Alphabetisierung konstituiert, dem zahlreiche Partner angehören, die sich auf dem Gebiet der Alphabetisierung engagieren. Rund um den Welttag der Alphabetisierung am 8. September weisen sie auf das Problem des "funktionalen" Analphabetismus in den Industrieländern hin.
"Das G muss weg"
So startet am 8. September das Filmprojekt "Das G muss weg". Die erste filmische Langzeitstudie über Analphabeten in Deutschland wird ab Mitte September in mehreren deutschen Kinos aufgeführt.
Wie lebt es sich in unserem Land als Analphabet? Welche Schwierigkeiten des täglichen Lebens muss man meistern? Und wie kommt es überhaupt dazu, dass Menschen in Deutschland trotz Schulpflicht nicht ausreichend Schreiben und Lesen können? Das Dokumentarfilm-Projekt "Das G muss weg" von Renate Günther-Greene beobachtet die drei funktionalen Analphabeten Steffi (27), Mondo (25) und Nicole (24) in ihrem schwierigen Lebensalltag. Sie haben den Mut gefunden, an einem Kurs für Erwachsene teilzunehmen und mit der Kamera hat Günther-Greene die Protagonisten ein Jahr lang bei ihren Fortschritten und Rückschlägen begleitet. "Das G muss weg" macht dieses vielleicht so fremde Problem hautnah erfahrbar.
Frankfurter Buchmesse: LitCam
Am 2. Oktober 2006 schließlich startet die Frankfurter Buchmesse im Rahmen ihres neuen Schwerpunktes Bildung die internationale Kampagne zur Grundbildung und Alphabetisierung "LitCam" (Frankfurt Book Fair Literacy Campaign). Mit Aktionen und Veranstaltungen auf der Messe will die Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., dem Deutschen Volkshochschul-Verband e. V. und dem UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen auf das drängende Problem des (funktionalen) Analphabetismus hinweisen. Bei der Abschlussveranstaltung am Buchmesse-Sonntag, den 8. Oktober, steht das Thema „Funktionaler Analphabetismus trotz Schulpflicht!“ auf der Agenda. Nach einer Podiumsdiskussion werden prominente Schauspieler und Autoren Texte von ehemaligen Analphabeten lesen.
Anlage
Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V. und des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. (im .pdf-Format).
Links
Bundesverband Alphabetisierung
LitCam - Literacy Campaign
Das G muss weg
Kinos und Zeiten
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