Deutsch-französisches Doppelabitur als Beispiel bilingualer Bildung
Anfang der Woche wurden insgesamt 101 Schüler:innen aus Berlin und Brandenburg die Abschlusszeugnisse des deutsch-französischen Doppelabiturs Abibac überreicht. Der Abschluss ist sowohl in Deutschland als auch Frankreich als Hochschulreife vollwertig anerkannt und ein Beispiel bilingualer Bildung in Berlin.
11.07.2025 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und FamilieAbibac, das deutsch-französische Doppelabitur, wird derzeit an fünf Berliner Schulen (Moser Schule, Romain-Rolland-Gymnasium, Rückert-Gymnasium, Sophie-Scholl-Schule, Französisches Gymnasium Berlin; zukünftig auch Carl-von-Ossietzky-Gymnasium) angeboten. Als Kombination zwischen dem Abitur und seinem französischen Pendant, dem Baccalauréat, bietet es Absolvent/-innen gute Möglichkeiten, in beiden Ländern zu studieren und zu arbeiten. Je nach Dauer der Schulzeit (G8 oder G9) wird das Abibac in den letzten zwei oder drei Schuljahren der gymnasialen Oberstufe vorbereitet. Dieser Prüfungsvorbereitung geht wiederum zusätzlicher Französischunterricht sowie bilingualer Sachfachunterricht in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern während der Sekundarstufe I voraus. Schwerpunkte im Unterricht sowie in den Prüfungen sind neben der französischen Sprache mindestens zwei auf Französisch unterrichtete Sachfächer.
Bereits seit mehr als 30 Jahren bestehen verschiedene Möglichkeiten des bilingualen Unterrichts, um Schüler/-innen in Berlin besser auf die Anforderungen einer globalisierten Welt und eines zusammenwachsenden Europas vorzubereiten. Neben den Standorten der Staatlichen Europa-Schule Berlin, an denen ab der 1. Klasse bis zum Abitur zweisprachiger Unterricht in Mutter- und Partnersprache stattfindet, haben sich an rund 50 Berliner Schulen Konzepte und Profile entwickelt, die besonders die Zielsprachen Englisch, Französisch und Spanisch fokussieren.
Grundsätzlich versteht man unter dem Begriff des bilingualen Unterrichts in Berlin einen integrierten Sachfach- und Fremdsprachenunterricht. In ihm wird eine Fremdsprache zum zentralen Werkzeug, um die Inhalte des jeweiligen Sachfachs zu erlernen. Im Sinne des bilingualen Unterrichts könnte also beispielsweise Geografie auf Englisch oder Geschichte auf Französisch unterrichtet werden. Unterrichtet wird in diesen Fällen von Lehrkräften des Sachfachs, die zusätzlich in der jeweiligen Fremdsprache qualifiziert sind. Der bilinguale Unterricht ist grundsätzlich darauf ausgelegt, die Fremdsprachenkompetenz der Schüler/-innen systematisch aufzubauen und zu erweitern. Dies passiert immer durch zusätzlichen, begleitenden Fremdsprachenunterricht.
Seit dem Schuljahr 2022/23 werden die rund 50 weiterführenden Schulen mit bilingualen Unterrichtskonzepten auf Basis der „AV bilingualer Unterricht“ drei verschiedenen Grundmodellen zugeordnet, die sich in ihrer Zielsetzung und ihrem Anspruchsniveau unterscheiden: Während es im Modell C um eine Erweiterung der Fremdsprachenkompetenz durch punktuell angebotene bilinguale Module geht, zeichnet sich das Modell B bereits durch durchgängig angebotene bilinguale Profile aus. Hier wird am Ende der 10. Klasse bereits ein zweisprachiges Zertifikat ausgestellt. Schulen, die dem Modell A zugeordnet werden, verfolgen die Studierfähigkeit in der jeweiligen Fremdsprache als Ziel. Hierfür belegen die Schülerinnen und Schüler mindestens einen fremdsprachlich durchgeführten Grundkurs in einem Sachfach und müssen diesen Grundkurs mit einer abschließenden Prüfung in das Abitur einbringen. Daneben ist die Teilnahme an einem Leistungskurs in der Fremdsprache verbindlich. Wie im Falle des Abibac erhalten die Schüler/-innen hier ein zweisprachiges Zertifikat am Ende der gymnasialen Oberstufe.
Insgesamt bietet bilingualer Unterricht eine gute Chance, multiperspektivisches Lernen anzuregen und interkulturelle Kompetenzen zu verbessern. Neben der zentral verfolgten Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen eröffnet bilingualer Sachfachunterricht die Möglichkeit, Themen zusätzlich aus der Perspektive des Landes/ der Länder der jeweiligen Unterrichtssprache zu betrachten – eine Fähigkeit, die heute besonders wichtig ist, um globale Prozesse verstehen und einordnen zu können.
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