Absolute Mehrheit gegen Fortsetzung des Lehrertarifvertrages zu alten Bedingungen

"Eine absolute Mehrheit der stimmberechtigten GEW-Mitglieder hat gegen die Fortsetzung des Lehrertarifvertrages zu den alten Bedingungen gestimmt", sagte die Tarifchefin der GEW Sachsen-Anhalt, Eva Gerth, heute vor der Landespressekonferenz. "Mit genau 90 Prozent sind die GEW-Mitglieder der Empfehlung des Landesvorstandes gefolgt, den Tarifvertrag unter den jetzt geltenden Regelungen nicht weiter fortzusetzen." Der Landeshauptausschuss der GEW Sachsen-Anhalt werde sich mit diesem eindeutigen Votum am 10. Juli 2007 beschäftigen und weitere Schritte einleiten. Die absehbare Konsequenz sei, dass ab dem Schuljahr 2008/09 wieder für alle Lehrkräfte des Landes Anspruch auf die volle Arbeitszeit und damit auf volle Gehälter bestehe. Nach 15 Jahren in verschiedenen Teilzeitmodellen wäre das ein Schritt zur Normalität.

06.07.2007 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Der GEW-Landesvorsitzende, Thomas Lippmann, bezeichnete das Ergebnis der Mitgliederbefragung als Beweis dafür, dass die Lehrerinnen und Lehrer die bisherigen Angebote der Landesregierung für unzumutbar halten. "Sie haben bereits über viele Jahre Einsicht in die Folgen des demografischen Einbruchs der Schülerzahlen gezeigt und deshalb für ihren Kündigungsschutz auf mehr Einkommen verzichtet, als jede andere Beschäftigtengruppe im öffentlichen Dienst." Deshalb hat die Forderung der Landesregierung, die drastischen Kürzungen von Arbeitszeit und Vergütung um drei weitere Jahre bis 2013 zu verlängern, nun bei den GEW-Mitgliedern "das Fass zum Überlaufen" gebracht. Lippmann sagte: "Wir haben gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der dbb-Tarifunion großen Verhandlungswillen gezeigt und bis zuletzt auf verhandlungsfähige Angebote gehofft." Nun sei "die Landesregierung am Zuge". Lippmann betonte: "Wir haben genug pädagogische Arbeit in Sachsen-Anhalt, wenn wirklich gute Schule gewollt ist." Die Politik verweigere jedoch seit Jahren dafür das Geld.

Hintergründe:

Der Arbeitsplatzsicherungstarifvertrag für die Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt "TV-Schulen LSA" hat eine Laufzeit von 2003 bis 2010. Er ist mit einer Jahresfrist zum jeweiligen Schuljahresende kündbar. Er gilt gegenwärtig noch für ca. 13.000 angestellten Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen des Landes und sieht vor dem Hintergrund des massiven Schülerrückgangs in Folge der demografischen Krise in Ostdeutschland eine Reduzierung von Arbeitszeit und Vergütung gegen Kündigungsschutz vor. Er schloss sich an eine Teilzeitvereinbarung von 1992 und einen ähnlichen Tarifvertrag von 1997 an. Die GEW und die dbb-Tarifunion hatten zu Beginn des Jahres 2007 die Landesregierung zu Nachverhandlungen des laufenden Tarifvertrages aufgefordert, nachdem klar geworden war, dass mit der derzeit gültigen Berechnungsmethode für die Arbeitszeit der Lehrkräfte die Unterrichtsversorgung und die derzeit bestehenden Förderangebote an den Grund- und Förderschulen nicht gewährleistet werden können. An den Sekundarschulen und Gymnasien würde es zu Absenkungen der Arbeitszeit und damit der Gehälter von 10 bis 15 Prozent kommen, die die Gewerkschaften für sozial unverträglich halten.

Die Vorschläge der GEW hatten neben der sozialen Absicherung zum Ziel, die drohenden Unterrichtsausfälle an Grund- und Förderschulen abzufangen und bessere pädagogische Angebote zu machen sowie eine Fortbildungsoffensive für die Lehrerinnen und Lehrer zu starten.

Da nach dem Abbruch der Verhandlungen am 12. März 2007 kein neues Angebot der Landesregierung unterbreitet worden war, hatte die GEW eine Mitgliederbefragung unter den betroffenen GEW-Mitgliedern eingeleitet, die am 5. Juli 2007 endete. Dabei wurden ca. 4600 Mitglieder befragt. Davon haben ca. 60 Prozent ihre Stimme abgegeben, wobei sich die Lehrerinnen und Lehrer der Grund-, Förder-, Sekundar- und Gesamtschulen sowie der Gymnasien etwa gleichmäßig an der Abstimmung beteiligten. Auch die Prozentzahlen der Zustimmung wichen nur marginal zwischen den Schulformen ab. Sie lagen zwischen 87,8 und 95,5 Prozent.

Die aktuelle Situation ist, dass im kommenden Schuljahr der geltende Tarifvertrag angewandt wird, was eine Reduzierung der pädagogischen Angebote besonders an den Grund- und Förderschulen zur Folge haben wird, obwohl Arbeitsvermögen ausgeschöpft werden könnte.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden