Rheinland-Pfalz

Ahnen: Neue Angebote runden regionale Schulstruktur weiter ab

Sieben weitere Realschulen plus erhalten die Option, zum Schuljahr 2012/13 mit einer Fachoberschule (FOS) verbunden zu werden. "Wir setzen damit behutsam unseren 2010 begonnenen Weg fort, Schülerinnen und Schülern über die Realschule plus einen weiteren Weg zu höheren Qualifikationen aufzuzeigen", sagte Bildungsministerin Doris Ahnen heute in Mainz.

19.08.2011 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Mit Beginn des laufenden Schuljahres hatten die ersten zwölf Fachoberschulen im Verbund mit einer Realschule plus in Rheinland-Pfalz den Unterricht aufgenommen. Der zweijährige Bildungsgang aus dem berufsbildenden Bereich führt in den Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung, Technik sowie Gesundheit zur Fachhochschulreife. Diese berechtigt zum Studium an jeder deutschen Fachhochschule oder kann über ein weiteres Schuljahr zum beruflichen Abitur und damit zur allgemeinen Hochschulreife erweitert werden. Gleichzeitig ermöglicht sie den Einstieg in moderne Handwerks- und Dienstleistungsberufe, wie etwa in der Medizintechnik, in denen hohe Anforderungen an die Auszubildenden gestellt werden.

Neben den Optionen für die Fachoberschule kündigte die Ministerin auch die Vergabe von Optionen für fünf weitere Realschulen plus sowie für fünf neue Vollzeitbildungsgänge an berufsbildenden Schulen an, die ebenfalls zum Schuljahr 2012/13 starten können, sofern sie die jeweils vorgeschriebenen Mindestanmeldezahlen erfüllen.

"Mit den neuen Errichtungsoptionen für Realschulen plus, Fachoberschulen und weitere berufsbildende Vollzeitbildungsgänge wird das Bildungsangebot für junge Menschen nachfrage- und bedarfsorientiert ausgebaut", betonte die Ministerin. "Unser Ziel bleibt dabei, in Zeiten rückläufiger Schülerzahlen eine zukunftsfeste und leistungsfähige Schulstruktur mit vielen Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen, die allen Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen bietet, ihre Fähigkeiten, Talente und Neigungen möglichst gut zu entwickeln".

Seit Beginn der Schulstrukturreform im Schuljahr 2009/10 sei man auf diesem Weg erfreulich weit vorangekommen. Derzeit existierten bereits 174 Realschulen plus, die zusammen mit 54 Integrierten Gesamtschulen und 147 Gymnasien das Rückgrat eines aufstiegsorientierten Schulangebots bildeten. Sollten alle fünf Errichtungsoptionen für Realschulen plus eingelöst werden, würden im Schuljahr 2012/13 nur noch sechs öffentliche Realschulen in herkömmlicher Form sowie vier Hauptschulen in öffentlicher Trägerschaft Schülerinnen und Schüler aufnehmen, hielt Doris Ahnen fest. Um als Realschule plus starten zu können, müssen sich beim Anmeldeverfahren im Februar 2012 an den fünf neuen Standorten mindestens 51 Schülerinnen und Schüler verbindlich anmelden, damit die vorgeschriebene Mindestzügigkeit von drei Klassen erfüllt wird und die Errichtungsoption eingelöst werden kann. "Die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen zur neuen Schulart Realschule plus ist damit nahezu abgeschlossen, und das schneller als ursprünglich vorgesehen und im Konsens mit den Beteiligten", stellte Bildungsministerin Ahnen fest.

Mit den Errichtungsoptionen für neue Fachoberschulen sowie für weitere Wahlschulbildungsgänge an den beruflichen Schulen setze das Land zusätzliche Akzente, um den Nachwuchs an Fachkräften, zum Beispiel in technischen Berufen oder im Pflege- und Gesundheitswesen zu sichern, unterstrich Ahnen. Dazu gehöre der Ausbau der Fachschulen für Sozialwesen mit den neuen Angeboten in Annweiler und Rodalben und die Berufsoberschule II in Boppard, damit zum Beispiel auch in Zukunft genügend Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten zur Verfügung stehen. Von den sieben optionierten Fachoberschulen böten drei die Fachrichtung Technik an – zwei, in Mendig und Landau, mit dem Schwerpunkt "Technische Informatik" und eine in Höhr-Grenzhausen mit dem Schwerpunkt "Metalltechnik". Zusammen mit der Option für ein neues Berufliches Gymnasium "Informationstechnik" in Koblenz und der Fachschule für Technik in Speyer ergäben sich somit neue Möglichkeiten der Gewinnung von Fachkräften für Wachstumsbranchen. Die vier anderen optionierten Fachoberschul-Standorte bieten die Fachrichtung Gesundheit an – entweder in Kombination mit Wirtschaft und Verwaltung wie in Hassloch, Kaisersesch oder in Katzenelnbogen oder aber solitär in enger Zusammenarbeit mit dem Pfalz-Klinikum Klingenmünster an der Realschule plus Bad Bergzabern.

Fachoberschulen an der Realschule plus werden in der Regel zweizügig (also mit zwei Klassen pro Jahrgangsstufe) geführt. Für Fachoberschulen mit nur einer Fachrichtung müssen mindestens 38 Anmeldungen vorliegen; für Schulen mit der Fachrichtungskombination Wirtschaft und Verwaltung / Gesundheit müssen mindestens 46 Anmeldungen für die Eingangsklassen vorliegen. Die Bildungsministerin betonte, alle Entscheidungen seien unter Berücksichtigung der jeweiligen regionalen Situation gefallen. Dabei sei selbstverständlich auch berücksichtigt worden, welche Angebote der Sekundarstufe II bereits vorhanden seien beziehungsweise zum Beispiel durch die Errichtung von Integrierten Gesamtschulen in den kommenden Jahren an den Start gingen. "Wir brauchen neben einer ausreichenden Zahl an attraktiven Ausbildungsstellen ein abgestimmtes System an Oberstufenangeboten in einer Region", erklärte Doris Ahnen. Die Definition einer Region gehe dabei über die Grenzen eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt hinaus. Gerade in der Sekundarstufe II sei in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz der Blick über die kommunalen Grenzen hinweg notwendig, damit alle heutigen und zukünftigen Angebote ausreichenden Zuspruch erhielten. Die Ministerin kündigte an, noch im Herbst gingen den Schulträgern und Schulen die zukünftig geltenden Errichtungsbedingungen zum Beispiel für Integrierte Gesamtschulen oder Gymnasien zu, welche die im Stufenplan zur Absenkung der maximalen Klassengrößen vorgesehenen reduzierten Klassenmesszahlen in der Orientierungsstufe berücksichtigten.

"Wir wollen, dass auch in Zeiten des demografischen Wandels junge Menschen wohnortnah gut für Ausbildung, Studium und Beruf qualifiziert werden. Land, Kommunen und Schulen arbeiten zielstrebig und erfolgreich daran, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern ein Bildungsangebot zu machen, das die Perspektiven von jungen Leuten weiter verbessert, zu mehr Chancengleichheit beiträgt und zugleich zukunftsfest ist", hielt Bildungsministerin Ahnen abschließend fest.


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